Werbung Madrid
24. Juni 2017
Ihre Zeitung Aktuelles aus Spanien Wissenswertes
  Luis Roldán ist frei - kurze Retrospektive einer wahren Kriminalgeschichte
 
 
 
Jonas W.
Ein reisender Politologe, den es für einige Monate nach Madrid verschlagen hat. 2009 mit Uni-Abschluss in Frankfurt/Main entschloss ich mich noch (...)


Luis Roldán ist am 18. März aus dem Gefängniss entlassen worden. In den 90ern war er Chef der Guardia Civíl und bereicherte sich u.a . aus dem staatlichen Geheimfonds für die Terrorbekämpfung und steckte Geld für die Vergabe von lukrativen Bauaufträgen ein. Sicherheitskräfte fassten ihn 1995 in Bangkok, woraufhin er zu 31 Jahren Haft verurteilt wurde.

(Jonas W.) -

Bei einigen Politikern Spaniens sehr beliebt - Korruption im Baugewerbe

Der wohl beste Nebenjob für einen Gauner? Klar: Polizeichef. Das dachte sich auch Luis Roldán. Mit gefälschten Universitätsabschlüssen stieg er schnell ins politische Geschäft ein und wurde von 1986 bis 1993 Generaldirektor der Guardia Civíl, einer auch paramilitärisch ausgerichteten spanischen Polizeieinheit. Die inzwischen eingestellte Zeitung Diario 16 entdeckte damals ein riesiges Vermögen im Ausland; darunter Luxusvillen, Landgüter und dubiose Konten. Die spanische Regierung unter dem sozialistischen Ministerpräsidenten Felipe González (1982-1996) geriet damals massiv unter Druck. Das spanische Parlament setzte eine Untersuchungskommission ein.

Flucht nach Bangkok
Was dann passierte, hätte auch in einem Agententhriller ablaufen können: Kurz nach dem Antrag auf Einzug des Reisepasses verschwand Roldán und als er am 29. April 1994 nicht vor Gericht erschien wurde Haftbefehl erlassen. Nachdem dann die spanischen Sicherheitskräfte bekannt gaben, dass Roldán spurlos verschwunden sei, übernahm der damalige spanische Inneminister Antoni Asunción sofort die Verantwortung für die Flucht und trat zurück. 10 Monate später wurde Roldán dann in Thailand, am Flughafen in Bangkok, verhaftet. Eine entscheidende Rolle hat dabei wohl sein damaliger Komplize Francisco Paesa gespielt, der ehemalige Geheimagent des spanischen Innenministeriums gab den Behörden die wichtigen Hinweise auf den Verbleib Roldáns, er hatte ihm zuvor geholfen Schmiergelder ins Ausland zu schaffen. Mit einem falschen Versprechen auf eine geringe Haftstrafe überredete Paesa dann Roldán sich festnehmen zu lassen. Roldán wurde trotzdem zu 31 Jahren verurteilt, die er nach 15 Jahren nun frühzeitig beenden konnte.

Verschollene Beute
Heute ist der 66-jährige, nach eigenen Angaben, ein armer Mann. Aber das glaubt ihm keiner mehr. Nach 15 Jahren haft wurde er dieses Jahr frühzeitig entlassen und trat nach ein paar Worten an die Presse, seine Heimreise per Bus an. Von seinen 19 Millionen Euro Beute, hat er bis heute nur 1,65 Millionen zurückgezahlt - von dem Verbleib der restlichen Millionen wisse er nichts. Des Weiteren seien die schlechten Ermittlungen daran Schuld, dass die Beute bis heute nicht aufgetaucht ist und nicht er selbst. Tatsächlich sind die einzigen zwei Zeugen, zwei schweizer Strohmänner, inzwischen verstorben - Einer hatte sich selbst erschossen und der Andere starb in einem Genfer Hospiz. 1998 erschien dann in Thailand eine Todesanzeige die auch den Tot von Paesa vermeldete. Allerdings wurde er 2004 in Barcelona, Luxemburg und Südfrankreich gesehen, ihm werden u. a. Verbindungen zur russischen Mafia und Söldnergeschäfte nachgesagt.

Der Komplize und Ex-Agent Paesa ist untergetaucht
Francisco Paesa werden ebenfalls enge Verbindungen zur GAL (Grupos Antiterroristas de Liberación), einer staatsterroristischen paramilitärischen Einheit, vorgeworfen. Die GAL wurde 1983 von Mitgliedern der sozialistischen Regierung in Spanien gegründet und war bis 1987 aktiv. Sie verübten mehrere Morde und Terroranschläge an ETA-Mitgliedern und Symphatisanten - ein Drittel der 28 Ermordeten hatten wohl aber keinerlei Verbindung zur ETA. Auch Luis Roldán soll in die Aktivitäten verstrickt gewesen sein. Nach dem Bekanntwerden der Gruppe, mussten viele hochrangige PSOE-Mitglieder aus der Regierung zurücktreten. Wegen seinen mutmaßlichen Verbindungen zur GAL u. a. erließ der bekannte spanische Ermittlungsrichter Baltasar Garzón (Mehr bei uns) 1988 Haftbefehl gegen Paesa.

1994 arbeitete der bekannte spanische Autor Manuel Vázquez Montalbán den Stoff in seinem Roman Roldán, ni vivo ni muerto in einer Dedektivgeschichte auf. Dieser ganz reale Stoff reiht sich ein, in eine lange Serie trauriger Korruptionsgeschichten in der spanischen Politik.

Mehr in der El País

Mehr unter:: http://www.elpais.com/articulo/espana/Roldan/queda/hoy/libre/mayo r/parte/botin/intacto/elpepiesp/20100319elpepinac_19/Tes
Jonas W.
Kommentar hinzufügen
Kommentar hinzufügen
In der gleichen Rubrik
Luis Roldán ist frei - kurze Retrospektive einer wahren Kriminalgeschichte (13.04.2010)
[Web-Pressespiegel]
Neueste Artikel
"Lebendiger Treffpunkt im Zentrum Madrids" (21.12.2010)
Wenn spanische Funken sprühen...! (21.12.2010)
La Oreja de van Gogh (21.12.2010)
Héroes del Silencio (1984 – 1996) (14.10.2010)
Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 80 bis 100 Minuten - Basketball in Spanien (27.09.2010)
[Startseite]
Sección en español
[Sección en español]

Impressum
Redakteur werden
Editorial
Kommentare
Fotos
1. Mai 2010 in Madrid 1. Mai 2010 in Madrid
1. Mai 2010 in Madrid 1. Mai 2010 in Madrid
Videos
Die Straßen von Madrid
Tarife Werbung
Werbung




Startseite | Kleinanzeigen | Kontakt | Teilnahme an der Zeitung | Werbung

Copyright 2007-2017 MadriderZeitung.