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20. Juni 2019
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  Rezeptfreie "Pille danach" erhitzt die Gemüter
 
 
 
 

Bereits seit 2001 ist die “píldora del día después” in Spanien auf Rezept zu bekommen. Das Gesundheitsministerium hat am 25.09.09 ihren freien Verkauf an Frauen und Mädchen ab 12 Jahren angeordnet, um ihren Erwerb zu erleichtern.

Zu einem Sturm auf die Farmacías kam es am ersten Tag der Freigabe zwar nicht. Die innerhalb weniger Tage in Kraft getretene Gesetzesänderung sorgte jedoch für einige Verwirrung. Vielen Apothekern war das genaue Protokoll für die Abgabe des Pharmazeutikums nicht bekannt und viele Fragen blieben offen: Welche Daten kann man von der Kundin verlangen? Was ist mit Minderjährigen? Wann sollten Frauen zum Arzt geschickt bzw. die Eltern eines Mädchens informiert werden?

Ablehnung des Verkaufs "aus Gewissensgründen”

Ein kleiner Teil von 5-10% der Pharmazeuten verweigert zudem die rezeptfreie Herausgabe “aus Gewissensgründen”. Unter anderem sehen sie eine vorherige medizinische Beratung als obligatorisch an, was in Apotheken nicht geleistet werden könne. Die Verweigerung des Verkaufs hat bislang keine einheitliche rechtliche Basis. Nur Katalanien gesteht dieses Recht seit kurzem offiziell zu, solange nicht das Ende der 72-Stunden-Frist naht, innerhalb derer die Pille nach dem Geschlechtsverkehr wirken kann.

Einige Apotheker und Mediziner engagieren sich bereits seit 2001 für die Verweigerung aus Gewissensgründen, da sie die Pille danach als angebliche “Abtreibungspille” generell ablehnen. Mit diesem Schlagwort bekämpfen auch christliche Kampagnen und konservative Politiker das Verhütungsmittel. Medizinische Gründe vermischen sich dabei mit politischen, religiösen und ideologischen. Gewarnt wird unter anderem vor einer Verschlechterung der Sexualmoral und davor, dass die Pille danach für die “Aufrechterhaltung der Dominanz des Machismus” sorge, so eine PP-Parlamentarierin.

Weniger Abtreibungen erhofft

Verhütungsexperten und Weltgesundheitsorganisation bekräftigen hingegen, dass die Pille danach mit einem Schwangerschaftsabbruch nichts zu tun habe. Catherine d’Arcangues, Gesundheitsexpertin der WHO, wies in einem Interview mit El País zudem darauf hin, dass der rezeptfreie Verkauf der Pille danach in anderen Ländern bislang keine Probleme mit sich brachte, die Abtreibungen dort teils drastisch sanken und bei den neuen Präparaten nur noch sehr selten Nebenwirkungen auftreten.

In einem Punkt sind sich alle Sexualexperten einig: Gegen die hohe Anzahl von Abtreibungen (112 000 im Jahr 2007) und ungewollter Schwangerschaften, gerade auch bei Minderjährigen, würden vor allem eine weniger polemische Behandlung dieses Themas helfen, eine Verbesserung der nach wie vor mangelhaften Sexualaufklärung in vielen spanischen Schulen und mehr Gespräche innerhalb der Familien zu Fragen der Sexualität.


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