Werbung Madrid
26. Mai 2017
Ihre Zeitung Aktuelles aus Spanien Wissenswertes
  Stefan Schmitz: Deutsches Kino in Madrid
 
 
 
Corinna W.
Studium der Politikwissenschaft und Philosophie abgeschlossen. Glücklich in Madrid gelandet.


Stefan Schmitz ist Repräsentant von German Films in Spanien und einer der Koordinatoren des Festival Cine de Alemán, das heuer bereits zum 11. Mal stattfindet und deutsches Kino dem spanischen Publikum näher bringen will. Was für ihn typisch deutsche Filme sind, welche Ziele das Festival verfolgt und wer sein spanischer Lieblingsregisseur ist, erzählt er im Interview.

(Corinna W.) -

Stefan Schmitz bei der Pressekonferenz zur Eröffnung des Festival de Cine Alemán

Das Festival del Cine Alemán findet heuer bereits zum 11. Mal statt. Hast du Veränderungen in der Rezeption des deutschen Kino in Spanien in den letzten Jahren wahrgenommen?

Ja, also es gibt immer mehr deutsche Filme, die nach Spanien kommen, es gibt immer mehr deutsche Filme, die ihn Spanien erfolgreich sind und deshalb immer mehr wiedererkennbare Gesichter, die dazu führen, dass Spanier in deutsche Filme gehen. Ob Filme erfolgreich sind oder nicht, hängt ja nur zum Teil mit der wirklichen Qualität des Films zusammen, sondern zu einem großen Teil damit, ob man den Regisseur oder Schauspieler wiedererkennt. Und das hat dazu geführt, dass wenn in den letzten Jahren Filme herauskamen von Wolfgang Becker, Fatih Akin oder Oliver Hirschbiegel, die Zuschauer und Presse diese Leute wiedererkennen und das ist Teil des Filmlebens.

Was sind die Ziele des Festivals?

Das Ziel ist deutsches Kino in Spanien bekannt zu machen Das ist ja bei Autorenkino im Allgemeinen so, dass es extrem schwierig ist, darüber zu reden, weil es keine Referenz gibt, man kennt die Schauspieler oder Regisseure nicht. Diese Schwelle zu überwinden, hilft das Festival, denn wir bringen die Leute her, wir sorgen dafür, dass darüber geschrieben wird. Ein weiteres Ziel des Festivals ist deutsche Filme an Verleihfirmen zu verkaufen, was auch schon passiert ist. Es gibt wirklich seit dem ersten Festival eine ganz klare Tendenz dahin, dass Spanier mehr und lieber deutsches Kino sehen.

Das Publikum am Festival setzt sich vor allem aus Spaniern zusammen?

Also die Zahlen sind immer ungefähr dieselben. Sie schwanken, je nachdem ob Fußball oder Königshochzeit ist zwischen 4 800 im schlechtesten Jahr und 6 200 Zuschauer im letzten Jahr. Natürlich ist der Anteil von Deutschsprachigen hoch, aber ich würde sagen nicht über 20-25%.

Gibt es für dich Unterschiede zwischen deutschem und spanischem Kino?

Ja, gigantische, aber je nach Film, den du gerade anschaust. Es gibt einen typisch spanischen und es gibt einen typisch deutschen Film. Und dann gibt es Filme, die sind europaweit auswertbar. Ein Film wie Hilde hat ein typisch deutsches Thema, aber eine sehr universelle Geschichte. Es geht darum, was Erfolg bedeutet, wie man sich selbst findet und wie wichtig Erfolg ist. Das ist für einen Spanier genauso wie für einen Deutschen. Und dann gibt es Filme, wie zum Beispiel “Schattenwelt”, der ist wahnsinnig deutsch, nicht nur vom Thema her -es geht um deutschen Terrorismus- sondern auch der Erzählstil ist wahnsinnig deutsch, sehr langsam erzählt und sehr wortkarg. Da kann man schon eine deutsche Schule wiedererkennen, die sehr sparsam ist in der Erzählform, aber natürlich gibt es auch spanische Regisseure, die so arbeiten. Die Klischees sind letztendlich nicht so wichtig. Irgendwer hat mal gesagt: Je lokaler ein Film ist, desto internationaler wird er. Das heißt je authentischer und ehrlicher du eine Geschichte erzählst, umso interessanter wird er auch in anderen Ländern.

Nach welchen Kriterien werden die Filme für das Festival ausgewählt?

Das macht eine unabhängige Jury. Wir möchten, dass wichtige deutsche Filme gezeigt werden und schlagen Filme vor, die ihn Deutschland Preise gewonnen haben oder gut funktioniert haben. Heuer haben wir 45 Filme vorgeschlagen, aus denen dann sieben ausgewählt wurden. Die Regel ist allerdings, dass diese Filme noch nicht verkauft sind, sie dürfen noch keinen spanischen Verleiher haben. Das Problem ist, dass viele der besten deutschen Filme bereits verkauft sind oder auf große Festivals gehen. Das heißt die ganz großen Knüller des Jahres wirst du hier nicht sehen.

Hast du irgendeine besondere Empfehlung für die gezeigten Filme?

Ich find richtig superklasse, “Im Winter ein Jahr”. Mir gefällt auch “Hilde” sehr gut. Ich bin auch sehr gespannt auf die Reaktionen von “Dr. Alemán”. Die wenigen Spanier, die den gesehen haben, fanden ihn klasse, die wenigen Deutschen, die ihn gesehen haben, fanden ihn nicht sehr gut.

Und dein spanischer Lieblingsregisseur? Hast du einen?

Ja, hab ich. Meine spanischen Lieblingsregisseure sind Julio Medem und Isabelle Coixet, die jetzt beide einen neuen Film rausgebracht haben. Auf die bin ich schon sehr gespannt.

Danke für das Gespräch.

Homepage des Festival de Cine Alemán

Corinna W.
Kommentar hinzufügen
Kommentar hinzufügen
In der gleichen Rubrik
Stephan Büttner: Neuer Pfarrer der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde (14.10.2009)
Daniela: Berufsausbildung in Madrid (8.07.2009)
Hannes Stöhr, Filmregisseur: Techno rockt! (9.06.2009)
Stefan Schmitz: Deutsches Kino in Madrid (4.06.2009)
Wilde Hilde - Interview mit Kai Wessel (3.06.2009)
[Portraits]
Neueste Artikel
"Lebendiger Treffpunkt im Zentrum Madrids" (21.12.2010)
Wenn spanische Funken sprühen...! (21.12.2010)
La Oreja de van Gogh (21.12.2010)
Héroes del Silencio (1984 – 1996) (14.10.2010)
Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 80 bis 100 Minuten - Basketball in Spanien (27.09.2010)
[Startseite]
Sección en español
[Sección en español]

Impressum
Redakteur werden
Editorial
Kommentare
Fotos
Plaza 2 de Mayo Erholung im Retiro
Der Plaza Olavide Terrasse an der Calle Huertas
Videos
Die Straßen von Madrid
Tarife Werbung
Werbung




Startseite | Kleinanzeigen | Kontakt | Teilnahme an der Zeitung | Werbung

Copyright 2007-2017 MadriderZeitung.