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20. Juni 2019
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  Katharina, Studentin: European Business Programme - Studieren in Münster und Madrid
 
 
 
 

Sie sind seit 2004 Studentin des European Business Programme. Was genau beinhaltet dieses Studium?

Das European Business Programme, oder kurz EBP, ist ein bilingualer Studiengang der BWL, der von der Fachhochschule Münster angeboten wird. Das Programm besteht aus drei unterschiedlichen Zweigen in Spanien, England und Frankreich. Von vier Jahren Studium müssen wir zwei Jahre an der FH Münster und zwei Jahre im Ausland, in meinem Fall an der Universidad Nebrija absolvieren. Ausserdem gehören zu dem Programm zwei Praxissemester mit jeweils einem Praktikum in Deutschland und in Spanien. Nach meinem Abschluss habe ich ein spanisch-deutsches Doppeldiplom in BWL.

Dementsprechend konnten Sie zwischen drei Ländern wählen. Warum haben Sie sich für Spanien entschieden?

Nach meinem Abitur im Jahr 2003 habe ich drei Wochen Interrail durch Spanien gemacht. Das Land hat mich sofort begeistert. Städte wie Sevilla, Granada, Cordoba, San Sebastian und natürlich auch Madrid mit ihrem besonderen Charme haben mich sehr beeindruckt. Überall habe ich nette und offene Menschen kennengelernt. Zurück in Deutschland stand für mich fest, dass ich eine längere Zeit in Spanien verbringen, ja vielleicht sogar studieren möchte. So habe ich nach Möglichkeiten gesucht das zu realisieren...

...Und sind schliesslich auf das European Business Programme gestossen.

Ja richtig. Ich bin durch ein Uniranking im Internet darauf aufmerksam geworden. Das Programm hatte dort sehr gut abgeschnitten. So nahm ich mir vor mich im Sommer 2004 zu bewerben. Die Anmeldefrist für das Jahr 2003 hatte ich leider verpasst. Um die Zeit zu überbrücken machte ich im Winter 2003 einen Spanisch- Intensivkurs an dem Colegio de Libes in Salamanca, der wärmstens zu empfehlen ist. So konnte ich mein Spanisch verbessern und mich für die Bewerbung an der FH Münster vorbereiten.

Wie lief das Bewerbungsverfahren des European Business Programme ab?

Ich musste ein Motivationsschreiben formulieren. Mitte Mai 2004 wurde ich daraufhin zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. In dem Gespräch musste ich aktuelle Fragen zur deutschen und spanischen Wirtschaft beantworten. Zudem wurde mein Wissen im Bereich BWL mit zum Beispiel Fragestellungen wie "Wie erstellt man einen Businessplan?" geprüft. Am gleichen Tag fanden ausserdem zwei einstündige Tests in Mathe und Spanisch sowie Interviews in Deutsch und Spanisch statt.

Gute Spanischkenntnisse scheinen für eine erfolgreiche Bewerbung beim EBP sehr wichtig zu sein...

Selbstverständlich. Das sieht man vor allem an der Tatsache, dass die Hälfte von den 60 Studenten des EBP Spanier sind. Doch nicht nur die Beherrschung der spanischen Sprache ist wichtig. Grundsätzlich muss man offen gegenüber anderen Kulturen sein und einen hohen Grad an Eigenständigkeit und vor allem Flexibilität aufweisen. Schliesslich studieren und arbeiten wir mit einem halbjährigen Wechsel an zwei verschiedenen Universitäten und Unternehmen in Spanien und in Deutschland.

Worin unterscheidet sich für Sie das Studieren an einer spanischen Universität im Vergleich zu einem deutschen Studium?

Grundsätzlich kann man das European Business Programme nicht mit einem normalen Hochsschulstudium in Deutschland vergleichen. An der FH Münster sind wir bloss 60 Personen. Alles ist sehr überschaubar und persönliche Verhältnisse zu den Professoren sind möglich. Dennoch handelt es sich um ein BWL-Studium, das heisst es gibt viele Vorlesungen mit Abschlussklausuren ohne mündliche Beteiligung oder sonstige Interaktionen der Studenten. In Madrid, an der Universidad Nebrija ist das anders. Überhaupt erscheint mir das Bildungssystem dort sehr verschult. Wir sind eine Klasse von 13 Leuten. Es ist Anwesenheitspflicht und aktive Unterrichtsteilnahme ist erwünscht.

Würden Sie das positiv oder negativ bewerten?

In jedem Fall positiv. Dadurch wird man gezwungen sich während des gesamten Semesters mit der Materie zu beschäftigen. In Deutschland habe ich mich oft erst vor der Klausurphase richtig mit dem Fach befasst. Positiv aufgefallen ist mir persönlich auch, dass wir Deutschen an der Uni Nebrija einen guten Ruf haben. Das liegt vor allem daran, dass das Studienniveau in Spanien wesentlich geringer ist als in Deutschland. Das wiederum gefällt mir nicht. Ich habe das Gefühl, dass der Unterricht nicht immer fundiert ist.

Gibt es weitere Dinge, die Ihnen missfallen haben?

Da wäre vor allem der lange Anreiseweg mit Bus und Bahn zu nennen. Die Uni Nebrija liegt sehr ausserhalb in Hoyo de Manzanares. In Münster dagegen schwing ich mich aufs Fahrrad und bin in kurzer Zeit an der FH. Nachteilig empfinde ich in jedem Fall auch die Einstellung der spanischen Studenten. Die Nebrija ist eben eine Privatuniversität. Die allgemeine Motivation ist gering. Die Hauptsache ist, man hat später den Abschluss in der Tasche. Insgesamt betrachtet, geniesst man als Student einer Privatuniversität aber einfach auch Privilegien. So haben wir ein wunderschönes Unigelände mit vielen Grünflächen. In den Pausen sitzen wir in der Cafeteria unter grossen, weissen Sonnenschirmen und geniessen die Idylle um uns herum.

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

Ich versuche meine Abschlussklausuren Ende dieses Monats gut zu bestehen. Bevor es dann auf Arbeitssuche geht, erfüll ich mir zunächst den langersehnten Traum einer Weltreise. Ich besuche Länder wie Australien, Chile und Argentinien und treffe alle die Menschen wieder, die ich in Spanien kennengelernt habe.

Vielen Dank für das Gespräch.


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