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23. April 2017
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  Stimmung in Spanien
 
 
 
Jonas W.
Ein reisender Politologe, den es für einige Monate nach Madrid verschlagen hat. 2009 mit Uni-Abschluss in Frankfurt/Main entschloss ich mich noch (...)


Das Centro de Investigaciones Sociológicas (CIS) veröffentlicht jeden Monat eine Umfrage zur politischen Stimmung in Spanien. Wir haben uns die Zahlen für den März 2010 einmal genauer angeschaut. Die empirische Studie wurde mit Umfragen bei 2487 Personen durchgeführt.

(Jonas W.) -

Kein Vertrauen in Politik und Wirtschaft - Die Spanier sehen die Zukunft düster.

Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise und die Politik vermiesen die Stimmung
Die Spanier sehen bei den drei schwerwiegendsten Problemen ihres Landes die Arbeitslosigkeit (82,8%) ganz weit vorne. Dahinter kommen die Wirtschaftslage (45,3%) und die Politische Klasse (15,8%) - hier zeigen sich auch die vielen Korruptionsaffären der letzten Jahre. Des Weiteren sind die Immigration (13,5%) und der Terrorismus der ETA (11,1%) wichtige Probleme für die Spanier. Das Land kriecht aus der Krise - nicht wie die meisten anderen EU-Staaten, dementsprechend sehen auch die Zufriedenheitswerte mit der aktuellen wirtschaftlichen Lage aus: 76,8% sehen die Situation schlecht oder sehr schlecht, knapp 20% in Ordnung und nur 2,5 Prozent gut oder sehr gut. Dass sich die Lage innerhalb eines Jahres verbessern wird, glauben die Spanier weniger; nur 21% der Befragten teilen diese Ansicht. 41% denken sogar, dass die Situation sich nicht verändern wird und fast 30% vermuten gar eine Verschlechterung der Lage.

Feindbild politische Klasse:
Spaniens politisches System verdichtet sich immer mehr zum Zweiparteien-System. Das und die vielen Korruptionsfälle der letzten Jahre und Monate könnten Gründe für das Misstrauen in die Politik sein. Mehr als 15% der Befragten gibt an, dass die Politische Klasse ein Problem darstellt. 61,5% der Spanier beurteilen die politische Situation als schlecht oder sehr schlecht, knapp 28% finden sie in Ordnung und nur 5% gut oder sehr gut. Dass sich daran in Zukunft etwas ändern wird sehen die Spanier ebenfalls skeptisch: Nur 11% glauben an Verbesserungen im nächsten Jahr und 54% denken, dass sich nichts ändern wird. 21% der Befragten gehen sogar von einer weiteren Verschlechterung der politischen Lage aus.

Politische Stimmung zart links
Auf die Frage, wo sich die Personen politisch selber sehen, gaben 32% Links oder Mitte-Links an. In der politischen Mitte sahen sich knapp 32% und Mitte-Rechts sowie Rechts ca. 18%. Indes votierten 12% der Befragten für keine der politischen Richtungen und weitere 12% gaben nichts an. Auf einer Skala von 1 (Sehr Links) bis 10 (Sehr Rechts) ergab die Umfrage einen Mittelwert von 4,79. Das politische Befinden ist also relativ ausgeglichen, mit einer hauchdünnen Tendenz nach Links. Das passt auch zur Frage nach den beliebtesten sozialen Bewegungen in Spanien.

Menschenrechts-, Tierschutz und Ökologiebewegungen gerne gesehen
Die Umfrage zeigt, dass 33% der Spanier die Bewegungen für Menschenrechte sehr symphatisch finden, gefolgt von den Tierschutzorganisationen (28%) und den ökologischen Gruppierungen (17.1%). Sehr unsymphatisch finden die Spanier dagegen die (Haus-)Besetzerszene mit 43%, die politischen Parteien mit 32,7% und die religiösen Organisationen mit 25%, sowie die Gewerkschaften (21,4%). Sehr verschieden ist die Ansicht zu Organisationen für die Rechte von Homosexuellen, 9% symphatisieren mit diesen aber 19% finden sie sehr unsymphatisch - ähnlich sieht das auch bei den feministischen Gruppen aus (9% Pro und 12% Contra). Neben einer breiten Ablehnung von politischen Institutionen könnte man dahinter auch eine homophobe und machistische Einstellung vermuten.

Frauen schlechter gestellt?
Das kreuzten zumindest 78,5% der Befragten an. Sie sehen die Gleichheit von Mann und Frau weiter zurück als noch vor 10 Jahren. Das eine politische Partei die Ungleichheit bekämpfen würde, glaubt kaum jemand. 36% trauen das auch keiner Partei zu und 27% sind ohne Meinung. Das die PSOE am ehesten noch für mehr Gerechtigkeit sorgen könnte vermuten noch 22%, der PP trauen das nur 7% zu und der Vereinigten Linken 4%.

Dass die Spanier ihren eigenen Parteien immer weniger zutrauen und die Politische Klasse bedrohlicher für das Land sehen als den Terrorismus der ETA, müssen sich viele spanischen Politiker wohl auf die eigene Fahne schreiben. Aber die allgemeine Politikverdrossenheit nimmt nicht ab - es scheint so, dass das Politische immer mehr auf die zivilgesellschaftlichen Akteure verlegt wird, die den Spaniern inzwischen oft sehr viel näher stehen als Parteien, Gewerkschaften und religiöse Organisationen.

Die Demokratie wandert immer weiter zurück zur zivilgesellschaftlichen Basis und wendet sich dabei von der politischen Klasse ab.

Zur Umfrage des CIS: http://www.cis.es/cis/opencms/-Archivos/Marginales/2820_2839/2831/es2831.pdf
Jonas W.
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