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29. März 2017
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  “Die Plazas sind nicht zum Sitzen da”
 
 
 
Jekatherina A.
Kulturwissenschaftlerin aus Berlin. Und bevor es mit dem Master weitergeht, gönne ich mir nochmal einen kurzen Praktikumsaufenthalt in der Stadt (...)


Nach zahlreichen Bauarbeiten, die Ende 2009 rund um die wichtigsten Plätze Madrids abgeschlossen wurden, beschweren sich viele Einwohner und Touristen, dass es an schattenspendenden Bäumen und Bänken zum Ausruhen fehlt. Die Regierung, die insgesamt 15 Mio. Euro dafür ausgab, verteidigt das neue Stadtbild: so sollen u.a. die Botellones (Trinkgelage Jugendlicher auf öffentlichen Plätzen) verhindert werden.

(Jekatherina A.) -

Sol: Ohne Schatten, ohne Bank

Steinwüsten statt Erholungsoasen
Der neue Sol, Callao und viele weitere Plätze und Fußgängerzonen der Stadt haben sich nach jahrelangen Umbauten in Steinwüsten verwandelt. Es gibt kaum Sitzmöglichkeiten, man müsse sich am Springbrunnenrand in Sol, am Metrogelände oder auf dem Boden in der prallen Sonne niederlassen, um sich etwas zu erholen oder einfach das Geschehen ringsrum auf sich einwirken zu lassen. In Callao gibt es auf 10.000 m² nur sechs verstreute Einzelsitzmöglichkeiten und einen Baum – für die Bepflanzung des Platzes fehle es wohl an Unterboden.

Keine Bänke = keine Botellones
Das Projekt sah eigentlich 48 Bäume und mehrere Bänke vor, davon ist auf der Plaza Callao weit und breit nichts zu sehen. Die Regierung erklärt dies mit der Tatsache, dass dieser Platz ein Ort des “unermüdlichen Durchgangsverkehrs” ist und die Bäume und Bänke nur Hindernisse darstellen würden. Außerdem wirkt er so weniger einladend für Botellones, die vor allem in den wärmeren Monaten nachts auf den Straßen der Hauptstadt von der jüngeren Bevölkerung veranstaltet werden.

Die Leidtragenden
Die Leidtragenden, so El País, sind vor allem Ältere und Schwangere. In der Einkaufspassage der Straße Fuencarral, die vor kurzem als Fußgängerzone ausgebaut wurde, kommen auf 500 Meter nur sieben Einzelsitze. Zu wenige für eine 74-jährige Rentnerin, die sich gerne ab und zu hinsetzen würde, nachdem sie ihre Einkäufe erledigt hat. Eine Mutter mit Kleinkind musste zum Stillen in einen Laden flüchten, da es keine Bänke gab. Die Situation war ihr so unangenehm, dass sie sich gezwungen sah, eine Hose in besagtem Laden zu kaufen.

Kommerz und Gentrifizierung
Viele sehen hinter den neuen Fußgängerzonen die Verkommerzialisierung der Innenstadt. Das Zentrum wird dem öffentlichen Leben der Bewohner entzogen und zu einem Ort des Konsums umfunktioniert. Laut José Luis Vallejo ( Ecosistema Urbano, Studio für Architektur und Urbanismus) haben wir es hierbei mit einer Gentrifizierung zu tun, die die Einheimischen aus solchen Zonen verdrängt und Platz macht, für einen rein kommerziellen und auf den Tourismus ausgerichteten Raum.

El País: http://www.elpais.com/articulo/madrid/plazas/estan/sentarse/elpep iespmad/20100418elpmad_1/Tes
Jekatherina A.
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