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23. März 2017
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  Eine Nacht in Malasaña
 
 
 
Corinna W.
Studium der Politikwissenschaft und Philosophie abgeschlossen. Glücklich in Madrid gelandet.


Hochburg des (heutzutage verbotenen) Botellón und der Madrider Jugend- und Alternativkultur kam 2007 Malasaña auch in Deutschland und Österreich in die Nachrichten, als sich die Jugendlichen Schlachten mit der Polizei lieferten. Grund dafür war die Durchsetzung des öffentlichen Trinkverbots, gegen das sich die Botellón-AnhängerInnen wehrten. Die Behörden antworteten mit verstärktem Polizeiangebot und Überwachung, zum Teil auch mit Schlagstöcken und Tränengas.

(Corinna W.) -

Die Tupperware-Bar: Wer auf Indie-Rock und poppiges Styling steht, ist hier an der richtigen Adresse.

Hort des Widerstands und gelebter Alternativkultur war Malasaña auch schon in den 80er Jahren, als Zentrum der Movida Madrileña. Seither hat Malasaña jedoch eine erhebliche Kommerzialisierung erfahren und besticht heute vermehrt durch Trendiness und hippes Auftreten. Nichtsdestotrotz ist Malasaña nach wie vor eines der aufregendsten Ausgehviertel der Stadt, wo vor allem jene die genug vom spanischen Pop haben und sich nach Indie-Sounds sehnen auf ihre Kosten kommen.
Die Nacht beginnt klassisch, zumindest nach Malasañschen Parametern. Zu faul um die eigenen Kochkünste anzukurbeln und zu knapp bei Kasse, um in einem italienischen Restaurants am Plaza Dos de Mayo essen zu gehen, fällt die Wahl auf La Vita é Bella, ein italienischer “Take-Away” am Plaza de San Ildefonso 5. Neben dem klassischen Angebot an Pizza, Pasta und Lasagne gibt es die ausgezeichneten bolitas, rausgebackene Kugeln aus Reis, gefüllt mit Mozarella, Faschiertem und Tomaten, die unbedingt zu empfehlen sind und um 2,5 pro Stück auch leicht erschwinglich sind.
Ausgestattet mit Reiskugel und Mahou geselle ich mich zu den anderen am Platz sitzenden Jugendlichen und beobachte das vorbeiziehende hippe Jungvolk. Mehr oder weniger pünktlich trifft meine Nachtgefährtin ein und wir gehen in eine der Bars um die Ecke, welche untertags vor allem von älteren Männern besucht wird und in der sich gegen Nachts allerlei Frikis und Mini-Liebhaber tummeln, da die Spezialität des Hauses Minis aller Art sind. Bei 25 gelehrten Minis gibt es eine Tortilla gratis, wir geben jedoch nach 2 Minis w.o.
Corinna W. Auf Empfehlung eines Freundes steuern wir die Bar Garaje Sonico (Calle de San Andrés 12) an, die gleich neben dem Plaza Dos de Mayo gelegen ist. Die kleine Eingangstür täuscht, da sich dahinter eine, gemessen an Madrider Verhältnissen, relativ grosse Bar befindet, vollgepostert mit Plakaten von Iggy Pop bis Rolling Stones. Während im vorderen Saal Rockklassiker von The Clash bis zu Sex Pistols hören zu sind, klingen im Sala 2 die neuesten Indie-Hits. Donnerstags gibt es ausserdem 2x1 copas bis 23:30, ein Angebot, das wir leider aufgrund der fortgeschrittenen Stunde nicht mehr wahrnehmen konnten. Ein wenig poppiger, kitschiger und gedrängter hatten wir es bei unserem nächsten Stopp im Tupperware (Calle Corredera Alta de San Pablo 26). Dieses ist mit Sicherheit eines der populärsten Lokale Malasañas mit einer der originellsten Innenausstattungen. Obwohl eigentlich nur ein Freund abgeholt werden sollte, blieben wir in Bar-Gesprächen und auf den Indie-Pop-Klängen hängen. Gehen mussten wir dann trotzdem als die Bar gegen halb Vier zusperrte.
3:30 ist eine magische Uhrzeit in Malasaña, da um diese Zeit die Bars –per Gesetz- schliessen müssen und das Malasañer Partyvolk sich auf der Straße wiedertrifft, um in einen der Clubs weiterzuziehen oder den Heimweg anzusteuern. Dies ist auch die Stunde der “chinos”, die auf ihren Ständen aus Pappkarton die Hungrigen und Dürstigen mit Bocadillos, Mahou oder Coca Cola versorgen.
Corinna W. Da unser Freund ein alter Bekannter der Besitzerin des Ya’sta (Calle de Valverde 10) ist, schliessen wir uns ihm an und hoffen auf ermäßigten Eintritt. Vorbei an den Schlangen, die sich um die Eingangstüren der Clubs bilden, kommen wir nach zäher Verhandlung, vorbei an den muskulösen, streng schauenden Türstehern, im Ya´sta an. Eine schon fast 25-jährige Institution im Madrider Nachtleben , die ihren Ursprung in der Movida Madrileña fand, zählt das Ya´sta zu den interessantesten und gleichzeitig “unschickesten” Adressen der Stadt. Musikalisch waren bzw. sind je nach Epoche und Wochentag fast alle Musikstile zu finden, dem Samstag wird Techno gewidmet. Um 6 Uhr werden die Türen geschlossen, die besonders Mutigen suchen einen der Afters auf, wir jedoch begnügen uns mit Bocadillo und Coca Cola, um unsere letzten Kräfte für den Heimweg zu mobilisieren.

Corinna W.
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  1 Kommentar / 1 Nachricht.
  Eine Nacht in Malasaña
  4. November 2009 12:37, von Jakob
  -

Wenn die Botellones auf den Plazas von Malasaña mal wieder von der Polizei aufgelöst wurden, bietet sich das Palentino in der Calle del Pez 12 zum günstigen Vorglühen an. Hier kriegt man z.B. eine Copa Gin Tonic für drei Euro. Nur an das Licht und die Spiegel muss man sich anfangs gewöhnen, vermutlich ist keine Bar in Madrid so hell erleuchtet wie das Palentino.

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