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  Au-Pair Jennifer I: Im siebten Himmel
 
 
 
 
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  Au-Pair Jennifer I: Im siebten Himmel
  17. Dezember 2009 13:59
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Hallo Jennifer,

dein Artikel ist dir sehr gut gelungen. Dass du dich wohlfühlst in Madrid ist deutlich zu erkennen.
Ich wünsche dir weiterhin viele erlebnisreiche Tage und dass du ganz viele neue Eindrücke über das Leben mit nach Deutschland bringst.

Ich bin sehr stolz auf meine Enkeltochter !!

Deine Omi

Beantworten

"Und was machst du hier in Madrid? - Ich bin Au-Pair. - Was? - Au-Pair. Ich lebe hier in einer spanischen Familie und kümmere mich um deren Kinder. - Achsoooo..."

Es ist mir schon nicht mehr möglich an meinen zehn Fingern abzuzählen, wie oft ich diesen Dialog schon geführt habe. Mit dem Wort Au-Pair können die meisten Spanier nichts anfangen und das, obwohl in fast jeder zweiten Familie eines lebt. Mittlerweile ist es Gang und Gäbe in Spanien, sich ein Au-Pair ins Haus zu holen.

“Au-Pair? Was ist das denn?”

Dabei sind vor allem die Deutschen sehr beliebt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass im kosmopolitischen Madrid der Gebrauch der deutschen Sprache längst keine Ausnahmeerscheinung mehr ist. Von deutsch-spanischen Ehen über deutsche Einwanderer bis hin zu spanischen Familien, überall wird deutsch gesprochen und gelernt. Wer es sich leisten kann, schickt sein Kind auf die Deutsche Schule Madrid (DSM).

Zur Unterstützung des deutschen Spracherwerbs erweist sich das Au-Pair als kostengünstigste und effizienteste Methode, da es sowohl die Aufgaben eines/r Kinderbetreuer/in, Erzieher/in und Spielgefährte/in übernimmt, als auch die eines/r Nachhilfelehrer/in oder Hausaufgabenhilfe erfüllt - und das alles auf deutsch. Im Gegenzug lässt die Familie das Au-Pair bei sich wohnen und stellt ihm ein Zimmer,übernimmt die Verpflegungskosten und erlaubt ihm alle weiteren Notwendigkeiten, wie Benutzung von Bad, Internet und Telefon. Zudem erhält das Au-Pair wöchentlich ein kleines Taschengeld, das im Regelfall zwischen 60 und 70 Euro liegt (Orientierungshilfe: 45-55 € ist kein gerechtfertigtes Gehalt, auch wenn es nur ein Kind zu betreuen gilt). Die täglichen Aufgaben eines Au-Pairs (in der Regel 4-5 Std/Tag) können sehr unterschiedlich ausfallen, beispielsweise: Kinder zur Schule bringen, Babysitten, bei den Hausaufgaben helfen, unterrichten etc. Es sollten dennoch immer solche zu Gunsten der Kinder sein. Hausarbeit gehört in der Regel nicht zu seinen Aufgaben, allerdings können kleinere Arbeiten nach vorheriger Absprache verlangt werden.

Das Abenteuer beginnt

Ich weiß noch, was für ein unbeschreibliches Gefühl es war, als ich die erste Antwort einer Familie in meinem Email-Posteingang vorfand. Das kleine Briefchen, das mir signalisierte, dass Post gekommen war, der Absender, und dann - die erste interessierte Familie! "Liebe Jenny, uns gefällt dein Profil sehr gut und wir würden uns gerne einmal mit dir in Verbindung setzen...” In diesem Moment eröffnete sich für mich eine neue Welt: Selbstständigkeit, ein fremdes Land, eine neue Sprache, eine neue Kultur. Fort waren alle Zweifel, fort jedes Bedenken, "fort" war das richtige Wort. Ich wollte fort, die Welt entdecken. Meine Abenteuerlust war geweckt und keinen Monat danach saß ich im Flugzeug auf dem Weg zu meiner bislang größten Lebenserfahrung.

Zweieinhalb Stunden und ein paar Abschiedstränen später torkelte ich mit meinem Halbspanisch und zwei dicken Koffern durch den Flughafen von Madrid. Da war ich nun. Voller Stolz, aber auch total überfordert und hilfsbedürftig schleppte ich mich von einer Information zur anderen. Da mich meine Gastfamilie nicht abholen konnte, sollte ich ein Shuttle nehmen, doch mein brockenhaftes "Spanglish" verstand hier keiner. Auf mich allein gestellt und unzählige Kommunikationsversuche weiter, hatte ich es letztendlich mit Mühe und Not geschafft und saß, die erste Hürde meisterhaft überwunden, in einem Shuttle geradewegs in die Innenstadt. Madrid, ich kam.

Allein mit kleinem Kind auf dem Bahnhof

Mein erster Eindruck von der Familie war überragend. Die kleine Laura (Name geändert) hatte ihr Zimmer sogar extra für mich mit Luftballons dekoriert. Süß. Leider wurde ich aus allen Wolken gerissen, als ich erfuhr, dass es am nächsten Tag schon weitergehen sollte: Nach Bilbao. Da die Mutter geschäftlich nach Mexiko verreiste und der Vater geschäftlich in Bilbao tätig war, fuhren wir mit dem Zug in die nördliche Hälfte des Landes. Natürlich musste der Zug unterwegs ausfallen und ich mich samt fremdem Kind und Halbspanisch durch die Informationen kämpfen. Eine Woche nach Reiseantritt kam ich dann endlich richtig in Madrid an und nach dem ersten Schock, der Verkehr, rote Ampeln, Dreck und überteuerte Läden betraf, überwältigte mich der Anblick der kunstvollen Gebäude, kleinen, verzierten Tapas-Bars und des antiken, charmanten Altstadt-Ambientes. Hier war ich nun zu Hause, und die Mentalität der Leute und das unglaubliche Nachtleben gaben mir auch schnell ein heimisches Gefühl.

Alltag - Nicht in Madrid!

Nun lebe ich seit knapp drei Monaten in Madrid, und hätte keine bessere Entscheidung treffen können, als den Au-Pair-Job anzunehmen. Nachdem ich mich durch das Angebot an Sprachschulen gekämpft hatte und mich an das Leben in der Familie gewöhnt habe, scheint es mir, als wäre der Alltag hier dennoch nicht der Gleiche - nun ja, besser: Ich warte immer noch darauf, dass sich der so genannte "Alltag" einstellt. Madrid besteht aus einer so großen Vielfältigkeit, dass man sich zwischen den Läden, Bars, Museen, Diskotheken, Parks, Kirchen, Theatern, Kinos, etc. kaum entscheiden kann. Und ist die Entscheidung dann doch gefallen, stößt man an der nächsten Ecke auf eine bisher unbekannte Bar und verbringt letztendlich dort den Abend.

Wer einmal gesehen hat, wie sich willkürlich vorher einander unbekannte Spanier auf einer Plaza zusammenfinden und zusammen musizieren, den hat diese Stadt für immer in ihren Bann gezogen. Madrid ist eine Muse, die den einen oder anderen von uns zum Lebenskünstler macht.


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