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19. April 2019
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  ’Novemberkind’-Regisseur in Madrid: "Zeit für unangenehme Fragen"
 
 
 
 

’Novemberkind’ ist die Geschichte der 25jährigen Inga (Anna Maria Mühe), die in einem mecklenburgischen Dorf bei ihren Großeltern aufwuchs, da ihre Mutter Anfang der ’80er in der Ostsee ertrunken ist. So lautet jedenfalls die offizielle Version, an die sich alle im Ort halten. Bis eines Tages der Literaturprofessor Robert (Ulrich Matthes) auftaucht und Inga die wahre Geschichte erzählt. Ihre Mutter war kurz nach Ingas Geburt mit einem desertierten sowjetischen Soldaten in den Westen geflüchtet und hatte die Tochter zurückgelassen. Gemeinsam mit Robert macht sich Inga auf die Suche nach ihren Eltern- und damit auch nach ihrer eigenen Identität. Dabei kommt so manch unangenehme Wahrheit ans Licht.

Preisgekrönte Abschlussarbeit

Der mehrfach preisgekrönte Film ist die Diplomarbeit des auf Rügen geborenen Christian Schwochow. Der 31jährige wirkte schon als Kind bei DDR-Hörspielproduktionen mit, war als Jugendlicher Herausgeber und Chefredakteur eines Jugendmagazins, arbeitete nach dem Abitur als Autor, Sprecher und Reporter für verschiedene Rundfunkanstalten und studierte schließlich an der Filmakademie Baden-Würtemberg Filmregie.

Mit fast 200.000 Besuchern und mehreren Festivalpreisen, auch für die herausragende Anna Maria Mühe, war ’Novemberkind’ der Ãœberraschungserfolg des letzten Jahres. Seit mehr als einem Jahr ist Schwochow nun rund um die Welt unterwegs, um seine melancholische, aber nie rührselige Abschlussarbeit zu präsentieren. Gerade war er noch in Japan und Neuseeland unterwegs, nächste Woche geht es nach Italien. Im Goethe-Institut Madrid erklärt der junge Regisseur, er wollte “einen politischen Film machen, der nicht wie ein politischer Film aussieht†. Dabei ging es ihm darum, zu zeigen, “wie weit große Weltpolitik noch in die kleinste Zelle, in die Familie und in Liebesbeziehungen einwirkte.â€

"Feigheit der Älteren"?

Schwochows Familie ist selbst vor zwanzig Jahren aus der DDR ausgereist. Ihr Ausreiseantrag war am 10. November 1989 genehmigt worden, am Morgen nach dem Fall der Mauer, den der damals 11jährige glatt verschlafen hatte. Die Glaubwürdigkeit des Films ist nicht zuletzt seiner Mutter und Ko-Autorin, der Journalistin Heide Schwochow zu verdanken, die in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen ist.

Gleich mehrere Fragen des deutsch-spanischen Publikus beziehen sich auf den Generationenkonflikt und die Schuldfrage, die ’Novemberkind’ aufwirft. Ist die “Feigheit†der Großeltern, die ihr Enkelkind bei sich behalten und ihre geflohene Tochter anscheinend zu vergessen versuchen, nicht irgendwie nachvollziehbar? Schwochow betont, der Film sei durchaus so gedreht, dass ihr Handeln zu verstehen sei.

Er will jedoch mit der Geschichte zu einer notwendigen Diskussion anregen, vor allem zwischen den ostdeutschen Eltern- und Kindergenerationen. †Es ist aber an der Zeit, unangenehme Fragen zu stellen! Mehr, als dies heute der Fall ist.†Gleichzeitig können die ’Wessis’ mehr über die Vergangenheit Ostdeutschlands erfahren. Schwochow berichtet, einige Westdeutsche hätten mit Bekenntnissen wie "Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht" oder "Davon habe ich noch nie gehört" auf den Film reagiert.


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