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16. Dezember 2017
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  Xacobeo - Heiliges Compostelanisches Jahr 2010
 
 
 
Jonas W.
Ein reisender Politologe, den es für einige Monate nach Madrid verschlagen hat. 2009 mit Uni-Abschluss in Frankfurt/Main entschloss ich mich noch (...)


Der Jakobsweg im Heiligen Jahr 2010 lockt wieder Millionen von Touristen und Pilgern auf den Weg und in die Kathedrale von Santiago de Compostela. Das nächste Heilige Jakobusjahr findet erst 2021 statt. Papst Benedikt besucht am 6. November 2010 die Kathedrale und die Tourismusministerien freuen sich auf die Besucherströme.

(flickr.com/photos/reservasdecoches) -

Die Uhr zeigt die verbleibende Zeit bis zum Xacobeo 2010 an.

Die Pilgersaison beginnt und der Jakobsweg steht dieses Jahr unter einem ganz besonderen Vorzeichen - dem Heilligen Compostelanischem Jahr (Xacobeo). Fällt nämlich der Todestag des heiligen Jakobus am 25. Juli auf einen Sonntag, dann wird am 31.12 des Vorjahres eine heilige Pforte geöffnet und ein besonderes Pilgerjahr ausgerufen - das Año Santo Compostelano oder auch Año Santo Jacobeo. Wer in diesem Jahr Pilgert, der bekommt von der Katholischen Kirche einen vollkommenen Nachlass der zeitlichen Sündenstrafen zugesprochen. 1885 und 1938 sind sogar zwei zusätzliche heilige Jahre einberufen worden. In diesem Heiligen Jakobusjahr werden viele Veranstaltungen, Events und Pilger erwartet.

Übernachtungen um 5 Prozent gestiegen
Während des letzten Heiligen Jahres 2004 pilgerten ca. 180.000 Menschen auf dem Jakobsweg, mehr als 100.000 als im Jahr zuvor. Auch im Januar und Februar 2010 sind die Besucherzahlen bereits um fast 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, die Übernachtungen um 5 Prozent. Papst Benedikt XVI hat sich bereits für den 6. November 2010 angekündigt, einen Tag bevor er die Sagrada Familia in Barcelona weihen wird.

Außerordentliche Jakobusjahre 1885 und 1938
Zweimal - 1885 und 1938 - sind in der Geschichte außerordentliche Heilige Jahre verkündet worden. 1885 wurde die von Papst Leo XIII verkündete Echtheitserklärung der wiederaufgefundenen Reliquien des Apostels Jakob gefeiert und nach dem Heiligen Jahr 1937 blieb die "Pforte der Vergebung" (Puerta de Perdón) ein weiteres Jahr für diejenigen geöffnet, die durch den Bürgerkrieg am Pilgern gehindert wurden - damals machten sich allerdings nur 8000 auf den Weg. Ein weiterer Grund für das zusätzliche Heilige Jahr 1938 war die Wiedereinführung der Ofrenda al Apóstol durch den Diktator Franco. Die Ofrenda al Apóstol ist ein Widmungs- und Bittgebet der spanischen Nation an den Apostel Jakobus. Das Staatsoberhaupt oder ein Mitglied der königlichen Familie muss demnach im heiligen Jahr eine Opfergabe an den Dom von Santiago de Compostela bringen. Die demokratischen spanische Republik hatte dies zuvor 1931 abgeschafft.

Ursprung der Heiligen Jahre und der Pforte der Vergebung
Ursprung der Heilligen Jahre auf dem Pilgerweg ist die päpstliche Bulle Regis aeterni, die am 25. Juni 1179 in Kraft getreten war. Dieses kirchliche Gesetz von Papst Alexander III ist heute in zwei Exemplaren erhalten, das Datum wird um ca. 1500 datiert. Verschiedene Wissenschaftlicher werten diese Urkunden allerdings als Fälschung. Zum Heiligen Jahr wird die "Heilige Pforte" geöffnet - ursprünglich wurde jedesmal eine eigens errichtete Mauer eingerissen - Die Pilger betreten die Kathedrale dann direkt über dieses Tor, von dem Praza da Quintana her. Sie befindet sich hinter dem Hauptaltar (Altar Mayor), zwischen den beiden Kapellenschiffen Salvador und Virgen de la Azucena.

Besucheransturm und Tourismus
Gab es im heilligen Jahr 1909 nur 140.000 Pilger in der Kathedrale von Santiago de Compostela (Besucher auch ohne Pilgerweg) hat sich die Zahl bis kurz vor der Jahrtausendwende 1999 auf über 10 Millionen erhöht. im Letzten heiligen Jahr 2004 kamen bereits ca. 12 Millionen Menschen. Aufgrund der erhöhten Pilgerzahlen machte der Stadtrat für Wirtschaft und Tourismus von Santiago 2009 den Vorschlag ein zusätzliches außerordentliches Heiliges Jahr einzuführen, da es zwischen 2010 und 2021 keines geben wird - dieser Vorschlag traf aber auf Ablehnung.

Der Jakobsweg als Kulturreise
1993 hat die Autonomen Region Galicien die Initiative Xacobeo gegründet und die touristische Förderung der Heiligen Jakobusjahre ausgebaut. Kritiker bemängeln, dass die religiösen Anliegen dadurch kommerzialisiert werden. Allerdings besitzen die religiösen Inhalte und Aspekte auf dem Jakobsweg nach wie vor einen hohen Stellenwert. Der Jakobsweg ist überdies auch ein kultureller und spiritueller Weg geworden, so hat ihn der Europarat auch als "erste kulturelle europäische Reiseroute" gekennzeichnet und die UNESCO hat ihn 1993 zum Weltkulturerbe erklärkt.

Xacobeo 2010: Tanz auf dem Vulkan
Die Feierlichkeiten zum "Xacobeo 2010" sind ein Tanz auf dem Vulkan: Der religiöse und kulturelle Charakter des Jakobswegs sollen gewahrt werden, doch ist die wirtschaftsschwache Region auf möglichst viele Besucher angewiesen. Besonders im Heiligen Jahr 2010 erwarten viele Souvenirverkäufer, Gaststätten und Hotels Millioneneinnahmen - Die dieses Jahr schätzungsweise immerhin 1,5 % des BIP in Galicien ausmachen werden.

Die Regierung in Galicien will sich auf der einen Seite die religiösen Pilger ohne Mehrausgaben, als die zum täglich Brot, bewahren und auf der anderen Seite den zahlungskräftigen Touristen auf den Weg bringen: Ob dies gelingt bleibt abzuwarten.

Mehr zu dem Thema auf El Público

Mehr auf Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Heiliges_Compostelanisches_Jahr
Jonas W.
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