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19. September 2017
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  Auf Wiedersehen, Sardine!
 
 
 
Esther Spari
Von Berlin mit ERASMUS in den Süden Spaniens. Land und Leute ins Herz geschlossen, also noch ein Weilchen länger geblieben. Auf ging´s nach Madrid, (...)


Der Madrider Karneval fand mit einer Beerdigung sein Ende.

Gestern Abend, Aschermittwoch, trafen sich die Trauernden an der Glorietta de San Antonio de la Florida, nahe der Station Príncipe Pio, um sich von ihrer Sardine zu verabschieden und sie "zu Grabe zu tragen".

(Esther Spari) -

Sardinen sind mehr als nur Fisch aus der Konservendose.

Drei Gründe sind mir eingefallen, warum man an dieser Feier teilnehmen würde.

Nummer eins: man hat noch nicht genug von Karneval. Bei einigen Kindern, die in Spiderman - und Bienenkostümen mit ihren Trillerpfeifen durch die Gegend hüpfen, dürfte dies zutreffen. Aber auch Erwachsene scheinen sich an der Seite stehend und dem Marsch nachblickend zu amüsieren.

Zweitens, man ist Mitglied der "Cofradia". Da ist Teilnahme nicht Pflicht, sondern Tradition und man trägt diese gerne weiter. Ältere Herren, Damen mit Kopftüchern und sogar Menschen in meinem Alter flanieren gefasst, aber in schwarzer Trauerkleidung, über die Puente Victoria in Richtung Glorietta Puerta Morera. Eine Mischung aus Amüsement und Schauspiel kann man in ihren Gesichtern lesen, von Langeweile keine Spur.

Esther Spari

Darin resultiert dafür Grund Nr.3, aus welchem ich anwesend bin: der Versuch, ein wenig eigensinnige, spanische Tradition zu "erfassen". Einige Reporter, Fotografen und Kameramänner verfolgen das Spektakel oder stehen stirnrunzelnd am Wegrand. Für eine Weile folge ich dem Trauermarsch, knipse Fotos, suche den Sardinensarg. Die rhytmische Orchestermusik hält mein Interesse - allerdings nicht sehr lange. Eigentlich hatte ich mich ja auf eine dieser gigantischen Prozessionen eingestellt, mit grossen Umzugwägen und Konfettiregen. Vielleicht etwas unpassend, zu einem Anlass wie diesem?

Was ich sehe erinnert eher an einen Nachbarschaftsverein: man scheint sich gegenseitig zu kennen und hat mit Freunden und Bekannten seinen Spass. Nicht halb so viel Tamtam, dafür umso angenehmer für Karnevalsmuffel wie meinesgleichen. Der Tradition zuliebe läuft zumindest ein Mann mit Frack und Zylinderhut durch die Reihen und verteilt Süssigkeiten an die Jüngsten. Nicht alle von ihnen wollten sich zum hundertsten Mal in Indianerrobe präsentieren, und haben auch ihre Tröte zu Hause gelassen. Wahrscheinlich halten sie nach der Hüpfburg Ausschau.

Esther Spari

Die Sardine habe ich bis heute morgen nicht zu Gesicht bekommen: da war sie in der Zeitung abgebildet, schwarz-gekleidet in einem Sarg in rosa-violettem Farbton. Der Bürgermeister hatte wohl die Trauerrede gehalten. Das habe ich verpasst. Aber macht ja nichts. Die Sardine ruht in Frieden, im nächsten Jahr sieht man sich wieder - und alle Karnevalsfreunde, Nachbarn und Kameramänner sind eingeladen.

Foto-Reportage: El Entierro de la Sardina

Mehr Infos zur Entstehung des Festes

Esther Spari
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