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26. März 2017
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  Au-Pair Jennifer II: Stolpersteine und Sackgassen - Augen auf!
 
 
 
Jennifer Kohel
Vom Abiturient zum deutschen Au-Pair. Madrid hat mich gefunden. Jetzt erkunde ich wieso.


Ich lebe jetzt seit drei Monaten in Madrid und bin immer noch so überwältigt von der Stadt, dass ich es gar nicht erwarten kann, zu sehen, was mich hinter der nächsten Ecke erwartet. Doch in einer Hinsicht kann mich nichts mehr überraschen, dies betrifft das Leben als Au-Pair. Mein Wissen möchte ich hier gerne mit Familien und zukünftigen Au-Pairs teilen. Dabei möchte ich noch darauf verweisen,dass ich lediglich den Konfliktgegenstand "Familie" aufgreife, da ich nur aus Sicht des Au-Pairs berichten kann. Hierzu Anregungen, Ratschläge und Hilfen, denn manchmal gewinnt das "AU" in Au-Pair eine ganz andere Bedeutung.

(Jennifer Kohel) -

Auf das Abenteuer Au-Pair sollte man sich mit offenen Augen einlassen - und mit Problemen offen umgehen.

Mit Organisation oder auf eigene Faust 

Das Allererste, worüber man sich Gedanken macht, ist: Werde ich mich privat auf die Suche begeben oder über eine Organisation eine Gastfamilie finden? Ich selbst habe es privat gemacht und bin im Nachhinein froh darüber. Mit einer Organisation fühlt man sich in der Regel sicherer, doch hier habe ich festgestellt, dass die Meisten, die sich für eine Organisation entschieden haben, genauso Probleme haben (können), wie solche ,die auf privatem Weg hergekommen sind: Einer Freundin ist es passiert, dass sie die Gastfamilie wechseln wollte und ihre Organisation keinen Ersatz in Madrid gefunden hat. Die einzige Auskunft, die sie bekam, war: "Derzeitig befindet sich in unserer Kartei keine suchende Gastfamilie in Madrid". Nun, natürlich war die Organisation bereit, sich mit der Familie auseinanderzusetzten, aber das Mädchen wollte ihre Gastfamilie verlassen und ihr Bedarf an Kommunikation war bereits gedeckt. Wer sich sicherer mit einer Organisation fühlt, der sollte sich an eine solche wenden (vor allem, wenn es sich um einen weiteren Luftweg als Deutschland-Spanien handelt). Wer sich aber nicht sicher ist, dem rate ich aus persönlichen Erfahrungen, den privaten Weg einzuschlagen. Telefoniert mit der Familie, redet mit den vorherigen Au-Pairs, und wenn es doch zu Problemen kommt, so findet man genauso schnell eine neue Familie ohne Organisation wie mit.

Schlechte Erfahrungen: Anzüglichkeiten, fehlende Privatsphäre, Vollzeit-Jobs

Leider kommt es aber auch immer häufiger vor, dass sich aus dem anfänglichen "nicht wohl fühlen" ein nicht mehr zu beseitigendes "Unwohlfühlen" entwickelt. In meinem Umfeld gibt es schon drei Au-Pairs (alle Namen geändert), die solche Erfahrungen machen mussten, und jede hat eine andere Geschichte.

Sandra´s Geschichte nahm bereits zu Beginn ihrer Aufenthaltes Gestalt an: Sie erhielt öfter anzügliche Bemerkungen von Seiten ihres Gastvaters, die sie zunächst unbeachtet unter "spanischer Mentalität" abtat - bis es dann zu einer Email kam, die unmissverständlich klarmachte, dass er ihr näher sein wollte, als es sich für einen Familienvater gehört. Nach einer Aussprache mit ihm stellte sich allerdings heraus, dass er so ein schlechtes Gewissen hatte, sie in diese Lage gebracht zu haben, dass er es seiner Frau erzählte und sie ihm verzieh. Unter der Bedingung, dass nichts ähnliches mehr vorfallen sollte, blieb Sandra in der Familie. Bis jetzt hat es keine weiteren Anzüglichkeiten gegeben.Gerade bei einer solchen Situation, in welcher man zwischen zwei Elternteilen steht, kann man von Glück sprechen, dass es so ein klangloses Ende genommen hat.

Carolin ist nichts dergleichen passiert, aber das Wohlfühlen in einer Gastfamilie setzt auch eine gewisse Privatsphäre heraus. Abgesehen davon, dass die Eltern sich zu Hause lieber mit dem Fernsehprogramm statt mit ihren Kindern auseinander setzten - sich z.B. mit ihnen zu unterhalten oder gemeinsam zu essen -, war es Carolin nicht erlaubt, ihr Zimmer zu schließen. Wir reden hier nicht von Abschließen, was bei den meisten Au-Pair-Zimmern überhaupt nicht möglich ist, sondern vom Türe schließen. Die Kinder spazierten ein und aus, ohne jegliche Privatsphäre zu respektieren, und nahmen auch Sachen aus Carolins Zimmer mit. Auch wenn man als Au-Pair in einer Familie wohnt, es sollte nicht vergessen werden, dass es Arbeitszeiten gibt und dass es ein Job wie jeder andere ist. Man ist nicht dazu verpflichtet, sich jedem rund um die Uhr zur Verfügung zu stellen, geschweige denn seinen Freiraum und seine Privatsphäre aufzugeben. Carolin wird Anfang nächsten Jahres ausziehen und hat ihre Wohnungssuche erfolgreich abgeschlossen. Sie möchte nicht mehr als Au-Pair arbeiten.

Anna gibt dem Au Pair Job noch eine Chance. Sie hat schon eine in Frage kommende Familie gefunden.In ihrer derzeitigen konnte man schon nicht mehr von "Freizeit" sprechen. Nach der Schule (2 Stunden am Vormittag) fuhr sie nach Hause und arbeitete bis abends halb zehn ohne Pause durch. Neben ihren eigentlichen Aufgaben war es zuerst die Bitte, hier und da im Haushalt mitzuhelfen und zum Schluss hin eine Selbstverständlichkeit, alle anfallenden Aufgaben zu Übernehmen. Sie wird voraussichtlich nach Weihnachten wechseln. Die Familie weiß noch nicht Bescheid.

Sprecht mit euren Gasteltern!

Diese drei Fälle sind leider nicht die einzigen schlechten Erfahrungen, doch sollen sie nicht schockieren, sondern eher warnen. Erfahrungsgemäß bleibt es bei keiner Familie 100%ig bei den vorher getroffenen Vereinbarungen. Lebt man erst einmal in einer Familie, gewöhnt man sich schnell daran, von alleine sehr viele Aufgaben zu übernehmen, bzw. Hilfe anzubieten. Da kann es leicht passieren, dass die Familie diese Unterstützung irgendwann für selbstverständlich hält oder sie sogar fordert. Gute Absichten in allen Ehren, aber Obacht sollte gegeben sein, damit man sich nicht irgendwann ausgenutzt oder ungerecht behandelt fühlt. Meistens wird von dem Au-Pair eine gewisse Flexibilität in den Arbeitszeiten erwartet. Wenn einem das missfällt, sollte man das im Vornherein klären. Man sollte dennoch darauf achten, dass sich die Arbeitszeiten ausgleichen, denn auch wenn sich schnell eine familiäre, intime Atmosphäre einstellt: Es ist immer noch ein Job. Leider ergibt sich gerade aus der Tatsache, dass sich im Normalfall ein enges Verhältnis entwickelt, die Schwierigkeit, Probleme, Unzufriedenheit oder Überstunden anzusprechen. Man will unter keinen Umständen die gute Beziehung zueinander zerstören, wobei man letztendlich doch in den sauren Apfel beißen sollte, denn von nichts kommt nichts. Hört euch die Erfahrungen anderer Au-Pair´s an und haltet die Augen offen, den manchmal stinkt etwas gewaltig zum Himmel. Das erste, und Beste, was ihr dann tun könnt: Redet mit euren Gastfamilien und sprecht an, was euch stört. Nur so kann es zu einem ausgeglichenen Arbeitsverhältnis kommen. In den meisten Fällen sind die Familien dann doch sehr verständnisvoll und das Problem ist schnell aus der Welt geschafft.

Ein Abenteuer, auf das man sich einlassen sollte

Die drei oben geschilderten Erlebnisse sind nicht der Regelfall. Der Au-Pair-Job hat auch unendlich viele guten Seiten. Beispielsweise ist man von Anfang an integriert und steht nicht plötzlich alleine in einer fremden Stadt. Bei Fragen und Problemen kann die Familie einem helfen und es kann sich eine angenehme, familiäre Atmosphäre entwickeln. Ich selbst bin total glücklich in meiner Gastfamilie, obwohl auch ich schon ein paar Dinge angesprochen habe. Man sollte immer bedenken, dass jede Familie kleine Fehler hat. Es ist eine andere Kultur, ein anderes Land und die Gastfamilie wird niemals deine Erwartungen, basierend auf der eigenen Familie, erfüllen können. Zu Beginn meines Aufenthaltes hatte ich mit einem kleinen, zugänglichen aber unheimlich energisches Mädchen zu kämpfen, das mir nun unheimlich ans Herz gewachsen ist. Wir toben, lachen und verbringen eine lustige Zeit miteinander. Am Wochenende hab ich immer Freizeit, um etwas zu unternehmen und die nutze ich hin und wieder zum Reisen. Für mich ist das Au-Pair Jahr ein Abenteuer, dass gerade erst angefangen hat. Den besten Rat, den ich dir geben kann: Mach die Augen auf und schau dir an, was du erleben kannst! Aber halt sie auch offen, um zu bemerken, was du nicht erleben willst! Ob unter dem Himmel oder der Traufe, letztendlich gilt zu deinen Gunsten oder der anderer Au-Pairs: Schweigen ist Silber, reden ist Gold.

Hier ein paar renomierte Seiten rund um das "Projekt" Au-Pair:

Familiensuche:
www.aupair.de
www.aupairzentrale.de
www.aupair-world.net

Sprachschulen in Madrid:
www.cee-idiomas.com
www.eoidiomas.com
www.culturesp.com

Noch mehr Möglichkeiten Spanisch zu lernen, findet ihr hier.

Jennifer Kohel
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  1 Kommentar / 1 Nachricht.
  Au-Pair Jennifer II: Stolpersteine und Sackgassen - Augen auf!
  27. Januar 2010 17:39
  -

Hallo Jennifer,

mit großem Interesse habe ich deinen 2. Artikel in der Madrider Zeitung gelesen.
Es ist toll,dass du anderen Menschen deine Erfahrungen
mitteilst und auch gute Ratschläge geben kannst. Offensichtlich hast du es gut getroffen und kannst einen zufriedenstellenden Job machen.Ich denke, dass für dich das Jahr viel zu schnell vergehen wird und du wieder in Deutschland sein wirst.
Auf jeden Fall bringst du viel neue Erfahrungen über das Leben mit.
Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen mit dir.

Weiterhin viel Erfolg wünscht dir

Deine Omi aus Deutschland

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