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26. Mai 2017
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  Wilde Hilde - Interview mit Kai Wessel
 
 
 
Corinna W.
Studium der Politikwissenschaft und Philosophie abgeschlossen. Glücklich in Madrid gelandet.


"Hilde", die biografische Verfilmung des Lebens Hildegard Knefs ist Eröffnungsfilm des diesjährigen Festival de Cine Alemán, das von 2. bis 6. Juni in Madrid stattfindet. Am Tag vor der Premiere sprach Kai Wessel, der Regisseur des Films, über deutsches Kino, neue Pläne und was Hildegard Knef außergewöhnlich machte.

(Corinna W.) -

Kai Wessel in Madrid vor der Premiere

Ist es das erste Mal für sie, dass sie ihre Arbeit in Spanien präsentieren?

Ja, das ist Premiere für mich. Weltpremiere von HilIde war auf der Berlinale, der Film läuft auch in den Benelux-Ländern. Ich weiß also noch nicht, wie die Reaktionen des spanischen Publikums sein werden, bisher lief er ja noch nicht. Hildegard Knef ist ja hier nicht so bekannt, weshalb der Film auch viel neutraler angesehen wird als in Deutschland, wo jeder ganz viel über Hildegard Knef weiß oder glaubt, viel zu wissen oder mal ihren Namen gehört hat oder vielleicht einmal ein Lied von ihr.

Das Leben Hildegard Knefs und ihre Musik hängt ja stark mit der deutschen Nachkriegsgesellschaft und deutscher Geschichte zusammen. Dies hat ja auch zum Erfolg in Deutschland beigetragen. Dieser Kontext fehlt dem spanischen Zuschauer vollkommen. Kann so ein Film in Spanien (oder einem anderen Land) funktionieren?

Das weiß ich auch nicht. Der Zuschauer hier steht dem Film aber sicher distanzierter bzw. neutraler gegenüber. Die Identifizierung mit Hildegard Knef, die Konfrontation mit der deutschen Geschichte, die persönliche Betroffenheit, das fällt hier alles weg. Es gibt weniger oder kein Gefühl für deutsche Geschichte. Diesen Vorschuss, diesen Bonus gibt es hier also nicht. Kein Bonus aber auch keine Malus.

Wieso ist der Film für Spanier trotzdem interessant?

Das weiß ich nicht. Das Festival wollte den Film als Eröffnungsfilm. Ich kann das bisher nur beurteilen über die Reaktionen die wir aus Amerika bekommen haben, wo sie ja auch weitaus weniger bekannt ist. Dort wurde sie jedoch nicht so sehr über ihre Filme bekannt, als über ihr Buch,“Der geschenkte Gaul”, das sie 1970 herausbrachte und mit dem sie sogar die Bestseller-Listen in Amerika anführte. Gerade im Umkreis von L.A., durch ihren kritischen Blick auf die künstliche Hollywood-Welt hat sie noch einen bestimmten Bekanntheitsgrad.. Die Reaktionen in Amerika auf den Film waren bisher durchwegs positiv.

Und was macht Hildegard Knef besonders interessant für Sie?

Nun, sie war eine interessante Künstlerin und eine sehr selbstbewusste Frau, die viele Dinge an die Öffentlichkeit trug und sich damit auch viele Gegner schaffte. Sie brachte zum Beispiel als eine der ersten das Thema Brustkreis an die Öffentlichkeit und hat damit Dinge durchaus ins Rollen gebracht. Wir wollten sie aber auch nicht als Mutter Theresa zeigen, sie hat durchaus ihre Mankos gehabt und war bei Weitem keine Heilige. Sie war eine sehr widersprüchliche, vielschichtige Persönlichkei und führte ein sehr reichhaltiges Leben.

Sie haben für den Film ja mit ihren drei Ehemännern und ihrer Tochter zusammengearbeitet?

Ja das stimmt, das habe ich. Man kann viel über sie und viel von ihr lesen. Die Frage ist, wer steht denn nun hinter diesen Worten, das macht das Ganze dann interessant. Da war es sehr hilfreich mit ihren Ehemännern zusammenarbeiten zu können. Sie haben den Film auch unterstützt und auch ihre Tochter war mit dem Ergebnis zufrieden.

Der Film spielt auf einem deutschen Kino-Festival. Was ist das Spezifische am deutschen Kino und würden sie sagen, dass der Film in diesem Sinne "typisch deutsch" ist?

Das weiß ich nicht, aber ich glaube nicht, dass Hildegard Knef typisch deutsch ist. Eine Frau, die sehr selbstbewusst war, ihre Gefühle und Bedürfnisse offen ausgedrückt hat und teilweise “über Leichen gegangen ist”, war nicht typisch für ihre Zeit. Das war für die damalige Zeit nicht typisch deutsch, da wurden andere Dinge von Frauen erwartet und mit dieser Rolle hat sie gebrochen. Deshalb ist sie auch überall angeeckt. Gerade das macht sie so interessant.

Wenn sie die Möglichkeit hätten den Film noch einmal zu drehen, würde das Ergebnis das Gleiche sein?

Im Großen und Ganzen würde ich sagen Ja. Es gibt zwei Grundmöglichkeiten bei einer biografischen Verfilmung, entweder mittels eines kleinen Ausschnitts den Kern zu treffen oder eine wirklich lange Zeitspanne zu zeigen. Wir haben uns für zweiteres entschieden und ich denke, hoffe, dass wir es richtig gemacht haben.

Und schon Pläne für den nächsten Film?

Ja ich bin gerade in Vorbereitung. Es ist ein Kammerspiel, ein Buch einer Autorin mit der ich schon sehr viel gemacht habe. Es geht um Familie, um Menschen, die im normalen Leben nicht zusammen passen und sich nie verabreden würden, die aber durch die Familie zusammengeschweisst sind. Die nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander können. Die normale Familie eben.

Danke für das Gespräch.

Festival de Cine Alemán

Corinna W.
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