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20. Oktober 2017
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  Der “dicke Junge” in staatlicher Obhut
 
 
 
Johannes Richter
ERASMUS 08/09 an der Facultad de Ciencias Politicas y Sociología der UCM, jetzt erneut dem Bielefelder Herbst entflohen, um nochmal drei Monate (...)


Als niño obeso hatte er wochenlang Schlagzeilen in den Medien gemacht. Nun ist der “übergewichtige Junge” aus dem gallizischen Ourense am 2.12.09 der Obhut der Xunta, der Regionalregierung von Galizien übergeben worden.

(Johannes Richter) -

Insbesondere die Gratis- und Boulevardzeitungen nahmen den Fall zum Anlass, mal wieder dicke Kinder auf den Titelseiten zu bringen.

Der 10jährige, der mit einem Körpergewicht von fast 83 Kilo an krankhaftem Übergewicht leidet, war bereits 48 mal wegen gesundheitlicher Probleme auf der Intensivstation, unter anderem wegen schwerer Ateminsuffizienz. Die Xunta de Galicia wollte den Eltern deshalb bereits vor Monaten das Sorgerecht entziehen. In den letzten Wochen hatte die Familie den Jungen deshalb in einer Barackensiedlung versteckt gehalten, während die Polizei vergeblich nach ihm suchte. Außerdem legten sie bei Gericht ein psychologisches Gutachten vor, dass statt Heimunterbringung einen Verbleib in der Familie bei gleichzeitiger Diät und Ernährungsumstellung empfiehlt.

Umfangreiche ärztliche Untersuchungen

Nach einem mehrtägigen Dialog mit den Eltern erklärten diese sich jedoch schließlich bereit, ihren Sohn dem Jugendamt zu übergeben. Rogelio Martínez, Delegierter der Xunta de Galicia in Ourense, erklärte laut El Mundo, da er immer nur als der “dicke Junge” gegolten habe, seien die gesundheitlichen Probleme unterschätzt worden. Es gebe außerdem strukturelle Probleme und Spannungen in der Familie, die vor einer Rückkehr ins Elternhaus gelöst werden müssten.

Im Hospital Cristal Piñor de Ourense werden nun “möglichst erschöpfende Analysen” des körperlichen und physischen Zustands des Kindes durchgeführt. Die Resultate und ärztlichen Gutachten werden anschließend an die Consellería de Traballo e Benestar (etwa das Arbeits- und Sozialministerium Galiziens) übergeben, die sie auswertet und über die weiteren Maßnahmen entscheidet. Bis dahin wird der Junge vorerst in einem Kinderheim bleiben. Seine Großeltern väterlicherseits haben währenddessen “informell” beantragt, ihn zu sich zu nehmen. Dies ist nach Angaben Martínez’ prinzipiell möglich, hängt aber von den Untersuchungsergebnissen und einer Einwilligung der Eltern ab.

Hoffen auf Ende des Medienspektaktels

Der Delegierte zeigte sich erleichtert, dass die Übergabe des Jungen “ohne Zwang und Spektakel” abgelaufen sei und, “dass diese Show nun zu Ende ist”. Die Inobhutnahme sei zu seinem eigenen Besten, damit sich sein Leben und seine Situation nun normalisierten. Der Fall des niño obeso hatte in der spanischen Presse wochenlang Aufsehen erregt und erhitzte Debatten über Übergewicht bei Kindern, insbesondere in der Unterschicht, über Sorgerechtsentzug usw. entfacht.

Der Anwalt der Familie beklagte vor einem Monat, dass Medien und Staatsanwaltschaft den Namen des Jungen veröffentlicht haben und warf ihnen eine Veletzung seiner Intimsphäre und eine Dramatisierunge des Falles vor. Auch verwahrte er sich gegen Spekulationen, seine Mandanten hätten für Medienberichte Geld erhalten. Damit wolle man nur die Eltern, die gitanos (’Zigeuner’) seien, bewusst diskreditieren.

elmundo.es

elcorreogallego.es

Johannes Richter
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