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24. Juni 2017
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  Neue Zählmethode lässt Großdemos schrumpfen
 
 
 
Johannes Richter
ERASMUS 08/09 an der Facultad de Ciencias Politicas y Sociología der UCM, jetzt erneut dem Bielefelder Herbst entflohen, um nochmal drei Monate (...)


50.000 oder ein bis zwei Millionen? Ob Gay Parade oder Anti-Abtreibungs-Demos, die geschätzten Teilnehmerzahlen gehen bei Großveranstaltungen extrem auseinander. Eine neue Zählmethode wird in Zukunft so manchen Organisator desillusionieren. Sofern die Ergebnisse denn anerkannt werden.

(HazteOir.org) -

Menschenmassen so weit das Auge reicht: da kommt man beim Nachzählen schnell durcheinander.

Die Polizei beziffert die Zahl der Abtreibungsgegner auf der Großdemo am 17. Oktober 2009 in Madrid auf 250.000. Die Comunidad Madrid geht von 1,2 Millionen Teilnehmern aus, die Organisatoren sogar von bis zu zwei Millionen. Die Angaben basieren teilweise auf Berechnungen anhand der Menschendichte verschiedener Abschnitte des Protestmarsches, teils sind es reine Schätzungen, für die keine Erhebungsmethoden angegeben werden.

Das spanische Projekt LYNCE wurde im März 2009 gegründet, um diesen Schwankungen und mehr oder weniger unbegründeten Schätzungen abgesicherte Zahlen entgegenzuhalten. Und das Ergebnis klingt erstmal ernüchternd, jedenfalls für die Abtreibungsgegner: 55.316 Demonstranten seien am Samstag auf der Straße gewesen.

Auszählung mit Hilfe von Kameras, Videos und einem Zeppelin

Laut Firmenchef J.M. Gutiérrez begründet sich der Unterschied dadurch, dass LYNCE nachzähle und nicht abschätze oder hochrechne. Die Teilnehmerzahlen der Manifestation ’Derecho a vivir’ wurden mit Hilfe von zwei Videokameras, vier Fotokameras und einem Zeppelin ermittelt, der über dem Protestmarsch schwebte. Letztlich reichten für die Auszählung sieben Fotos, die zusammen den gesamten Demo-Zug zum Zeitpunkt seiner Ankunft an der Puerta de Alcalá dokumentierten. Die Demonstranten wurden teils computergestützt, teils per Hand nachgezählt. Für die nach Gutiérrez’ Angaben relativ wenigen Zweifelsfälle, in denen einzelne Personen nicht eindeutig von anderen Personen, Rucksäcken oder Ähnlichem unterschieden werden konnten, wurde ein Fehlerquotient von 15% errechnet und mitveröffentlicht. Doch selbst wenn man diesen berücksichtigt, liegt die maximale Teilnehmerzahl bei immer noch vergleichsweise geringen 63.300 Personen.

Übertriebene Teilnehmerzahlen sind allgemeines Problem

LYNCE und die Nachrichten-Agentur Efe, die die Zahlen verbreitet hat, weisen den Vorwurf ideologisch-politischer Motive zurück. Efe erklärte, es habe schon bei der Gewerkschaftsdemo gegen die Krise Lynce-Zahlen benutzt, also nicht erstmalig bei der hochpolitisierten Anti-Abtreibungs-Kundgebung. Und auch den diesjährigen Orgulloso Gay, die Madrider Schwulen-Parade, hat LYNCE mit seiner Erhebungsmethode bereits ähnlich ’kleingerechnet’: es kam auf 58.171 Gäste, mit einem 10%-Fehlerquotienten. Die Organisatoren hatten stolze 1,5 Millionen Teilnehmer verkündet. Dafür hätte der Umzug aber nach Angaben des Unternehmens 32 mal so viel Platz gebraucht.

"Auch 50.000 sind ein Erfolg"

Gutiérrez will nicht darauf hinaus, dass die Teilnehmerzahlen gering seien, sondern dass die bisherigen Angaben für derlei Veranstaltungen generell völlig absurd seien. Der Tageszeitung El País sagte er: “Hier kann jeder sagen was er will und niemand verlangt Erklärungen. Die Zahlen manipulieren und wenn wir uns erstmal an die hohen Ziffern gewöhnt haben, gibt es kein Zurück mehr. Die nachfolgende Demonstration muss dann noch größer sein. Dabei sind die 55.000 oder 60.000 Demonstranten gegen Abtreibung sehr viele, das ist ein Erfolg!”

El País

soitu.es

Webseite von Lynce

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