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21. Juli 2017
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  Machismo - ein spanisches Problem?
 
 
 
 

In der zweiten spanischen Republik, kurz vor Francos Machtergreifung, bekamen Frauen das Wahlrecht zugesprochen. Die Gleichberechtigung schritt schnell voran und selbst an der Front kämpften die Frauen gegen die faschistischen Truppen gleichberechtigt. Nach Francos Sieg herrschte dann wieder ein stark männerdominiertes Gesellschaftsbild vor. Erst nach dem Tod des Diktators konnten Frauen wieder die gleichen Rechte einfordern - und sie taten es.

Gleichstelllungsministerium
Spanien hat seit 2008 ein Gleichstellungsministerium, hier laufen alle Fäden des Kampfes gegen die Ungleichbehandlung zusammen. Gegründet wurde es vor allem, um Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen, Auklärung und Prävention zu betreiben. Häusliche Gewalt ist nicht ausschließlich ein männlich-spanisches Problem, es verteilt sich rund um den Globus und die Geschlechter - die Ausprägung ist natürlich regional verschieden und auch die häusliche Gewalt gegen Männer tritt langsam ans Licht der Öffentlichkeit. Eine der ersten Amtshandlungen Zapateros war daher die Gründung eines passenden Ministeriums.

In der Statistik im Mittelfeld
Bei einer Erhebung des Zentrums Reina Sofía aus den Jahren 1998 bis 2006 waren die machistischen Morde in Spanien mit 2,81 Übergriffen mit Todesfolge pro eine Millionen Frauen relativ gering. Der Durchschnitt lag bei 5,04. Trauriger Spitzenreiter war Puerto Rico mit 14,10, gefolgt von Zypern (12,37) und Österreich mit 9,4. Die Studie wurde vom Zentrum Reina Sofía angefertigt. Das Centro Reina Sofía ist eines der renommiertesten Institutionen zur Gewaltforschung in Spanien. Natürlich haben solche Statistiken immer ihre Schwachstellen, dennoch vermitteln sie gewisse Tendenzen. Die auffällige Diskurs- und Medienpräsenz muss also noch andere Gründe haben.

Ein Problem der alten machistischen Gesellschaftsordnung?
Die Zahlen sprechen dagegen: Die Vergehen bei den jungen Menschen in Spanien steigen sogar. Die Todesfälle von 2000 bis 2006 sind ebenfalls um 15 Prozent gestiegen. Zwischen 2000 und 2009 wurden insgesamt 629 Frauen umgebracht. Die Verbrechen werden außerdem grausamer und die Täter jünger. Das Thema wird also akuter und Spanien tut gut daran, weiterhin Aufklärungskampagnen zu finanzieren und hier nicht einzusparen. Die aktuellen Zahlen sind erschreckend, aber viele fortschrittliche Kräfte in Spanien kämpfen offensiv gegen den Machismo, was sicherlich auch ein Grund für den öffentlichen Diskurs ist, den es zum Glück gibt. In anderen Ländern Europas scheint das Thema bereits abgehakt zu sein. Dennoch werden seit knapp 10 Jahren jährlich ca. 50 bis 70 Fälle von häuslicher Gewalt mit Todesfolge an Frauen in Spanien registriert.

Boulevardisierung der Gewalt
Natürlich beinhaltet der Machismo noch einige Implikationen mehr: Ungleichbehandlung auf dem Arbeitsmarkt, Diskriminierungen in verschiedenen Bereichen etc. - aber zumindest bei den Extremfällen sieht es in Spanien nicht so schlecht wie in anderen Ländern aus. Zu vermuten ist, dass die auf Sensationen ausgelegten spanischen Medien die Fälle machistischer Gewalt stärker als die Medien in anderen Ländern transportieren und boulevardisieren. Die Sensibilität gegenüber Nachrichten aus Lateinamerika ist traditionell ebenfalls höher - und in den ehemaligen Kolonieländern ist das Problem des Machismo derzeit akuter.

Nachholende 68-Bewegung
Es gab hier kaum eine Jugendbewegung vergleichbar der 68er im restlichen Europa. Manchmal macht es den Anschein, als würde das jetzt, zumindest in Gleichstellungsfragen, nachgeholt werden. Auch wenn der gewaltätige Machismo in Spanien noch verhältnismäßig gering ist, bleiben Aufklärung und Anlaufstellen für Opfer wichtig. In Spanien hat sich seit Francos Tod eine, für Europa, starke feministische und gleichstellungsorientierte Bewegung entwickelt, die sich inzwischen auch einflussreich zu Wort melden kann. Nicht zuletzt war die Berufung einer Frau zur Verteidigungsministerin ein politisches Zeichen der PSOE-Regierung.

Gerade in den unsicheren Zeiten werden die konservativen Kräfte wieder stärker und die Gewalt gegen Frauen steigt. In Madrid mussten letzten Jahr fast 21 Mal pro Tag die Polizei ausrücken, um ca. 8000 Fälle von Gewalt an Frauen nachzugehen - jeder ist einer zuviel.

weitere Informationen bei der el público oder in der el país
Mehr im Gleichstellungsministerium


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