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1. Mai 2017
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  Spaniens Literaturwelt - zwischen Trauer und Hype
 
 
 
Jonas W.
Ein reisender Politologe, den es für einige Monate nach Madrid verschlagen hat. 2009 mit Uni-Abschluss in Frankfurt/Main entschloss ich mich noch (...)


Am Freitag den 12. März 2010 starb der spanische Schriftsteller Miguel Delibes im Alter von 89 Jahren in seiner Geburtsstadt Vallaldolid. Spanien trauert um seinen Starautor, der keiner sein wollte. Ein paar Tage später stellt der erfolgreiche Schriftsteller Arturo Pérez-Reverte seinen neuen Roman "El asedio" vor.

(Jonas W.) -

In Spaniens Buchhandlungen stehen unzählige Würdigungen für Miguel Delibes

Spanien trauert um Miguel Delibes. Am Freitag den 12. März 2010 starb der Schriftsteller im Alter von 89 Jahren in seiner Geburtsstadt Vallaldolid, in die er von seinen vielen Reisen immer wieder zurückkehrte. Er galt als einer der wichtigsten Gegenwartsautoren Spaniens. 1998 wurde bei ihm Krebs diagnostiziert und nach einer Operation zog er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Viele seiner Werke stehen heute auf den Lehrplänen in Spaniens Schulen. Delibes Werke sind in 21 Sprachen übersetzt worden und finden inzwischen auch in Deutschland Anklang.

Erste Schritte
1947 veröffentlichte er seinen ersten Roman. 1958 wurde er für 5 Jahre Chefredakteur einer Tageszeitung, in der er auch kritische Artikel gegen das Franco-Regime unterbrachte - das Regime entliess ihn daher im Jahr 1963. Er machte sich in den folgenden Jahren gleichsam als Universitätsprofessor und Autor für eine breite Leserschicht beliebt. Obgleich Journalist, Karikaturist, Professor war er trotzdem kaum eine öffentliche Person - kein Spielball der Medien. Seine Bücher verkauften sich auch ohne sein zutun wie von selbst. Man konnte ihn stetig auf den Bestsellerlisten Spaniens und auch Europas finden.

Rau wie die Landschaft in Kastilien sind auch seine Figuren
Delibes blieb trotz seiner vielen Reisen nach Südamerika, Osteuropa oder die Vereinigten Staaten bodenständig, was man durchaus auch ohne den Nachgeschmack eines verstaubten Traditionalismus behaupten kann. In der rauen Landschaft Kastilliens wanderte er oft und ging seiner Leidenschaft, dem Jagdsport, nach. Rau wie die Landschaft sind auch die Figuren in seinen Romanen: Einsame, Suchende und einfache Menschen - es sind die Kinder, die Alten oder die Vernachlässigten die in Delibes Werk eine Stimme bekamen. Unzählige Literaturpreise zeugen von der Anerkennung, die ihm Spanien entgegenbrachte.

Arturo Pérez-Reverte - einer der meistübersetzten spanischen Autoren
„Er war einer der letzten großen Klassiker und er lebt weiter“ sagte Arturo Pérez-Reverte, Weggefährte von Delibes an der königlichen Akademie Spaniens. Arturo Pérez-Reverte ist mittlerweile einer der meistübersetzten spanischen Autoren weltweit und mit ca. 15 Millionen verkauften Büchern auch einer der Erfolgreichsten. Angefangen hat er seine Karriere als Journalist, Korrespondent und Kriegsberichterstatter für den öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Televisión Española. 1993 veröffentlichte er sein bis heute wohl bekanntestes Werk: „Der Club Dumas“, welches 1999 von Roman Polanski unter dem Titel „Die neun Pforten“ verfilmt wurde. Pérez-Reverte schreibt hauptsächlich (halb-)fiktive Historienromane, die gegen Ende des goldenen Zeitalters (Siglo d’ Oro) und den Untergang des spanischen Weltreichs, Ende des 17. Jahrhunderts, spielen. Pérez-Reverte präsentierte jetzt am 3. März 2010 sein neues, mehr als 700 Seiten umfassendes, Buch.

Pérez-Revertes neuer Roman El asedio
Der Roman El asedio (Die Belagerung) spielt in Cádiz 1811/12 und reflektiert den spanischen Unabhängigkeitskampf gegen die Vormacht Frankreichs und die Feldzüge Napoleon Bonapartes auf der Iberischen Halbinsel (1807 – 1814). Pérez-Reverte mischt hier verschiedene genretypischen Elemente wie: Abenteuter, Krimi, Historie, Wissenschaft und verzichtet auch nicht auf einige feuilletonistische Einflüsse.

Spanien hat mit Miguel Delibes einen seiner einflussreichsten und interessantesten Schriftsteller nach dem spanischen Bürgerkrieg verloren. Es ist der Verlust eines Literaturstars, der nie einer sein wollte und seinem Schreiben immer den Vorrang gab. Mit Arturo Pérez-Reverte gibt es in Spanien einen international anerkannten Literaturstar, dieser verkörpert derzeit Spaniens neue Literatur nach Franco – zwischen Historien- und Kriminalroman.

Zu den wichtigsten Werken Miguel Delibes gehören:
El camino (1950)
Mein vergötterter Sohn Sisí - La sombra del ciprés es alargada (1947)
Die Ratten - Las ratas (1962)
El príncipe destronado (1974)
He dicho (1997)
Der Ketzer - El hereje (1998)

Zu den wichtigsten Werken Arturo Pérez-Reverte gehören:
Der Club Dumas - El club Dumas (1993)
Der Schlachtenmaler - El Pintor de batallas (2006)
Königin des Südens - La reina del sur (2002)
Alatriste Reihe (1996 - 2006)


Mehr zu Miguel Delibes auf Wikipedia
Mehr zu Arturo Pérez-Reverte auf Wikipedia
Der neue Roman von Pérez-Reverte vorgestellt auf El País

Jonas W.
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