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19. April 2019
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  Satellitenprojekt Galileo am Scheideweg
 
 
 
 

Trotz der Verlautbahrungen Günter Verheugens, man dürfe das Projekt Galileo nicht aufgeben, scheint die Realisierung des Satellitennavigationsprojektes in den Sternen zu stehen. Die Verwaltung wurde in der Vergangenheit durch eine öffentlich-private Gesellschaft übernommen. Zu dieser gehörten die Europäische Kommission, die europäische Raumfahrtagentur ESA und acht private Investoren. Die Kosten in der Entwicklungsphase wurden von ESA und EU zu gleichen Teilen übernommen. Nachdem die Firmen des Konsortiums die Frist zur Gründung einer Verwaltungsgesellschaft und der Wahl eines Vorsitzenden zum 10. Mai 2007 verstreichen ließen, wurden die Verhandlungen mit der Industrie vorerst als gescheitert erklärt. Im gleichen Monat gab die EU-Kommission bekannt, den privaten Betreibergesellschaften den Auftrag zu entziehen und diesen neu auszuschreiben.

Wer die geschätzten Kosten des Vorhabens von rund 4,9 Milliarden Euro tragen soll ist bis dato ungeklärt. Zwar einigten sich die Verkehrsminister der Europäischen Union das Satellitenprojekt aus Steuergeldern zu finanzieren, doch wurden aus Großbritannien und den Niederlanden bereits Einwände gegen eine Finanzierung aus öffentlicher Hand hervorgebracht. Eine endgültige Einigung wird im Herbst 2007 angestrebt.

die Konkurrenz schläft nicht

Zu Beginn des ergeizigen Projektes wurde damit gerechnet, dass im Jahre 2008 alle Satelliten und Bodenstationen in Betrieb genommen werden könnten. Nach den Querelen mit den privaten Investoren und der noch ungeklärten Finanzierung wird von Experten unter Vorbehalt eine Inbetriebnahme frühestens 2011/2012 in Aussicht gestellt.

Galileo basiert auf 30 Satelliten, von denen sich drei zur Reserve im Orbit befinden. Sie umkreisen die Erde in einer Höhe von etwa 23.260 km und sollen durch ein Netz von Bodenstationen kontrolliert werden. Vergleichbar mit dem bekannten US-amerikanischen GPS oder dem russischen GLONASS soll das System weltweit Daten zur Positionsbestimmung liefern können. Allerdings ist das europäische Projekt für zivile Nutzung konzipiert worden und unterliegt daher keiner nationalen militärischen Kontrolle. Nach seiner Fertigstellung sollen Empfänger in der Größe eines Mobiltelefons die eigene Position mit einer Genauigkeit von 4 m bestimmen können. In Verbindung mit anderen Diensten wird sogar eine zentimetergenaue Ortung möglich sein.

In das Satellitenprogramm werden große Hoffnungen gesetzt. Gerade nach der abgelehnten Verfassung und dem desaströsen Airbusprojekt soll es als erfolgreiche Zusammenarbeit der europäischen Staaten den Glauben an das Gelingen von gemeinsamen Wirtschaftsunternehmungen unter Beweis stellen. Bei einer geglückten Installation des Satellitennetzes könnten bis zu 100 000 neuer Arbeitsplätze geschaffen werden und es wäre ein wichtiger Meilenstein der intereuropäischen Kooperation gesetzt worden. Durch einen weiteren Fehlschlag würde die europäische Staatengemeinschaft riskieren den Anschluss auf diesem Wissenschaftsgebiet zu verlieren und in Zukunft bei ausstehenden Entscheidungen bezüglich der Satellitentechnik und deren Nutzung übergangen zu werden.

mehr Möglichkeiten als Risiken

Dabei sprechen die breiten Nutzungsmöglichkeiten der Anlage für ihren Bau. Nicht nur das sich Europa unabhängig vom US-amerikanischen GPS machen könnte, zusätzlich kann es zur Autonavigation, Luftfahrtkontrolle und Transportverwaltung dienen. Galileo könnte zudem unterstützend bei der Suche nach Verschollenen zu Land und zu Wasser oder nach Rohstoffressourcen wie Erdgas- und Erdölvorkommen eingesetzt werden. Denkbar wäre auch ein Einsatz bei der Organisation der Hilfe für Gebiete, die von Naturkatastrophen betroffen sind.

Allerdings ist die Rentabilität des Unternehmens, sollte es vollendet werden, durch die Zerwürfnisse der Verantwortlichen gefährdet. Wäre die Fertigstellung bis 2008 gelungen, dann würde Galileo zu den genausten Satellitensystemen der Welt zählen. Bereits im Jahre 2012 sind genauere und modernere Versionen der existierenden Satellitensysteme geplant. Falls Galileo nicht bis zu dieser Zeit fertig werden sollte, hätte es seinen größten Trumpf aus der Hand gegeben und müsste vom ersten Tag an gegen die Konkurrenz ankämpfen.

Didier Seivre, Helfer in der Navigationsabteilung ESA, erklärt, dass diese Gefahr kein Grund zur Sorge sei, da auch die Konkurrenten nicht in der angekündigten Zeit fertig werden würden. Laut Seivre wird es keine modernisierte Version des amerikanischen oder chinesischen Satellitensystems geben. Vier Jahre Verspätung wären nicht viel, wenn man das Ausmaß des Unternehmens und den Umstand, dass die Konkurrenz mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hätte, in Betracht ziehen würde.


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