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26. Juni 2019
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  Das andere Madrid
 
 
 
 

Dieses andere Gesicht ist vielleicht weniger prunkvoll, aber mindestens genauso interessant. So sind in der Hauptstadt Spaniens eine Reihe von Sub- und Alternativkulturen zu finden. Im weitesten Sinne zählen dazu alle Organisationsformen und Lebensweisen, die nicht dem Mainstream folgen und diesem ablehnend oder herausfordernd gegenüber stehen. Sei es indem der Konsumzwang abgelehnt, der Machismo und Rassismus angeprangert oder zu mehr Umweltbewusstsein aufgerufen wird. Den Ideen und Organisationsmöglichkeiten sind dabei keine Grenzen gesetzt. Um Pläne sowie Projekte zu verwirklichen, werden Häuser besetzt, Nachbarschaftskooperativen gegründet und autonom gestaltete Festivals ins Leben gerufen. Dabei muss jedoch nicht immer eine zentrale Organisation oder ein höheres Ziel dahinter stehen, manchmal reicht schon der spontane Spaß um Ordnung und Normen durcheinander zu bringen.

El botellón - Die kostengünstige Version des Madrider Nachtlebens

Ein Beispiel Madrider (und spanischer) Alternativkultur, der schon den Status eines Klassikers genoss, bis er von den regierenden PolitikerInnen verboten wurde, ist der Botellón. Dieser bezeichnet das unorganisierte Zusammentreffen Madrider Jugendlicher auf öffentlichen Plätzen und Strassen, um gemeinsam zu trinken und Zeit zu verbringen. Das gemeinsame Besäufnis ist nicht nur Spaß, sondern auch Ausdruck gegen gestiegene Alkoholpreise und den Konsumzwang, der in den Lokalen herrscht. Die Gewinneinbußen, die die Lokale und Nachtclubs darin sahen, dürften wohl auch der Grund dafür gewesen sein, warum der öffentliche Konsum und der Verkauf von Alkohol nach 22 Uhr letztendlich verboten wurden, wodurch den Botellones ein Riegel vorgeschoben wurde. Daneben gibt es jedoch eine Reihe anderer Initiativen und Ausdrucksformen Madrider Alternativkultur. Eine davon sind die BIcicríticas, die im Folgenden vorgestellt werden:

"yo pedaleo y no me cabreo"

Die Bicicritica, im deutschsprachigen Raum Critical Mass (Kritische Masse) genannt, ist eines der neueren Phänomene, das nach anderen Grosstädten seit 2004 auch in Madrid Einzug gefunden hat. www.flickr.com - kalamudia Die Bicicrítica ist ein "organisierter Zufall", der jeden letzten Donnerstag im Monat am Plaza Cibles stattfindet. Dabei treffen sich RadfahrerInnen um gemeinsam eine vorab definierte Route abzufahren und allein durch ihre Menge und ihrem konzentrierten Auftreten die Straße für RadfahrerInnen zurückzuerobern und auf umweltfreundlichere Fortbewegungsformen aufmerksam zu machen. Dass das Fahrrad mehr ist als Freizeitsport und auch als Verkehrsmittel ernst genommen werden soll, zeigt der Solgan: "no es deporte, es mi medio de transporte".

Ein politischer Spaß

Daneben finden sich eine Reihe anderer politischer Forderungen und Themen. So wird auf die steigende Luftverschmutzung infolge des motorisierten Strassenverkehrs ("No contamina, no gasta gasolina") und den Klimawandel hingewiesen. Aber auch die Öl-Industrie, die durch den Autoverkehr gefördert wird, ist Gegenstand der Kritik.
Die Organisation der bicicríticas soll möglichst antihierarchisch und dezentralisiert stattfinden, die genaue Route wird mittels Email-Liste festgelegt. Da alle für das Funktionieren sowie Stattfinden der Bicicríticas verantwortlich sind, sind diese ein buntes Auffangbecken unterschiedlicher Personen und Motive. So treffen sich in den Bicicríticas HausbesetzerInnen, ManagerInnen und ganze Familien, die die Lust am Fahrradfahren vereint. Doch gerade diese Vielfalt machen die Bicicríticas zu einem besonderen "Fest mit engagiertem Touch", dem nur schwer mit Schlagstöcken begegnet werden kann (siehe Interview mit Reinhard Lamsfuss ).


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