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22. Juli 2017
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  23-F - der Putschversuch von 1981
 
 
 
Johannes Richter
ERASMUS 08/09 an der Facultad de Ciencias Politicas y Sociología der UCM, jetzt erneut dem Bielefelder Herbst entflohen, um nochmal drei Monate (...)


23-F nennen die Spanier kurz und knapp die Ereignisse des 23. Februar 1981, die beinahe das Ende der jungen spanischen Demokratie bedeutet hätten.

(archivo) -

200 Paramilitärs der Guardia Civil besetzten eine Nacht lang das spanische Parlament und hielten die Abgeordneten fest.

Der Tod Francos im Jahr 1975 bedeutete das Ende der 40jährigen Diktatur in Spanien. In der darauffolgenden ’Transición’ wandelte sich das Land zu einer modernen und demokratischen Gesellschaft. 1978 stimmten 88% der Spanier für die neue Verfassung, die das Land zu einer parlamentarischen Monarchie machte.

Anfang der 1980 befand sich Spanien jedoch in einer Krise: die Wirtschaft lief schlecht, die ETA bombte, die Regionen forderten mehr Autonomie und die Rechte verlangte einen starken Mann an der Spitze. Neben vielen Mitgliedern der Wirtschafts- und Finanzelite, dem Verband der Bürgerkriegsveteranen und falangistischen Splittergruppen träumten auch weite Teile des Militär- und Polizeiapparates von einem “Ende des Sittenverfalls” und einer Renaissance franquistischer Zustände.

Das gesamte Parlament als Geisel

Am 23. Februar 1981 schließlich stürmten zwei Hundertschaften der paramilitärischen Guardia Civil um 18.23 Uhr das Parlament und nahmen die 350 Abgeordneten als Geiseln. Unter Führung des Oberstleutnants Antonio Tejero wollten die Putschisten den demokratischen Reformprozess rückgängig machen. Das Foto des Anführers, wie er mit einer Pistole in der Hand vom Rednerpult aus die Parlamentarier in Schach hält, ging später um die Welt. Sein Mitverschwörer Jaime Milan de Bosch ließ zur gleichen Zeit in Valencia Panzer auffahren. Landesweit wurden Radio- und TV-Sender von den Putschisten besetzt.

40 Millionen Spanier warteten am Abend gebannt auf die Stellungnahme des Königs im Fernsehen. Die Verschwörer hatten nicht zuletzt mit dessen vermeintlichen Zustimmung um Unterstützer für die Umsturzpläne geworben. Um kurz nach 1 Uhr nachts erschien Juan Carlos schließlich - in Militäruniform - vor der Kamera. In einer knappen Ansprache, mit der er auch an die Treue seiner Generäle appellierte, erklärte er:

„Die Krone, Symbol der Einheit Spaniens, darf auf keinen Fall Aktionen oder Handlungsweisen von Personen dulden, die mit Gewalt den Demokratisierungsprozess zu unterbrechen versuchen, der in der Verfassung bestimmt wurde, über die das spanische Volk in einem Referendum entschieden hat."

Dieses Bekenntnis zur Verfassung war ausschlaggebend für das Ende des Putschversuchs. Milan de Bosch rief die Panzer in Valencia noch in der Nacht zurück und wurde festgenommen, die Abgeordneten wurden am nächsten Morgen, nach 16½ Stunden, von der Guardia Civil freigelassen und das Parlament geräumt.

Zurückhaltende Reaktionen

Um das nach wie vor fragile Gleichgewicht der gesellschaftlichen Kräfte in der jungen Demokratie nicht zu gefährden, kamen die Verschwörer relativ glimpflich davon und Rufe zu einer grundlegenden Reform von Polizei und Militär wurden ignoriert. Offizielle Gedenkfeiern für diesen Tag, an dem das demokratische Spanien fast in seine faschistische Vergangenheit zurückgefallen wäre, gibt es wohl aus demselben Grund bis heute nicht.

Johannes Richter
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