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26. Juni 2019
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  Keine Bewegung – sonst knipse ich!
 
 
 
 

Als mir letztens eine Freundin erzählte, dass sie von Sicherheitsbeamten in der Madrider Metro angehalten wurde, nachdem sie ein Foto von der Bahn knipste, habe ich ihr zuerst nicht geglaubt. Dabei wollte sie doch nur eine Erinnerung ihrer Haltestelle, von der sie jeden Morgen zur Arbeit abfährt. Pustekuche! Kaum hat sie den Auslöser gedrückt, kamen auch schon die Männer in Grün angelaufen. Die verlangten von ihr doch tatsächlich, dass sie das Foto sofort und vor ihren Augen wieder löschen sollte. Ich dachte ich höre nicht richtig.

Wir haben hin und her überlegt, was der Grund für diese Überreaktion sein könnte. Angst vor Terrorismus? Nun ja, also meine Freundin ist knapp 1,65 m, ein Fliegengewicht und hat jetzt nicht den bösen Blick oder sowas. Ich traue ihr ja viel zu, aber terroristische Machenschaften? Die Sicherheitsmänner scheinen eine blühende Fantasie im Laufe ihrer Dienstzeit entwickelt zu haben. Beantworten konnte uns die Frage leider niemand.

Fast in Vergessenheit geraten, lese ich heute Morgen einen überaus interessanten Artikel in "El Mundo", der sich dem Verbot des Fotografierens in der Madrilener U-Bahn widmet. Naja, also eigentlich gibt es kein Gesetz, dass das Knipsen im Madrider Untergrund verbietet - daran erinnert zumindest die "Asociación de amigos del metro de Madrid" (Freunde der Madrider U-Bahn) an ihrem speziellen "Feiertag". Am 2. Februar 1984 wurde von der Metro Madrid nämlich ein Rundschreiben rausgegeben, in dem das Personal darüber informiert wurde, dass Reisende die ihnen zugänglichen Stellen der Metro fotografieren dürfen und das ohne vorher um Erlaubnis zu fragen – vorausgesetzt, sie belästigen dadurch niemanden.

Wie es um die Gültigkeit dieser Meldung steht, habe ich ja jetzt den Erzählungen meiner Freundin entnehmen können. Woher soll man das auch wissen, als kleiner unerfahrener Tourist? Offenbar scheinen da noch einige Unstimmigkeiten zwischen dem Sicherheitspersonal, der Madrider Metro und den U-Bahn-Freunden in der Luft zu liegen. Die fordern jetzt deswegen, dass den Wachleuten bitteschön mal mitgeteilt werde, dass seit nunmehr 25 Jahren gar kein Verbot existiert.

Verbot hin oder her, bevor mein Kopf irgendwann mal auf einem Wanted-Aushang mit dem Hinweis "Gesucht wegen unerlaubten Waffenbesitzes" zu sehen ist, lasse ich meine Kamera lieber in der Tasche – und niemand wird verletzt.


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