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29. März 2017
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  Piraten und Korruption
 
 
 
Kathy O.
Eine reisewütige Geisteswissenschaftlerin, die lieber Deutsch unterrichtet als Praktikantin zu spielen. 2003 kam ich zum ersten Mal nach Madrid (...)


Kathy O. wirft einen Blick zurück auf die Themen, die die Spanier im November 2009 bewegt haben.

Schlug man im November 2009 die Zeitung auf, konnte man mit Sicherheit zwei Themen finden: Korruption und Piraten.

Piraten? Sind das nicht die mit den Holzbeinen, Papageien und Totenschädel-Flaggen, die vor 200 Jahren Schiffe überfallen haben? Die gibt es doch gar nicht mehr … Nun, auch heute kapern Desperados noch Schiffe. Hier in Spanien hat ein neues Bild das Alte überlagert: Eine vermummte Gestalt in einem weißen Schutzanzug und Handschellen, schlaksig und mit eingeschüchtertem Blick; ein verängstigter Junge. Das ist der moderne Pirat in den Händen der demokratischen Autorität. Denn er war einer der Entführer des Thunfisch-Trawlers Alakrana, sie hatten ein spanisches – halt: baskisches Schiff entführt. War das ein Medienrummel, es hatte „uns“ getroffen. Für eine Weile fühlten sich sogar die Basken als Spanier. Täglich gab es Berichte über die Situation auf dem Schiff, die Ängste der Familien und über die Frage, ob und wie die Forderung nach Freilassung der zwei Gefangenen erfüllt werden könnte.

Dann wurde doch Lösegeld bezahlt und der Medienhype hat sich ein neues Opfer gesucht. Zurück bleiben ein verschärftes Seerecht, die verhafteten Piraten – vergessen in ihren Zellen – und vereinzelte Wortgefechte von Politikern, die so hoffen, Sympathiepunkte (zurück) zu gewinnen.

Die brauchen sie dringend, wie gesagt, das zweite große Thema des Herbstes war Korruption.

Zum einen ist da gerade der Fall „Gürtel“ vor Gericht. Die Bezeichnung ist der Name des Hauptverdächtigen – Correa – ins Deutsche übersetzt. Warum gerade ins Deutsche, keine Ahnung. Hier geht es um Korruption im großen Stil: Veruntreuung staatlicher Gelder und ungesetzliche Bauprojekte im ganzen Land, durchgeführt von Politikern aus der ersten Riege der PP. Auch der Präsident der Comunidad Valencia, Francisco Camps ist darin verwickelt – jedoch legen die Gerichte seiner Region den Fall seltsamerweise zu den Akten. Desweiteren brach der Filz in Santa Coloma de Gramanet, einer Stadt in der Nähe Barcelonas auf. Vor etwa einem Monat ging ein beeindruckendes Video durchs Land: Wütende Einwohnern, die vor dem Rathaus standen und deklarierten: „Esta es la casa de todos – Dies ist das Haus von allen." Der Hintergrund: Ende Oktober verhaftete die Polizei den Bürgermeister, er hat Geld gewaschen und illegal Komissionen verteilt. Damit hat er die Stadt satte 18 Millionen Euro gekostet.

Aber die Krönung ist der Fall Juan Cano, der vor etwa zwei Wochen verhaftet wurde. Cano hat diesmal Höheres angestrebt als nur Korruption, diese ’Kinderspielchen’ hat er schon 2001 gespielt und wurde deswegen aus der PP ausgeschlossen, später dann aber für die Lokalpolitik wieder zugelassen – auf wirken von Alejandro Ponsoda, dem vor zwei Jahren ermordeten Bürgermeister von Polop. Und genau dieser Tat – oder genauer gesagt ihrer Planung – ist sein Nachfolger Cano jetzt angeklagt.

Wen überascht es bei so viel Mord und Betrug, dass die Spanier mehr Angst vor ihren eigenen Politikern als vor Terrorismus haben? Da müssen diese Piraten noch ein paar baskische – ich wollte sagen: spanische Schiffe kapern, um die fehlgeleiteten Bürger an die wirklichen Gefahren zu erinnern. Die spanischen Politiker werden ihnen im Nachtgebet danken.

Kathy O.
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