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17. Oktober 2017
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  Esquerra Republicana de Catalunya: die Katalanischen Linksnationalisten
 
 
 
Anna-Maria Schuster
Kurz und schmerzlos: Studentin aus Muenchen mit Hang zur minimalistischen Schreibe! Besser ist weniger, weniger kompliziert!


Spanien ist ein Land mit vielen Gesichtern. Die lokalen Differenzen spiegeln sich auch in der Parteienlandschaft wider. Eine bedeutende Rolle kommt dabei den regionalen Parteien zu.

(Quelle:http://www.esquerra.cat/) -

Der 25. Nationalkongress im Juli 2008

Die Esquerra Republicana de Catalunya, kurz ERC, ist die Partei der Katalanischen Linksnationalisten. In ihrer Stammregion Katalonien vereint die Partei bei Parlamentswahlen regelmäßig 15 Prozent der Stimmen auf sich. Die ERC ist in Katalonien an einer Regierungskoalition mit den katalanischen Sozialisten, der Partit dels Socialistes de Catalunya (PSC), und den katalanischen Grünen, der Iniciativa per Catalunya Verds (ICV), beteiligt.

Junge Partei mit alten Zielen

Die ERC ging 1931 aus dem Zusammenschluss der Parteien Partit Republicà Català, L’Opinió und Estat Català hervor. Noch im selben Jahr gewann sie die katalanischen Wahlen, woraufhin der Parteivorsitzende Francesc Macià i Llussà die unabhängige katalanische Republik ausrief. Allerdings mussten sich die Katalanen mit einem Autonomiestatut begnügen. Drei Jahre später versuchte Maciàs Nachfolger, Lluís Companys i Jover erneut die Unabhängigkeit der Region zu erklären. Daraufhin wurde die katalanische Regierung abgesetzt und Companys vorerst verhaftet. 1936 unterstützte die Partei bei den nationalen Parlamentswahlen die linke Frente Popular. In Katalonien gewann sie wiederum die Wahlen und Companys wurde erneut katalanischer Präsident. Zur Zeit des Franco-Regimes wurde die Partei, wie die meisten anderen auch, verboten. Companys floh daraufhin gegen Ende des Bürgerkrieges nach Frankreich, wurde dort aber von der deutschen Besatzungsmacht gefangen genommen, ausgeliefert und Anfang 1940 hingerichtet. Die ERC wurde nach Francos Tod, im Zuge der Demokratisierung Spaniens, wieder zugelassen.

Programm

Auf dem 21. Parteikongress 1996 hat sich die ERC ein neues Programm gegeben. Allerdings blieben zum größten Teil die bisherigen Grundpfeiler erhalten. So zählt vor allem die Schaffung eines unabhängigen Katalanischen Staates nach wie vor zum Hauptziel der Partei. Gefolgt von Forderungen nach einem hohen Lebensstandard, die Etablierung eines Mindesteinkommens und die Verteidigung von Menschen- und Bürgerrechten.

Die Köpfe dahinter

Lluís Companys y Jove ist 1882 in El Tarròs, Katalonien geboren. Er studierte Rechtswissenschaften an der Universität in Barcelona. Ab 1906 beteiligte er sich an Bewegungen, die für die Autonomie Kataloniens eintraten. Während der Diktatur von Primo de Rivera (1923-1932) war er Chefredakteur der Zeitschrift La Terra. 1931 wurde er Bürgermeister Barcelonas und zog noch im gleichen Jahr ins spanische Parlament ein, wo er als Fraktionsvorsitzender für die ERC Stellung bezog. 1933 wurde er zum Marineminister ernannt. Noch im gleichen Jahr wurde er zum Präsident der Region Katalonien. In dieser Position setzte er sich dafür ein, dass Landarbeiter Arbeitsverträge erhalten. Das führte zu heftigen Streitigkeiten mit den Großgrundbesitzern. 1934 rief er die unabhängige Republik Katalonien aus, nachdem die rechtskonservative Confederación Española de Derechas Autónomas (CEDA) in die Nationalregierung eingetreten war. Daraufhin wurde die Regierung entlassen und Companys zu 30 Jahren Haft verurteilt. Im Laufe seines Lebens ist er wegen seines politischen Engagements insgesamt 15 Mal verhaftet und in Gefängnissen eingesperrt worden. Nachdem Franco in den darauf folgenden Jahren auch Barcelona eingenommen hatte, floh er nach Paris. 1940 wurde er dort von der Gestapo verhaftet und an Spanien ausgeliefert. In Barcelona wurde er von einem Schnellgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet. Nach ihm wurde das Olympiastadion in Barcelona benannt.

Der heutige Parteivorsitzende der ERC ist Joan Puigcercós. Er ist in Ripollèlles in Katalonien geboren und hat an der Universität in Barcelona Philosophie, Literatur und Politikwissenschaft studiert. Zwischen 1983 und 1985 war er Mitglied der Independentistes del Països Catalans (IPC). 1987 trat er der ERC bei und wurde 1996 Vizegeneralsekretär. Auf dem 24. Parteikongress wurde er zum Generalsekretär ernannt. Seit Juni diesen Jahres ist er Parteivorsitzender.

Joan Ridao ist aktueller Generalsekretär der ERC. Er ist in Rubí, Katalonien geboren und hat an der Universität in Barcelona Politikwissenschaft studiert. Danach war er jahrelang als Professor für Recht und Verfassungsrecht an den Universitäten in Barcelona und Rovira y Virgili in Sevilla tätig. 1988 trat er der ERC bei. Von 1995 bis 2008 war er Abgeordneter im Katalonischen Parlament. Seit 2004 ist er zudem Fraktionssprecher.

Aktuelle Politik

Die regional verankerte Partei hat seit dem Jahr 2006 einige Krisen durchmachen müssen. 2003 konnte sich die ERC in Katalonien mit mehr als 16 Prozent aller Stimmen zur drittstärksten Partei etablieren. Zusammen mit der PSC und IVC bildete sie die Regierung. Seitdem muss die Partei allerdings einen Rutsch nach unten verkraften. Aufgrund mehrerer polemischer Debatten bezüglich der geringen Wertschätzung des Katalanischen Staates hat die ERC die Regierung im Mai 2006 verlassen. Die Neuwahlen führten allerdings zur gleichen Koalitionsbildung. Seit den nationalen Wahlen 2008 ist die Partei mit nur noch drei Sitzen im Parlament vertreten und bildet somit keine Fraktion mehr.

http://www.nationmaster.com/encyclo...

Auf spanisch: http://www.esquerra.cat/documents/f...

Auf katalanisch: http://www.esquerra.cat/

Anna-Maria Schuster
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