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20. Juni 2019
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  Der Erfinder der Entdeckerin der Currywurst - Uwe Timm in Madrid
 
 
 
 

“Schriftsteller wollte ich schon mit 12 werden, weil ich so schlecht in Deutsch war.” Am Ende des Abends überrascht Uwe Timm mit dem Bekenntnis, Autor sei er auch aus einer gewissen Trotzhaltung heraus geworden. Sein Lehrer sei immer unzufrieden mit seinen Aufsätzen gewesen, was den heute 69jährigen aber erst recht veranlasste, sich dem Schreiben zu widmen.

Am 23. November las der inzwischen vielfach ausgezeichnete Literat in der gut gefüllten Aula der DSM aus seinem Werk. Er begann mit seinem im letzten Jahr erschienenen Roman Halbschatten, nach Pause und Signierstunde folgte dann sein ’Klassiker’ Die Entdeckung der Currywurst, der erst vor kurzem verfilmt wurde. Dabei wurde deutlich, dass Timm nicht nur ein guter Schriftsteller ist, sondern auch ein begnadeter Vorleser. Seine tiefe Stimme erinnert ein wenig an den Märchenonkel, den man von alten Schallplatten kennt. Entsprechend kostete es ihn wenig Mühe, die Zuhörer mit seinen anschaulichen, meistens mit etwas Witz verbundenen Schilderungen in den Bann zu ziehen.

Ob Wetter oder falsche Krebssuppe, die Details müssen stimmen

In Halbschatten schreibt der gebürtige Hamburger über die deutsche Pilotin Marga von Etzdorf, die durch ihren Rekordflug nach Tokio berühmt wurden und sich 1933, nach einer Bruchlandung in Syrien, mit gerade mal 25 Jahren das Leben nahm. Die Entdeckung der Currywurst handelt von der fiktiven Imbissbesitzerin Lena Brückner. Sie berichtet dem Erzähler im Altenheim von ihrem Leben, Krieg und Nachkriegszeit, und wie sie aus der Not heraus die Currywurst erfand.

Das Publikum zeigte sich an diesem Abend vor allem durch die präzisen, detaillierten Beschreibungen beeindruckt. Befragt nach seiner Arbeitsweise erklärte Timm, er habe einfach ein gutes Gedächtnis, würde sich viel mit seinen Erinnerungen beschäftigen, assoziativ, so dass oft vergessen geglaubte Dinge aus dem Unterbewusstsein wieder auftauchten. Der Rest sei Recherche, so prüfe er beispielsweise immer nach, welches Wetter an einem konkreten Tag geherrscht hatte. ”Auch wenn es keine Rolle spielt - ein Meteorologe, der es nachlesen will, wird feststellen, dass es stimmt.” Gleiches gilt für Rezepte aus seinen Büchern, ob Falsche Krebssuppe oder Eichelkaffee, alles Originale aus der Nachkriegszeit. Und so wie Timm die Flüge der Marga von Etzdorf beschreibt, hat er selbst Erfahrungen als Pilot? Nein, das basiert vor allem auf Erzählungen seines Vaters und seiner Kameraden sowie, abermals, auf eigenen Recherchen.

Echte Ehrungen für fiktionale Erfinderin der Currywurst

Ein anderer Zuhörer sprach den Autor auf den “Wirbelsturm der Diskussion” an, den Die Erfindung der Currywurst entfacht hatte. Dieser versicherte mit einem Grinsen, die Frage nach Wahrheit und Fiktion habe er sich beim Schreiben gar nicht gestellt. Timm zeigte sich selbst überrascht, wie “dieses Buch in die Wirklichkeit reingespielt” hat. Er erzählte, für die Imbissbesitzerin Brückner gebe es in Hamburg inzwischen eine Gedenkplakette und diplomierte Stadtführer würden sie auf ihren Touren erwähnen.

Selbst die Tagesschau hatte einst bei ihm angerufen, als Hamburg und Berlin um den Titel als Ursprungsort der Currywurst stritten. Timm konnte dem Journalisten nur schwerlich die reine Fiktionalität seiner Frau Brückner begreiflich machen. In Wahrheit beruht die Figur nur lose auf einer Tante, zu deren Wohnung im Hamburger Hafenviertel er sich als Kind oft heimlich geschlichen hatte. Durch die derben Gesprächen dort wurde er nicht nur aufgeklärt, sondern erfuhr auch sonst viel über das Leben.


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