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20. Juni 2019
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  Die Frau des Exodus
 
 
 
 

Sie ist Muselmanin. Ihre Haare verbergen sich unter einem Kopftuch. Dunkle Schminke bedeckt das Gesicht, wie erstarrt sind die Züge darin. Blaugrüne Stoffe verhüllen ihren Körper. „Es ist die Farbe des Petroleums“, bewusst habe sie diese Farbe gewählt. In den Armen hält sie eine Puppe. Ihr Körper ist gespannt und wie zur Verteidigung bereit. Jedes Wochenende verwandelt sich Maria zu der „Mujer de Exodo“.

„Die Frau des Exodus steht jedes Wochenende auf dem Plaza Mayor, der Calle Arenal, der Calle Postas oder Preciados, dort, wo viele Menschen sie sehen können “, sagt die Bolivianerin, die seit anderthalb Jahren in Madrid wohnt. Im August 2007 hat sie diese Art von Kunst für sich entdeckt. „In einer Herberge, in der ich damals arbeitete, sind mir einige Straßenkünstler begegnet, die mir von ihrer Arbeit erzählt haben.“ Schon immer habe Maria die Kunst geliebt, doch diese kritische Kunst, „die einen hohen Symbolwert hat und Emotionen bei den Menschen erzeugen möchte“ habe sie sofort fasziniert.

Die Idee der „Mujer de Exodo“ rief dann ein besonderes persönliches Erlebnis hervor . „Im Fernsehen sah ich eine Dokumentation über Kriege. Eine Szene hat mich sehr bewegt. Zu sehen war eine schwarze Frau mit ihrem Kind, das wie leblos in ihren Armen lag. Um sie herum sah man den Rauch der Bomben.“ In einem hinduistischen Geschäft in Lavapiés hat sie sich für ihre Mission ausgerüstet. Nun zeigt Maria, die selbst zwei in Bolivien lebende Kinder hat stundenlang, manchmal länger als sieben Stunden ihren stillen Protest gegen den Krieg.

Mit der Reaktion der Menschen ist sie dabei sehr zufrieden: „Ich spüre wie die Menschen auf mich reagieren. Ich höre ihre Kommentare wie „ ’Das ist mutig.’ und ’Schau wie gut sie das macht’; hinsehen darf ich ja nicht.“ Und weiter betont sie: „Viele drehen sich nach mir um oder bleiben stehen. Einige möchten meine Hand berühren.“ Das Geld, das Maria als „Mujer de Exodo“ verdient schickt Sie ihren Kindern nach Bolivien. Als lebende Statue verdiene man ungefähr soviel wie eine Service-Kraft. Für sie und ihre Kinder reiche es nicht ganz aus. Unter der Woche verkauft Maria deshalb zusätzlich Naturprodukte, säubert Häuser und führt Hunde aus.

Doch die Wochenenden gehören ganz ihrer Kunst und ihren Freunden aus der Szene. In den Pausen trifft sie sich mit den anderen Strassenkünstlern, alle wie sie Mitglieder der „Asociacion espanola y comunitaria de estatuas vivientes y teatro", der spanischen Vereinigung der Straßenkünstler. Es sind Menschen aus der ganzen Welt, unter anderem aus Argentinien, Spanien, Nordamerika, Chile und Belgien. Zusammen bilden sie eine Gemeinschaft, die sich vorgenommen hat, etwas zu verändern. „Heute ist erlaubt öffentlich Kritik zu üben. Das war während des Franco-Regimes nicht so.“, sagt Maria. Und so sieht man in Madrids Zentrum etwa einen Sklaven (esclavo), einen Teufel (diabolo), oder einen weinenden, mit Geld beklebten Mann. Jede Figur fasziniert auf ihre Art, doch ist es besonders die „Mujer de Exodo“, die an das Mitgefühl der Menschen appelliert. Noch lange wird sie in den Strassen der Metropole zu betrachten sein.


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