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28. Juni 2017
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  Feria in Sevilla - Spanien aus dem Bilderbuch
 
 
 
Jonas W.
Ein reisender Politologe, den es für einige Monate nach Madrid verschlagen hat. 2009 mit Uni-Abschluss in Frankfurt/Main entschloss ich mich noch (...)


Was für Deutschland das Oktoberfest ist, ist für Spanien die Feria de Abril in Andalusiens Hauptstadt Sevilla. Sie beginnt immer zwei Wochen nach der Semana Santa und geht 6 Tage lang - jedes Mal bis in die Morgenstunden. Die Sevillanos nehmen sich oft die ganze Woche frei, um bei dem Spektakel dabei zu sein. Bei unserem Ausflug nach Sevilla waren wir im April 2010 vor Ort.

(Jonas W.) -

Wenige Stunden vor Beginn der Feria füllt sich langsam das Gelände

Die Feria de Abril gibt es bereits seit 1847. Ursprünglich als Getreide- und Viehmesse gedacht, hat sich das Fest zum spanischsten Fest der iberischen Halbinsel entwickelt. Flamenco, Sangria und Tapas scheinen hier nicht nur Relikte einer längst kommerzialisierten Kultur zu sein, sondern immer noch fester Bestandteil im Leben der Andalusier - zumindest in dieser Woche. José María Ybarra aus dem Baskenland und Narciso Bonaplata aus Katalonien waren die beiden Stadträte, die die Messe einst ins Leben gerufen haben - was aus ihr geworden ist, hätten sie sich wohl nicht träumen lassen. Die spanische Königin Isabella II. genehmigte das Projekt und so fand kurz vor Sevilla die erste Messe statt. Sie war auch ein Belebungsversuch, um die niedergehende Handelsmacht Sevilla wieder aufzuwerten.

Jonas W. Am Anfang war das Getreide und Vieh
Schon im zweiten Jahr wurde die Messe etwas festlicher, vor allem durch die Anwesenheit des Herzogs und der Herzogin von Montpensier (Frankreich), die sich einen privaten Pavillon errichten ließen. Das Rathaus und das Casino von Sevilla folgten dem Vorbild und so entstanden die ersten drei großen Zelte auf der Messe. 1914 wurde die 3-Tägige Messe dann auf 5 Tage erweitert und 1952 schließlich auf 6 Tage. Im Zuge dessen, prägte sich der Fest-Charakter immer weiter und ab ca. 1920 war die Messe dann ein reines Vergnügungsfest. Der gesellschaftliche Teil wurde immer mehr der Mittelpunkt und die Männer fingen an, mehr zu trinken, essen und zu feiern als zu Handeln. Nach und nach nahmen dann auch zunehmend Frauen an den geselligen Runden Teil, sie dekorierten die zahlreich werdenden runden Zelte der Parteien, Firmen, Familien und Institutionen, die sich alle auf die Feria drängten

Die Feria heute
Zu Beginn des Festes werden um Mitternacht, mit dem ersten Glockenschlag 30.000 Birnen erleuchtet. Die Dekorationen der Zelte werden fast zeitgleich beleuchtet und am Ende erstrahlt das große Eingangstor - das jedes Jahr wechselt - in sanften orangfarbenden Tönen. Auf einem Quadratkilometer drängen sich dann täglich bis zu eine Millionen Menschen und sie singen, trinken, essen in über 1.400 casetas, so werden die Zelte genannt. Sie sind ca. 4x8 Meter groß und, um Platz zu sparen, sind sie heute viereckig. Jonas W. Typisch ist aber weiterhin das spitze Dach mit einer Malerei und dem Namen des Zeltes, sowie die festlichen Dekorationen. Montag bis Donnerstag ist das Fest noch relativ ruhig, am Freitag und Samstag wird es dann fast unerträglich eng. Die meisten Zelte sind privat und nur mit Einladung zu betreten. Es gibt zwar öffentliche Zelte der Stadtteile, diese sind aber meistens sehr voll und können leicht ungemütlich werden. In der Regel wird bis in die Morgenstunden durchgefeiert, die Letzten werden dann um 10 Uhr Morgens von der Polizei und den Räumungsdiensten freundlich zum Frühstücken in Sevillas Innenstadt ermuntert. Dort werden dann oft noch ein paar Chocolate con Churros oder frittierte Buñuelos gegessen, bevor es am Abend weitergeht.

Tanz der Feria: Flamenco
Unzählige Musikkapellen spielen von klassischen bis modernen Liedern alles, was zum mitsingen einlädt. Am meisten natürlich Sevillanas - die lokale Variante des Flamenco. Ein komplizierter, sinnlicher und pittoresker Tanz. Das furiose Finale des Tanzes ist immer gleich: Mit dem rechten Fuß aufstampfen, den Kopf zurückwerfen und den Arm zum Schnippsen in die Höhe werfen und dann mit einem punktgenauen Olé enden. Manchmal sind die Tanzflächen, auf der sich oft die ganze Familie zum tanzen trifft, vom Rest räumlich abgeschirmt und in die hintere Hälfte des Zeltes verlegt. Das typische Flamenco-Kleid kostest von der Stange ca. 150 Euro - nach oben sind keine Grenzen gesetzt und bei so vielen Gewändern herrscht natürlich der stille Wettbewerb des Sehen und Gesehen werdens merklich vor.

Jonas W.Unser Tag auf der Feria
Wir kommen am letzten Tag der Feria an. Soviel Tradition hatten wir nicht erwartet. Die Frauen sind fast alle in ihren teuren und exklusiven faralaes - die traditionellen Flamencokleider - gekommen. Viele Männer tragen das entsprechende Pendant, den traje corto und den typischen cordobés - den Hut. Unzähige Kutschen bringen die Señores und Señoritas zur Feria, man kommt kaum an den ganzen Pferden auf den Straßen vorbei. Wir haben den Eindruck, dass die Uhren zurückgedreht wurden und wir im Jahr 1900 sind. Frauen und Männer wirken stolz und zu Pferd präsentieren sie sich von ihrer besten Seite. Andere Touristen entdecken wir kaum und plötzlich wird uns klar, dass das alles gar kein Kitsch ist, sondern Ausdruck eines stolzen Andalusiens, welches hier seine Tradition feiert und einmal im Jahr wieder lebendig werden lässt. Da sehen wir dann doch Einen, einen Touristen - unschwer zu erkennen: ein Asiate mit Kamera - auch er sieht etwas verloren aus. Wir schlängeln uns weiter durch die Massen, um dann dauernd wieder stehen zu müssen, um die Straße zu wechseln - die Pferdekutschen halten selten an und man muss sich ständig Nischen suchen um weiterzukommen. Jonas W. Wir sehen in den Zelten schon die kleinsten Sevillanerinnen die ersten Tanzschritte üben, anonsten wird geplaudert und gesungen. Die Impressionen sind vielfältig, das gesamte Gelände scheint in knalligen Farben getaucht zu sein - ganz abgesehen von den Kleidern, die selbst schon der kleinste Nachwuchs trägt. Die Stimmung ist ausgelassen und im besten und wahrsten Sinne festlich - nur die besten Kleider, die ausgewähltesten Dekorationen und die schönsten Kutschen werden aus- und vorgeführt. Wir fühlen uns im Herzen Andalusiens.



Uns kommt es so vor als seien wir auf dem Oktoberfest - nur ernst gemeint und ohne Touristen. Natürlich gibt es auch hier komasaufende Jugendliche und fast jedes Zelt hat inzwischen seine eigenen Sicherheitskräfte, dennoch wirkte es authentischer als wir dachten und wer gerade in Sevilla ist, der sollte sich die Feria de Abril auf keinen Fall entgehen lassen.

Wikipedia zur Feria (Auf spanisch): http://es.wikipedia.org/wiki/Feria_de_Abril
Jonas W.
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