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24. Juni 2017
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  Ein wortgewaltiger Abend - Poetry Slam in Madrid
 
 
 
Corinna W.
Studium der Politikwissenschaft und Philosophie abgeschlossen. Glücklich in Madrid gelandet.


Am 27. Mai 2009 war es wieder soweit. Die Poetry-Slammer Madrids trafen sich zum fünften Mal im Café Libertad 8, um mit ihren Texten um die Gunst des Publikums zu eifern.

(www.flickr.com - Poetry Slam Madrid) -

Die TeilnehmerInnen des Poetry Slam im April 2009 im Libertad 8.

Nachdem der Vorsatz bereits letzten Monat vorhanden war, sollte er diesmal auch umgesetzt werden. So fiel die Wahl an diesem Abend auf das Café Libertad, um selbst Zeugin der Slammer-Szene Madrids zu werden.
Eingeschüchtert von möglichen Eintrittspreisen und überteuerten Cañas durch meine Begleiterinnen kam gleich zu Beginn des Abends die erste positive Überraschung: Eintritt frei! Und auch die Bierpreise waren mit 2,80 Euro angesichts der Größe der cañas, die locker als doppelte durchgehen, moderat.

Bier zur poetischen Einstimmung
Eine Viertel Stunde vor dem angekündigten Beginn, der 21:30 lautete, war das Lokal bereits gut besucht. Plätze waren jedoch noch ausreichend vorhanden. Hat man sich einmal durch den klassischen Barbereich im vorderen Teil des Lokals gekämpft, gelangt man zum eigentlichen Herzen des Libertad 8. Ein kleiner Saal, mit einer noch kleineren Bühne, umgeben von mittelgroßen, dunkelbraunen Holztischen. Dieser beherbergte zur Zeit Francos linke und intellektuelle Gruppierungen, die antifaschistische Ideen diskutierten, bevor es sich 1975 in eine offizielle Bar verwandelte. Wenn auch der anarchistische Charme weitgehend verloren ging und das Libertad 8 heute nicht mehr ganz so weit vom Mainstream entfernt ist, so hat es doch seinen intellektuellen und intimen Touch behalten. Die vom Goethe-Institut in Madrid (mit)organisierten Poetry Slams finden sich somit in einem für sie durchaus angemessenen Ambiente wieder.
Dass hinter den Poetry Slams ein deutscher Veranstalter steht, war im Übrigen auch am großteils deutsch-spanischsprachigen Publikum zu erkennen, das sich mit Bier und Tortilla-Bestellungen zum Leidwesen der hin und her hetzenden Kellnerin nicht zurückhielt. Für Madrider Verhältnisse relativ pünktlich begann auch das Programm (böse Zungen mögen auch hier die deutsche Organisation vermuten).

Stimme, Mikro und drei Minuten
Die Regeln des Poetry Slams sind schnell erklärt. Sechs Kandidaten tragen vor Publikum eigene Texte (meist in Spanisch) vor, wofür sie pro Runde drei Minuten Zeit haben. Hilfsmittel, sind, außer Mikro und ein Blatt Papier, keine erlaubt. Gesungen darf allerdings nicht werden, Körper- und Stimmeinsatz sind jedoch erwünscht. Über die Qualität und Gefallen des Gehörten entscheidet das Publikum, das am Ende den oder die GewinnerIn ermittelt. Die darauffolgenden eineinhalb Stunden boten originelle, lustige und sozialkritische Unterhaltung. Dies in Form von Liebesgeständnissen, im Freestyle-Stil, imaginierten Dialogen zwischen dem Papst und Darwin, schüttelreimartigen Wortschwallen oder erotischen Offenbarungen (letztere wären mir persönlich lieber unbekannt geblieben). Die eingeladene Gast-Slammerin war diesmal die aus Tschechien stammende Bio Masa. Obwohl sie einen großen Teil ihrer Performance in Tschechisch vortrug, konnte sie durch expressive Mimik und Körpereinsatz überzeugen, wodurch sprachliche Barrieren in den Hintergrund rückten.

Rauf auf die Bühne!
Als besonderes Plus ist auch noch die Möglichkeit des spontanen Slammens zu erwähnen. So wurde zwischen den beiden offiziellen Runden auch das Publikum aufgefordert, die Slam-Bühne zu betreten und spontan oder vorbereitet Texte zum Besten zu geben.
Alles in allem ein inspirierender und berauschender Abend, der zwar den Kopf herausforderte, aber den Geldbeutel -trotz der bösen Prognosen der Freundinnen- schonte. Der nächste Poetry Slam findet den VeranstalterInnen zufolge erst wieder nach der Sommerpause statt. FreundInnen der Wort- und Sprachspiele, DichterInnen, Literaturbesessene und Neugierige sollten sich dies nicht entgehen lassen. Zeit zum Üben gibt es jetzt auch ausreichend.

Mehr Info und Anmeldungsmodalitäten auf der Homepage des
Goethe-Institut Madrid

Café Libertad 8

Corinna W.
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