Werbung Madrid
21. September 2017
Ihre Zeitung Aktuelles aus Spanien Wissenswertes
  Los Bares – spanische Kneipen?
 
 
 
Kathy O.
Eine reisewütige Geisteswissenschaftlerin, die lieber Deutsch unterrichtet als Praktikantin zu spielen. 2003 kam ich zum ersten Mal nach Madrid (...)


Die Bares, die spanischen Kneipen, haben mich am Anfang ziemlich verwirrt. Erst einmal wegen ihres Stils.

(Johannes Richter) -

Gemütlich sind die spanischen Bares nicht, mit ihren Neonröhren und Glaskästen. Dafür kann man hier von morgens bis abends kurz reinschauen, seinen Kaffee oder seine Caña trinken und halbwegs günstig essen.

Die Bares, die spanischen Kneipen, haben mich am Anfang ziemlich verwirrt.

Erst einmal wegen ihres Stils. Zum Wort Kneipe fallen mir als Erstes die klassischen Eckkneipen ein: Dunkles Holz, grün-bräunliche Farben, gedämmte Beleuchtung und diese getönten Fenster aus lauter kleinen Scheiben, durch die man unmöglich hineinschauen kann. Das ist meine Klischee-Kneipe.

Die Bares hier sehen anders aus: Es dominieren Stein und Metall, helle, harte Farben, die durch Neonröhren erst richtig an Kälte gewinnen. Und sie haben riesige Fenster, wie normale Ladenlokale, durch die man alles beobachten kann, was drinnen passiert. Für deutsche Augen erscheinen sie wie eine Firmen-Cafeteria. Und das ist es, was ich hier als Bar de Enfrente - die Bar von Gegenüber kennengelernt habe.

Gemütlich sind diese Bares nicht. Aber mit der Zeit habe ich mich an sie gewöhnt. Ich weiß, was ich dort suche und finde. Und ich bringe es nicht fertig, sie als Kneipen zu bezeichnen. Auch auf Deutsch nenne ich sie Bar(es), obwohl sie die gleiche Funktion erfüllen.

Oder?

Auf den ersten Blick wirkt es so. Es gibt Tische und einen Tresen, es wird Alkohol ausgeschenkt, ein guter Teil der Kundschaft sind Stammkunden und auch die Gestalten, die den ganzen Tag am Tresen sitzen, findet man.

Aber im Gegensatz zu (Eck)Kneipen haben Bares viel Laufpublikum, Leute, die oft nur für wenige Minuten hineinschauen. Das beginnt verdammt früh: Die allerersten öffnen schon gegen fünf Uhr morgens, die meisten zwischen sechs und acht. Wer um diese Uhrzeit vorbei kommt ist auf dem Weg zur Arbeit und will schnell noch einen Kaffee trinken, dazu vielleicht noch eine Tostada oder ein Gebäck. Dieses Frühstück unterwegs ist hier sehr weit verbreitet und erschwinglich. Für eine Napolitana (eine Art Croissant mit Schoko- oder Cremefüllung) bezahlt man beim Bäcker 1,20 - 1,50 €, in der Bar bekommst du für etwa 2 € einen Kaffee und einen Sitzplatz dazu.

Ich denke, dies macht einen wichtigen Unterschied zwischen Bares und Kneipen aus. Ich habe zwar auch in Deutschland hin und wieder in Kneipen Kaffee getrunken, bin aber noch nie in eine gegangen, um genau das zu tun. In Bares schon, dafür sind die da. Sie ersetzen hier also irgendwie das Café.

Und den Imbiss, fast schon das Restaurant. Irgendetwas Essbares haben alle Bares und fast alle haben eine Küche. Auf den metallenen Tresen wird in Glaskästen Essen ausgestellt. Zum einen alles, was bereits servierfertig ist: Die berühmte Tortilla, Ensaladilla Rusa (fast ein Kartoffelsalat) und Ähnliches. Zum anderen steht dort rohes Fleisch - damit man die Qualität, die man bestellt, anschauen kann. Für schnelle und halbwegs bezahlbare Mahlzeiten sind Bares ein zentraler Anlaufpunkt. Und auch fürs Mittagessen, für das berühmte Menu del Dia, ein robustes Dreigänge-Menü, das zwischen 9 und 12 € kostet. Bares sind der wichtigste Anlaufpunkt zum Mittagessen für all diejenigen, die tagsüber nicht heimkommen. Manche deutsche Kneipe bietet zwar Essen an, aber ich sehe es nicht als eine ihrer grundlegenden Funktionen, anders als die Bares.

Mit diesem Angebot sind Bares zu einem großen Teil auf Tagespublikum ausgelegt und schließen auch entsprechend - etwa um die Zeit, zu der die Garitos öffnen. Dorthin geht man Abends, um ein Bier zu trinken und so. In Deutschland würde man dazu (auch) Kneipe sagen.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Blog meinmadrid.wordpress.com für die Madrider Zeitung.

Kathy O.
Kommentar hinzufügen
Kommentar hinzufügen
In der gleichen Rubrik
Kultur- und Konsumstadt Madrid (3.09.2010)
Der Comedor del Ave Maria - Armenspeisung im Herzen Madrids (6.04.2010)
Los Bares – spanische Kneipen? (17.11.2009)
Kulleraugen und verliebt-Hitler als Comicfigur (19.05.2009)
Reiseziel Spanien: Unbeliebter bei Deutschen (18.11.2008)
[Horizonte]
Neueste Artikel
"Lebendiger Treffpunkt im Zentrum Madrids" (21.12.2010)
Wenn spanische Funken sprühen...! (21.12.2010)
La Oreja de van Gogh (21.12.2010)
Héroes del Silencio (1984 – 1996) (14.10.2010)
Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 80 bis 100 Minuten - Basketball in Spanien (27.09.2010)
[Startseite]
Sección en español
[Sección en español]

Impressum
Redakteur werden
Editorial
Kommentare
Fotos
Typ mit Hut Strohpuppen
Menschen am Strassenrand Zuckerl für die Kleinen
Videos
Die Straßen von Madrid
Tarife Werbung
Werbung




Startseite | Kleinanzeigen | Kontakt | Teilnahme an der Zeitung | Werbung

Copyright 2007-2017 MadriderZeitung.