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26. März 2017
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  Spaniens Kolonialerbe in Nordafrika
 
 
 
Jonas W.
Ein reisender Politologe, den es für einige Monate nach Madrid verschlagen hat. 2009 mit Uni-Abschluss in Frankfurt/Main entschloss ich mich noch (...)


Spaniens Kolonialgeschichte in Europa hinterließ bis ins 18. Jhr. seine Spuren im heutigen Griechenland, Italien, Frankreich, Malta, den Niederlanden und Portugal. Weitere Kolonisalisierungen gab es bekanntlich in Amerika, Nordafrika und Indien. Die letzten Kolonien verlor Spanien im Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 an die USA. Bis heute gibt es aber einige koloniale Überbleibsel.

(http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ceuta_City.jpg) -

Ceuta - Für viele Afrikaner der letzte Ausweg

Die kanarischen Inseln
Vermutlich wurden die Kanaren einst von Berberstämmen aus Nordafrika besiedelt. Der Normanne Jean de Béthencourt eroberte 1402 die Insel, angeblich aus Gründen der christlichen Missionierung, dahinter versteckten sich allerdings wirtschaftliche Interessen. In den folgenden knapp 100 Jahren wurden nach und nach alle Inseln unterworfen und die steinzeitliche Kultur der Guanchen (Ur-Einwohner) ging verloren, bis heute exisitert aber noch ihre Pfeifsprache - inzwischen wird aber auf spanisch gepfiffen und in den Grundschulen der Insel La Gomera ist El Silbo seit 1999 Pflichtfach. Seit 1496 gehöhren die Kanaren geopolitisch zu Spanien und geographisch zu Afrika.

Ceuta und Melilla
Die beiden Städte sind zwei spanische Enklaven in Nordmarokko, die aber von beiden Ländern beansprucht werden. Ceuta wurde 1580 in Folge des Restaurationskrieges von Portugal an Spanien abgetreten. Melilla ist seit 1497 in Besitz Spaniens. Marokko besteht seit der Staatsgründung 1956 auf die Übergabe beide Städte, hat aber bis heute keine militärischen Mittel ergriffen, um den Anspruch durchzusetzen. Beide Städte sind berühmt geworden, weil sie zum begehrten Ziel von Flüchtlingen geworden sind, diese erhoffen sich über Marokko auf europäisches Staatsgebiet gelangen zu können. Spanien und Marokko haben daher in den letzten Jahren die Grenzen massiv gesichert und sie unter ständige Bewachung gestellt. An den hohen Zäunen der EU-Außengrenze starben in den letzten Jahren mindestens 35 Menschen durch Schüsse spanischer oder marokkanischer Militärs.

Isla del Perejil - Krieg ohne Schusswechsel
2002 kam es zwischen Spanien und Marokko zum sogenannten Petersilienkrieg. Die Isla del Perejil (nach der der Krieg benannt ist) hat nur einen halben Kilometer Durchmesser, liegt 200 Meter vor Marokko und ist weitgehend unbewohnt. Im Sommer 2002 besetzten marokkanische Soldaten die Insel und errichteten einen Posten, um angeblich die Überwachung der illegalen Migranten, des Drogenschmuggels und die Abwehr des Terrorismus zu verbessern. Da im Unabhängigkeitsvertrag zwischen Marokko und Spanien die Insel nicht erwähnt wird, beanspruchte sie Marokko für sich. Spanien erklärte, dass es in den 60er Jahren eine stillschweigende Absprache gab, dass die Insel von beiden Seiten nicht besetzt werden darf. Fünf Tage nach der Inbesitznahme der Insel durch Marokko schickte Spanien militärische Einheiten, die marokkanische Armee flüchtete und sechs Soldaten wurden gefangen genommen, allerdings kurz darauf unversehrt übergeben. Die spanische Regierung konnte ihrerseits keine Dokumente zum Besitz der Insel vorlegen und zog wenige Tage nach der Invarsion wieder ab. Die militärische Auseinandersetzung wurde ohne Schusswechsel beendet. Für die europäische Union war es der erste Fall einer Involvierung in einen EU-Grenzfall zwischen einem EU-Bündnisspartner und einem Nicht-EU-Land.

Westsahara
1884 begannen die Spanier mit der Kolonialisierung der Westsahara - auf der Halbinsel des Rio de Oro wurde ein Stützpunkt errichtet: Villa Cisneros (Später wurde daraus die Stadt Ad-Dakhla). 1884/85 teilten sich die europäischen Mächte Afrika auf und Spanien beanspruchte die Westsahara. Hier trafen sie aber auf erheblichen Widerstand. Es entwickelte sich ein Kleinkrieg, der in der Zerstörung des kulturellen Zentrums der Sahara, der Stadt Smara, und einer wichtigen islamischen Universität und Bibliothek durch französische Truppen 1913 gipfelte. Die Sahrauis (Die Bewohner der Westsahara) wurden geschlagen und spanische Truppen okkupierten das Land. 1965 verlangte die UNO den Abzug der Truppen und die Dekolonialisierung des Landes, was das Franco-Regime zurückwies. Nach dem Tod des Diktators zogen sich die Spanier 1975 dann aber aus den besetzten Gebieten zurück und die Marokkaner besetzten das Land. Die UNO erkannte die Demokratische Arabischen Republik Sahara an, allerdings wird sie bis heute von Marokko besetzt.

Mehr zu Spaniens Kolonialgeschichte: http://de.wikipedia.org/wiki/Spanisches_Kolonialreich#Liste_der_spanischen_Besitzungen_und_Kolonien
Jonas W.
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