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23. April 2017
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  Die Kopftuchpolemik in Spanien
 
 
 
Jekatherina A.
Kulturwissenschaftlerin aus Berlin. Und bevor es mit dem Master weitergeht, gönne ich mir nochmal einen kurzen Praktikumsaufenthalt in der Stadt (...)


Die 16-jährige Najwa Malha mit marrokanischer Abstammung wurde vom Unterricht ihrer Schule in der Madrider Gemeinde Pozuelo de Alarcón ausgeschlossen. Der Grund: ihr Kopftuch. Am 20.04.2010 solidarisierten sich fünf ihrer Freundinnen und setzten sich ein Kopftuch auf. Sie durften ebenfalls nicht mehr am Unterricht teilnehmen.

Nachdem vor allem in Deutschland und Frankreich das Tragen von Kopftüchern eine große Diskussion über religiöse Symbole in laizistischen Institutionen hervorriefen, mehren sich auch die Fälle in Spanien. Die Problematik tauchte zum ersten Mal 2002 auf, als Fátima El Idrissi aus Madrid die Schule wechseln musste, da die Nonnen der katholischen Schule Inmaculada Concepción (Unbefleckte Empfängnis) ihr den Zutritt mit Kopftuch verweigerten.

Shaima Saidani und Zoubida Barik
Ein weiterer Fall, der 2007 für viel Aufruhr in den Medien sorgte, war der von Shaima Saidani (8) aus Girona. Das Gericht hob den Ausschluss vom Unterricht auf, da das Recht auf Bildung über den Werten der Schule stehe. Zoubida Barik, muslimische Rechtsanwältin, wurde aufgrund ihres Kopftuchs vom Richter Gómez Bermúdez suspendiert. Ihre Beschwerde beim Richterwahlausschuss änderte nichts am Urteil, da in den Gerichten nur eine Kopfbedeckung erlaubt ist: das Barett des Richters. Der Fall liegt derzeit dem Obersten Gerichtshof vor.

Najwa Malha
Najwas Vater Mohamed Malha, Vorsitzender der islamischen Gemeinde Pozuelos, setzt sich für seine Tochter ein: “Das Verbot des Kopftuchs widerspricht dem Artikel 16 - dem Recht auf Religionsfreiheit.” Seine Tochter leide sehr unter dieser Situation und muss womöglich aufgrund von einer Depression ins Krankenhaus. Desweiteren betont er, dass Najwa sich alleine für das Kopftuch, das sie seit zwei Monaten trägt, entschieden hat. Der Vater war anfänglich sogar dagegen, da er die Probleme sah, die dadurch womöglich auf sie zukommen könnten. Doch nachdem sich seine Tochter, die selbst Lehrerin werden will, für das Kopftuch als Zeichen ihrer religiösen Identität ausgesprochen hatte, unterstütze er sie voll und ganz.

Zwischen Religionsfreiheit und Unterdrückung
Wie in Deutschland, so bilden sich auch in Spanien zwei Parteien im Kopftuchstreit. Verteidigen die Einen das Recht auf Religionsfreiheit und Bildung, so sehen die Anderen im Kopftuch die Unterdrückung der Frau, fehlende Integration und Abschottung der muslimischen Immigrantengemeinschaft von der spanischen Kultur. Da es keine eindeutige Regelung gibt, wird es in Zukunft wohl weiter zu solchen Zwischenfällen kommen. Solange viele Schulen der katholischen Kirche unterstehen und somit christliche Symbole erlauben, die anderer Religionen jedoch verboten sind, kann von Gerechtigkeit zumindest kaum die Rede sein.

El País: http://www.elpais.com/articulo/sociedad/padre/nina/expulsada/clas e/Pozuelo/llevar/velo/pide/explicaciones/centro/elpepusoc/20 100420elpepusoc_2/Tes
Jekatherina A.
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