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28. Juni 2017
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  Immer eine Reise wert: Semana Santa in Sevilla
 
 
 
Linda Fischer
Während meines Studiums "Medien und Kommunikation" zog es mich 2007 nach Spanien. Nach dem Bachelor war es dann abermals Zeit meine Koffer zu (...)


Jeder Spanier sagt es: Die Semana Santa sei das bedeutendste Fest in ganz Spanien. Vor allem in Andalusien wird die Osterwoche gefeiert, wie nirgends sonst auf der Welt. Zwar hat sich die Semana Santa von Spanien aus bis nach Hispanoamerika verbreitet, allerdings gelten die Prozessionen in Sevilla als die größten, traditionellsten und prachtvollsten überhaupt.

(flickr.com/Alper Çuğun) -

So ein "paso" kann schon mal mehrere Tonnen wiegen

Während der Semana Santa scheinen die Spanier keinen Schlaf zu brauchen. Ob aufgeputscht von dem Weihrauch-Schleier, der die ganze Woche über der Stadt hängt und sich mit dem Duft der Orangenbäume mischt, oder einfach aufgrund des Enthusiasmus’, werden die Nächte zum Tag gemacht und zu keinem Zeitpunkt bleibt es leer auf den Straßen. Wer allerdings glaubt, dass Ostern eine einzige wilde Party sei, der sollte seinen Horizont etwas erweitern. Natürlich feiern die Spanier, aber anders, als der ein oder andere vielleicht erwartet. Schließlich wird mit diesem Fest an das Leid, den Tod und die Auferstehung von Jesus Christus gedacht und ist daher geprägt von Religiösität und Traditionen, die sich aber durchaus mit dem modernen Spanien vermischen. Ursprünglich wollte die katholische Kirche mit den Prozessionen im 16. Jhd. die Passion Christi der Bevölkerung näher bringen.

Nichts für schwache Kerle

Rund 60 Festzüge gibt es während der Karwoche in Andalusiens Hauptstadt, die mit bis zu 116 "Pasos" begleitet werden. Dabei handelt es sich um Altarbühnen, die figürlich die verschiedenen Stationen des Kreuzzuges Christi darstellen. Sie sind geschmückt mit Statuen, weißen Nelken und Kerzen und wiegen schon mal mehrere Tonnen. Daher braucht es auch starke Männer, die nicht gleich unter dem Gewicht zusammenbrechen. Sogenannte "Costaleros" tragen die pasos während der Prozessionen auf ihren Schultern. Begleitet werden sie von den Büßern, den "Nazarenos". Mit ihren spitzen Kapuzen und den Schlitzen für die Augen, erinnern sie zwar auf den ersten Blick eher an Mitglieder des Ku-Klux-Klans, jedoch haben beide nun wirklich nichts gemeinsam. Die Spitzhauben dienten damals der Anonymität der Büßer. Die Nazarenos sind meistens barfuß unterwegs und mit einer Kerze ausgestattet, markieren sie den zurückgelegten Weg mit Wachs. Sie alle gehören einer Bruderschaft (hermandad) an und bezahlen teilweise sogar dafür, einen paso zu tragen.

flickr.com/Alper Çuğun

Las Hermandades

Jede Bruderschaft ist für ihre eigene Altarbühne zuständig. Die "Macarena" ist die bekannteste religiöse Bruderschaft in Spanien und soll im Laufe der Jahre viele bekannte Persönlichkeiten, u.a. aus der spanischen Königsfamilie, als Mitglieder gehabt haben. Jedes Jahr, am Karfreitag um Mitternacht, startet die Macarena in Sevilla ihr Ritual, das schon mal etwas lauter und fröhlicher zugeht, als zum Beispiel das der Bruderschaft "El Silencio". Kein Wunder, schließlich bedeutet der Name wörtlich übersetzt auch "Das Schweigen". Ganz in schwarz gekleidet macht sich die älteste Bruderschaft Spaniens von der gotischen Kathedrale aus auf ihren Weg durch die Nacht.

Den krassen Gegensatz hierzu bietet der Anblick der großen Zigeunergruppen, die laut klatschend und jubelnd ihren Paso "El Cristo de los Gitanos" begrüßen. Anstatt der sonstigen Oboentöne begleitet Flamenco-Gesang die Prozession und Trompeten dröhnen durch die Nacht.

Neben den Trägern braucht jeder paso auch einen Lotsen, der die Richtung angibt. Die Träger der schweren Bilder verschwinden nämlich oft völlig unter langen Vorhängen, die nicht nur dafür sorgen, dass sie nicht gesehen werden, sondern auch sie selbst nichts sehen. Bei einer Dauer von bis zu vierzehn Stunden kann solch eine Prozession dann schon mal an die Substanz mancher Männer gehen. Klar, dass zwischendurch auch mal gegessen, getrunken und geraucht wird. Im Gegensatz zu anderen Ländern, wird in Andalusien während der Osterwoche alles andere als gefastet. Im Gegenteil: Gerade jetzt werden viele einheimische (meist süße) Spezialitäten aufgetischt.

Logisch, dass dieses Ereignis auch viele Touristen anzieht. Wer also vorhat, zu Ostern mal nach Sevilla bzw. Andalusien zu reisen, der sollte sich schon rechtzeitig um eine Unterkunft kümmern. Oder er macht es wie die Sevillanos und verzichtet auf Schlaf – schließlich ist nur einmal im Jahr Ostern.

La Semana Santa in Sevilla: http://www.guiasemanasanta.com/sevilla/es/
Linda Fischer
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