Werbung Madrid
21. Juli 2017
Ihre Zeitung Aktuelles aus Spanien Wissenswertes
  Frente Polisario
 
 
 
Johannes Richter
ERASMUS 08/09 an der Facultad de Ciencias Politicas y Sociología der UCM, jetzt erneut dem Bielefelder Herbst entflohen, um nochmal drei Monate (...)


Die Frente Polisario ist eine militärische und politische Organisation, die für die Unabhängigkeit der Westsahara kämpft.

Gegründet wurde die Frente Popular para la Liberación de Saguía el Hamra y Rio de Oro 1973. Damals war die Westsahara noch spanische Kolonie, eine der letzten des ehemaligen Weltreichs. Appelle der Uno zu einer Dekolonisierung wurden seit Jahren ignoriert, deshalb wollten die Westsahauris Spanien nun mit militärischen Mitteln aus Nordwestafrika vertreiben.

Im November 1975 traten die Spanier mit den acuerdos de Madrid die Verwaltung der Westsahara an die Nachbarländer Marokko und Mauretanien ab. General Franco lag zu diesem Zeitpunkt bereits im Sterben und das Ende der Diktatur war absehbar. Es war ein taktischer Rückzug, der Spanien größtmöglichen Einfluss und ökonomischen Gewinn in der Region sichern sollte. Dem Vertrag war der sogenannte “Grüne Marsch” vorausgegangen, eine organisierte Massendemo, bei der Marokko 350.000 Menschen in den Norden der Kolonie einmarschieren ließ, um historische Ansprüche geltend zu machen.

Bewaffneter Unabhängigkeitskampf

Kurz nach den acuerdos drangen marokkanische und mauretanische Truppen in das Land ein. Die Polisario begann einen Guerilla-Krieg gegen die beiden Armeen und rief im Jahr 1976 die Demokratische Arabische Republik Sahara aus. Die Bewegung wuchs schnell, anfangs vor allem durch Überläufer der Tropas Nomadas, Hilfstruppen der spanischen Kolonialarmee, die sich aus sahaurischen Stammesmitgliedern zusammensetzten. Starke Unterstützung erhielt die Polisario außerdem von Beginn an von Seiten Algeriens, sowohl militärisch als auch diplomatisch. So erhöhte sich die Anzahl der Guerilleros innerhalb weniger Monate auf mehrere Tausend Mann, Kamele wurden durch Jeeps ersetzt, Musketen durch Sturmgewehre.

Fluchtpunkt Algerien

Bis heute ist die algerischen Stadt Tindouf, nahe der nordöstlichen Spitze der Westsahara, Sitz der Polisario, ihrer Armee und der provisorischen Regierung. Die Provinz Tindouf ist zugleich Zufluchtsort für 100.00 vor den Kämpfen geflüchtete Sahauris, deren Zahl inzwischen auf 155.000 angewachsen ist. Die Flüchtlingslager, abhängig von internationalen Hilfslieferungen, werden von der Polisario verwaltet. Hier neue Rekruten zu werben war nie ein Problem. Zeitweise hatte die Polisario 20.000 Mann unter Waffen, noch heute sind es 6-7000. Dazu kommt, dass alle Lagerbewohner an obligatorischen Militärübungen teilnehmen und somit eine Art große ’Reservearmee’ bilden.

2500 Kilometer Mauer

Nach einem Putsch vereinbarte das militärisch sowieso eher schwache Mauretanien 1979 mit der Polisario einen Friedensvertrag und zog sich aus der Westsahara zurück. Marokko fing Mitte der Achtziger an, die von ihm eroberten Gebiete mit einem Wall zu befestigen. Inzwischen zieht sich eine Mauer 2500 Kilometer durch das Land, vom Südwesten bis zum Nordosten. Bewacht wird sie von Soldaten, deren Anzahl fast der Gesamtpopulation der Westsahara entspricht. Während Marokko die nordöstlichen 2/3 des Landes beherrscht, die am Meer liegen und ökonomisch nutzbar sind, ist der von der Polisario kontrollierte Teil wirtschaftlich wertlos, stark vermint und fast unbevölkert.

Waffenstillstand mit Marokko

Im September 1991 schlossen Marokko und die Polisario einen von der UNO vermittelten Waffenstillstand. Damit verbunden war das Versprechen eines Referendums über die Zukunft der Westsahara, das aber bis heute nicht eingelöst wurde. Marokkos Angebot eines Autonomiestatus lehnen die Westsahauris ab. Insbesondere viel Flüchtlinge drängen die Polisario-Führung inzwischen auf eine Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfes.

Schritte zur Demokratie

Die Frente Popular ist in erster Linie eine nationalistische Unabhängigkeitsbewegung. Militär und Regierung überlappen sich stark und ein ausformuliertes Parteiprogramm existiert nicht. In ihren Anfangsjahren bediente sie sich vor allem sozialistischen Vokabulars, ihr Generalsekretär Mohamed Abdelaziz bekennt sich jedoch mehr und mehr zu liberal-demokratischen Werten, inklusive Mehrparteiensystem und freiem Markt. Auch aufgrund ihrer weitreichenden Verwaltungsaufgaben hat die Organisation im Laufe der Jahre ihren Charakter gewandelt, von militärisch-hierarchischen hin zu demokratischeren Strukturen. Insbesondere Ex-Mitglieder der Polisario kritisieren diesen Transformationsprozess allerdings als völlig unzureichend.

UN-Mission für die Westsahara: http://www.un.org/en/peacekeeping/missions/minurso/
Johannes Richter
Kommentar hinzufügen
Kommentar hinzufügen
In der gleichen Rubrik
La Oreja de van Gogh (21.12.2010)
Héroes del Silencio (1984 – 1996) (14.10.2010)
Macaco (1997) (16.09.2010)
Radio Futura (1980-1992) (17.08.2010)
Chambao (9.08.2010)
[Spanische Kultur]
Neueste Artikel
"Lebendiger Treffpunkt im Zentrum Madrids" (21.12.2010)
Wenn spanische Funken sprühen...! (21.12.2010)
La Oreja de van Gogh (21.12.2010)
Héroes del Silencio (1984 – 1996) (14.10.2010)
Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 80 bis 100 Minuten - Basketball in Spanien (27.09.2010)
[Startseite]
Sección en español
[Sección en español]

Impressum
Redakteur werden
Editorial
Kommentare
Fotos
Die heilige Jungfrau Maria Barfuß
Zwischen Andacht und Volksfest Großes Publikum
Videos
Die Straßen von Madrid
Tarife Werbung
Werbung




Startseite | Kleinanzeigen | Kontakt | Teilnahme an der Zeitung | Werbung

Copyright 2007-2017 MadriderZeitung.