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13. Dezember 2017
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  Westsahara-Aktivistin weiter im Hungerstreik
 
 
 
Johannes Richter
ERASMUS 08/09 an der Facultad de Ciencias Politicas y Sociología der UCM, jetzt erneut dem Bielefelder Herbst entflohen, um nochmal drei Monate (...)


Seit dem 15. November befindet sich die Menschenrechtsaktivistin Aminatou Haidar auf dem Flughafen von Lanzarote im Hungerstreik. Zwei Tage vorher war sie in ihrer westsahaurischen Heimatstadt El Aaiún an der Einreise gehindert und gegen ihren Willen zurück auf die Kanarischen Inseln geflogen worden.

(Kmusser/Wikipedia.org) -

Marokko hat die in der Westsahara eingenommenen Gebiete mit einer Mauer gesichert, die sich inzwischen auf 2500 Kilometer quer durch das Land im Nordwesten Afrikas zieht.

Haidar soll sich nach ihrer Rückkehr von Gran Canaria geweigert haben, auf dem Einreiseformular als Zielland ’Marokko’ einzutragen. Anschließend gab sie angeblich freiwillig ihren marokkanischen Pass ab. Zwei spanische Dokumentarfilmer, die sie begleiteten und wegen unerlaubten Filmens am Flughafen ebenfalls ausgeflogen wurden, bestreiten diese Version. Die Zeitung El País veröffentlichte am 26.11. Dokumente, die zeigen, dass die marokkanische Regierung bereits vor ihrer Rückkehr für drei verschiedene Tage Flüge für Haidar reserviert hatte, ihre Ausweisung also offenbar eine geplante Aktion war.

Kampf für eine unabhängige Westsahara

Aminatou Haidar ist eine führende Aktivistin für die Unabhängigkeit der Westsahara. Aufgrund ihres Engagements verbrachte die Mutter zweier Kinder 2005/06 bereits sieben Monate im Gefängnis. Nachdem Spanien seine Kolonie 1976 aufgegeben und die Frente Polisario daraufhin die Demokratische Arabische Republik Sahara ausgerufen hatte, anektierte Marokko zwei Drittel des Gebiets. Seit 1991 besteht ein Waffenstillstandsabkommen zwischen Polisario und Marokko, die zwei Herrschaftsgebiete werden von einer 2500 Kilometer langen Mauer getrennt. Ein von den Vereinten Nationen gefordertes Volksreferendum zum Status der Westsahara wurde bis heute nicht durchgeführt.

Nach ihrer Landung auf Lanzarote schaltete Haidar die UN ein und warf den spanischen Behörden Kidnapping vor, da diese sie aufgrund des fehlenden Passes daran hinderten, erneut einen Flug nach El Aaiún zu nehmen. Die Aktivistin weigerte sich daraufhin, den Terminal zu verlassen und trat schließlich in den Hungerstreik. Journalisten sagte sie nach 24 Tagen ohne Nahrungsaufnahme, mit schwacher Stimme und im Rollstuhl sitzend: “Ich werde nach El Aaiún zurückkehren, tot oder lebendig.”

Prominente Unterstützer und engagierte Gegner

Unterstützt wird Haidar in ihrem Kampf von prominente spanischen Künstlern und Intellektuellen wie dem Regisseur Pedro Almodóvar, Schauspielerin Penélope Cruz oder dem Literatur-Nobelpreisträger José Saramago, der sie auch persönlich besucht hat. Der spanische Kongress konnte sich bislang nicht auf eine gemeinsame Position einigen, eine entsprechende Stellungnahme ist auf nächste Woche verschoben worden.

Die marokkanische Regierung geht derweil in die dipomatische Offensive und schickte einige hochrangige Mitglieder nach Spanien, um wichtigen spanische Politikern ihre Sicht der Dinge darzulegen. Gleichzeitig hat sie die Federación de Española de Entidades Religiosas Islámicas (FEERI) für ihre Sache eingespannt, eine der wichtigsten Moslem-Organisationen Spaniens. Tenor der Kampagne ist, dass beide Länder Opfer der von Haidar heraufbeschworenen Probleme seien.

El País

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