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26. Mai 2017
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  Rund 60.000 demonstrierten in Madrid für die Aufarbeitung der Franco-Verbrechen
 
 
Rund 60.000 demonstrierten in Madrid für die Aufarbeitung der Franco-Verbrechen
Gegen Franco auf die Straße
Für die Opfer
60.000 Demonstranten in Madrid
Garzón deckt Verbrechen auf
Triumph der Anhänger Francos
Proteste laut PP undemokratisch
Porträts der Opfer
Karriereaus für Garzón
Künstler und Intelektuelle unterstützen Garzón.
Interviews
Ermordet im April 1939:
Der abschließende Kundgebungsort:
Spanische Gründlichkeit:
Alexander Roßbach
Alexander Roßbach studiert in Darmstadt Journalismus, absolvierte vorher ein Zeitungs-Volontariat in Brandenburg und mehrere Jahre an eine (...)



Die juristische Verfolgung und Aufklärung von Franco-Verbrechen ist in Spanien ein emotionales Thema. Am 23. April 2010 gingen landesweit Tausende auf die Straßen, um symbolisch Unterstützung für einen Untersuchungsrichter (*) kundzugeben, dem ein Berufsverbot von 20 Jahren droht, weil dieser - entgegen seiner Zuständigkeiten - die Freilegung von Massengräbern aus der Franco-Zeit veranlasste.

In Madrid fand mit rund 60.000 Teilnehmern die größte Solidaritätsbekundung statt. Kritiker aus dem Parlament nannten dies eine "antidemokratische" Kampagne, weil sich der Protest auch gegen den Spanischen Gerichtshof wandte. Das Gericht hatte der Klage von rechtsextremen Verbänden, darunter die frühere Kernbewegung des Franco-Regimes "Falange Español", gegen den Untersuchungsrichter stattgegeben - und damit Wut und Bestürzung unter den Hinterbliebenen der Opfer ausgelöst. Mehr dazu bei uns:

Alexander Roßbach
©Alexander Roßbach /
60.000 Demonstranten in Madrid

…das Interesse der Bürger überwältigend war. Laut der größten Tageszeitung "El País" gingen allein in Madrid 59.700 Menschen auf die Straße. Hier eine Aufnahme vor der Kreuzung an der Gran Vía.

©Alexander Roßbach /
Garzón deckt Verbrechen auf

Anlass für den friedlichen Protest, der von Spaniern aller Altersgruppen ausging, ist der Prozess gegen einen Untersuchungsrichter. Dieser Richter hatte die Exhumierung von Leichen aus Massengräbern der Franco-Zeit angeordnet und damit dem Wunsch verbliebener Angehöriger von Opfern der spanischen Diktatur (ab 1939 bis 1975) gewährt. Doch...

Triumph der Anhänger Francos

… rechtsextreme Verbände reichten Klage ein, weil der Richter seine Kompetenzen überschritten hatte - der Klage wurde stattgegeben. Für die Hinterbliebenen ein Schlag ins Gesicht, da unter den Klägern die faschistische "Falange Español", die Einheitspartei des Franco-Regimes, es als Sieg gegen den unliebsamen Richter wertete.

©Alexander Roßbach /
©Alexander Roßbach /
Proteste laut PP undemokratisch

Im Zug der Zehntausenden wurde die Flagge der 2. Spanischen Republik ("Bandera de la Segunda República Española"), oft unter Applaus, geschwungen. Der Führer der oppositionellen konservativen Volkspartei (PP), Rajoy, beurteilte die Demonstration daraufhin als "undemokratische Kampagne", weil sich der Protest auch gegen den Obersten Gerichtshof als Institution richtete. Das historische Symbol der Fahne indes wird von Plattform-Gegnern als vehemente Kritik an der jetzigen Staatsform, der konstitutionellen Monarchie, bewertet und verurteilt.

Porträts der Opfer

Die organisierende Bürger-Plattform fertigte in großer Stückzahl Porträts von nachweislichen Franco-Opfern an und verteilte sie unter den Teilnehmern. Die monarchistische Tageszeitung ABC spottete, dass in Madrid"die Toten marschieren" würden.

©Alexander Roßbach /
Karriereaus für Garzón

Am Straßenrand: Eine Teilnehmerin schaut auf den Zug der Demonstranten. Auf dem Plakat eine der häufigen Meinungen: Der ebenfalls aktuell wegen Korruption und Veruntreuung angeklagte und nun auf Kaution freigekommene Politiker Correa werde gedeckt, der Richter ("Garzón") hingegen hinausgeworfen. Dem Richter droht im schlimmsten Fall bei Verurteilung ein Berufsverbot von zwei Jahrzehnten.

©Alexander Roßbach /
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Gegen Franco auf die Straße

Mitte April 2010 rief die spanische Plattform "Contra la impunidad de los crimes del franquismo" (Gegen die Straflosigkeit der Verbrechen des Franquismus) zu Demonstrationen auf. Zahlreiche Angehörige von Opfern und der Franco-Diktatur gingen auf die Straße, um eine Aufarbeitung der Verbrechen zu fordern.

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Künstler und Intelektuelle unterstützen Garzón.

An der Spitze des Zuges: Ein Teilnehmer hält das Transparent fest, auf dem "Respekt für die Opfer des Franqusimus" proklamiert wird. Bekannte Künstler und Intellektuelle, zum Beispiel Regisseur Pedro Almodovar, Schriftstellerin Almudena Grandes oder Lyriker Marcos Ana, beteiligten sich an der Veranstaltung.

©Alexander Roßbach /
Für die Opfer

Medien berichteten, dass in vielen spanischen Städten unter dem Motto "En solidaridad con los víctimas" demonstriert wurde. Das öffentliche Interesse war groß, weil auch...

Ermordet im April 1939:

Diese Frau trägt Plakate eines Opfers des Franco-Faschismus. Der spanische Bürgerkrieg (1936 bis 1939) und das damit einhergehende Ende der 2. Spanischen Republik (1931 bis 1939), ein Demokratieversuch nachdem Vorbild der Weimarer Republik, spaltet die spanische Bevölkerung bis heute. Republikanische Opfer des innerspanischen Konflikts erhielten unter Francisco Franco keine Würdigung. Noch heute, so kritisiert Amnesty International, seien mehr als 100.000 Opfer auf spanischem Boden verscharrt. Die Aufarbeitung dieses Kapitels findet nur zögerlich statt.

©Alexander Roßbach /
©Alexander Roßbach /
Der abschließende Kundgebungsort:

Auf der Plaza de la Puerta de Sol in Madrid sprechen die prominenten Teilnehmer zu der Masse, die es bis zur Bühne geschafft hat. Dicht an dicht ist nur noch wenig Platz, um sich auszuruhen. Vielen Menschen schien es einem historischen Moment gleich zu kommen, so geschlossen für die historische Aufarbeitung der Verbrechen spanischer Faschisten zu plädieren. Gefühlt gab es auf jeden Demonstranten herunter gerechnet eine Video- oder Fotokamera, die das Gesehene festhalten sollte.

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Spanische Gründlichkeit:

So schnell und emotional die Protestler gekommen sind, so fix sind sie wieder weg. Reinigungskräfte säubern die Marschroute, um die zentralen Straßen schnellstmöglich für den Verkehr wieder freizugeben.

©Alexander Roßbach /
Interviews

Die spanischen Medien, hier die Nachrichtenagentur EFE, nutzen die Situation, um Stimmungen und O-Töne einzufangen. Die Demonstranten bringen so ihre Forderungen einem breiten Publikum näher. Die Plattform "Gegen die Straflosigkeit der Verbrechen des Franquismus" beschrieb die Manifestacíon später auf ihrer Website als Erfolg.


(*) A.d.R.: Richter Baltasar Garzón Real

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