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18. November 2017
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  Das Prekariat wandert aus
 
 
 
Jonas W.
Ein reisender Politologe, den es für einige Monate nach Madrid verschlagen hat. 2009 mit Uni-Abschluss in Frankfurt/Main entschloss ich mich noch (...)


Einst waren sie noch die wertvollste Ressource, aber letztes Jahr gingen 10,596 junge und gut ausgebildete Madrilenen ins Ausland. In der spanischen Hauptstadt gibt es kaum Jobs und wenn doch, dann sind sie fast immer unsicher und schlecht bezahlt.

(flickr.com/photos/nomansland) -

Aus dem Büro für Arbeit hat jemand das Büro für Arbeitslosigkeit gemacht.

Das zeigt zumindest eine Erhebung des CERA - einer Zählung der im Ausland lebenden Spanier. Ein Jahr vor dem Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise zogen nur 1,239 Madrilenen ins Ausland. Letztes Jahr waren es dann 10,596 junge Menschen, die sich in einem anderen Land bessere Berufschancen erhofften. Seit April 2008 haben so ca. 16,000 Akademiker das Land verlassen. Dazu kommen noch viele Spanier, die sich nicht haben registrieren lassen. Insgesamt leben schätzungsweise 150,000 Madrilenen im Ausland.

Die USA, Skandinavien und Deutschland sehr beliebt
Die Bewerbungen bei Auslandsvermittlungsdiensten haben sich oft verdoppelt oder gar verdreifacht. Die meisten suchen Arbeit und wollen mehr als drei Jahre bleiben, auch wenn sie nur das gleiche oder weniger verdienen. Oft gehen sie aber nicht, weil sie keine Arbeit finden würden, sondern weil sie sich nicht in ihrer Arbeit anerkannt fühlen. Bis zu 35 % zieht es daher in die USA - sie erhoffen sich dort eine bessere Arbeitsmoral und eine faire Bewertung ihrer Leistung. 5 bis 15 % bewerben sich aus ähnliche Gründen in skandinavische Ländern. Die restlichen 50 % verteilen sich auf die übrigen europäischen Ländern, darunter: England, Frankreich und Italien - besonders beliebt sind aber Deutschland und Portugal. Vor allem bei den jungen Spaniern unter 25 Jahre ist der Job im Ausland, oft die einzigste Möglichkeit nach der Ausbildung direkt in den Beruf einsteigen zu können

Wer wandert aus?
Die meisten jugen auswanderer sind Männer zwischen 25 und 35 Jahre alt und sprechen ein bis zwei Fremdsprachen. Sie verfügen in der Regel über einen hohen Bildungsabschluss. Das Profil entspricht in vielen Punkten dem sogenannten Prekariat. Soziologen sprechen in diesem Zusammenhang auch von Selektiver Migration einer bestimmten Gruppe ins Ausland - meist aus wirtschaftliche Gründen, aber auch soziale Faktoren spielen eine Rolle.

Die fehlenden Perspektiven und die geringe Anerkennung im Job vertreiben viele junge Akademiker ins Ausland. Wenn Spanien mit attraktiven Angeboten nicht gegensteuert wird Spanien sich in Zukunft vergebens nach ihrer wertvollsten Ressource - dem Wissen - umschauen.

Mehr in der 20 Minutos: http://www.20minutos.es/noticia/709871/0/crisis/madrilenos/extran jero/
Jonas W.
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