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20. September 2017
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  Cajas de Ahorros - Die spanischen Sparkassen
 
 
 
Jekatherina A.
Kulturwissenschaftlerin aus Berlin. Und bevor es mit dem Master weitergeht, gönne ich mir nochmal einen kurzen Praktikumsaufenthalt in der Stadt (...)


Wahrscheinlich hat sich der ein oder andere auch schon mal gefragt hat, warum die spanischen Sparkassen wie die Caja Madrid und die Caixa Catalunya ihre eigenen Kunst- und Kulturzentren haben. Wer dahinter womöglich Eigenwerbung, Investitionen oder Beeinflussung des Kunstmarktes vermutete, der wird schnell merken, dass sich die Cajas de Ahorros zumindest ürsprünglich wirklich für das soziale Wohl und vor allem die ärmere Bevölkerung einsetzten ...

(Jekatherina A.) -

Die Geburtsstätte der Sparkassen: das Pfandhaus

Vom Monte de Piedad (Pfandhaus) zur Caja de Ahorros (Sparkasse)
Die Ursprünge der Sparkassen sind im Italien des 15. Jahrhunderts zu suchen. Dort gründeten die Franziskaner sogenannte Pfandhäuser in denen die Notdürftigen ihre Wertsachen zinsfrei verpfänden konnten, um ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen. Das Geld dafür stammte von Almosen und Spenden Wohlhabender. Diese Mittel reichten jedoch schon bald nicht mehr, sodass sich die Mönche gezwungen sahen, die Darlehen zu verzinsen. Das Konzept der Sparkassen entwickelte sich dann aber erst im 18. Jahrhundert, es sollte den Menschen der Arbeiterschicht durch ihr Sparguthaben eine bessere sozioökonomische Sicherheit gewährleisten. Die ersten Sparkassen wurden in Deutschland gegründet: 1765 in Braunschweig und 1768 in Hamburg.

Jekatherina A.Erstes Pfandhaus in Madrid
Das erste Pfandhaus wurde wahrscheinlich 1702 in Madrid auf die Initiative des Kaplans des Klosters Descalzas Reales de Madrid, Francisco de Piquer y Rodilla eröffnet. Dieses Kloster auf der Plaza de la Encarnación 1, im Herzen Madrids, ist heute übrigens für Besichtigungen öffentlich zugänglich.

Die ersten Sparkassen
Die ersten Cajas de Ahorros entstanden in einem Spanien, dass noch stark unter den Kämpfen um die Unabhängigkeit des Landes litt. Die Sparkassen sollten arme Bauern bei Missernten unterstützen, sowie die Volksersparnisse investieren und soziale Arbeit leisten. Die erste Caja de Ahorros wurde 1834 in Jerez de la Frontera (Andalusien) gegründet. Die Zinsen, die der Einzahler auf sein eingezahltes Geld erhielt, beliefen sich auf 4%. Am 03. April 1835 wurden die Sparkassen per königlichen Erlass gesetzlich verankert, 1838 öffnete dann die erste offizielle Sparkasse: Caja de Ahorros de Madrid.

Die Cajas de Ahorros heute
Mit der Zeit entwickelten sich die Sparkassen weg vom Wohltätigkeitskonzept hin zum Konzept der Sozialversicherung. Ihre Anzahl stieg stetig, die Cajas wahrten mehr oder weniger ihrer Grundprinzip: im Dienste der ganzen Gesellschaft zu stehen. Sie wurden zu richtigen Geldinstituten, die ihren Kunden heute die ganze Bandbreite von Diensten bietet, wie auch die Banken, zu denen sie in Konkurrenz stehen. Es gibt derzeit 45 Cajas de Ahorros in Spanien und sie sind mit 55% am Markt der Geldinstitute vertreten.

Jekatherina A.Die Sozialarbeit der Sparkassen
Die Überschüsse der jeweiligen Sparkasse werden wie folgt aufgeteilt: mindestens 50% werden für allgemeine Rücklagen reserviert, darunter Gesellschaftssteuern, Kapitalisierung und Kreditwürdigkeit. Der Rest des Überschusses, maximal 50%, können dann frei für Arbeit im soziokulturellen Bereich genutzt werden - vor allem sichtbar anhand der von den Sparkassen geführten Zentren. 2009 wurden insgesamt 1,7 Mrd. Euro für soziale Arbeit ausgegeben. Dabei widmeten sich die Cajas vor allem vier Hauptfeldern: Betreung im Sozial- und Gesundheitsbereich (715 Mio. Euro), Kultur und Freizeit (583 Mio. Euro), Bildung und Forschung (297 Mio. Euro), Natur- und Kunstschätze (152 Mio. Euro).

Aus für die spanischen Cajas de Ahorros?
Spanien ist eines der Länder, das besonders unter der Wirtschaftskrise leidet und häufig in einem Atemzug mit Griechenland genannt wird. Während die Banken sich ab 2004 langsam auf andere Investitionen konzentrierten, gaben die Sparkassen weiterhin viel Geld für Immobilien aus. Dies ist vor allem damit zu begründen, dass die Tätigkeit der Sparkassen sehr lokal orientiert ist und sie so ähnlich wie Stiftungen funktionieren. In den Gremien befinden sich oftmals Expolitiker, der regional dominierenden Parteien oder Freunde dieser, an die dann Bauaufträge vergeben werden. Nach dem Zusammenbruch des Immobilienmarktes 2008, sieht die Regierung nur noch Fusionierungen als Lösung (mehr bei uns) . Viele Sparkassen sträuben sich jedoch dagegen, da sie bei einer virtuellen Fusion zu einer Holding, einer Aktiengesellschaft angehören würden und demnach rechtlich gesehen eine Bank wären. Jekatherina A.

Zwischen Wohltätigkeit und Kapital
Ursprünglich als finanzielle Hilfe für Arme gedacht, entwickelten sich die Cajas de Ahorros immer mehr zu Institutionen des Finanzsektors. Hauptziel bleibt jedoch weiterhin nicht der Gewinn und lukrative Geschäfte, sondern der "Dienst am Volk", zu sehen am Engagement im soziokulturellen Sektor. Nichtsdestotrotz ist auch die Arbeit der Sparkassen nicht unabhängig von Interessengemeinschaften, was die Immobilienspekulationen lokaler Politiker und Unternehmer zeigen. Auch kann man sich die Frage stellen, welche Projekte bezüglich der sozialen Arbeit gefördert werden und warum gerade diese.

http://www.cajasdeahorros.es http://www.zeit.de/2010/18/F-Spanie...

wikipedia.org: http://es.wikipedia.org/wiki/Historia_de_las_cajas_de_ahorros_esp a%C3%B1olas
Jekatherina A.
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