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18. August 2017
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  Strachliche Spolpersteine: Frases Hechas und Falsos Amigos
 
 
 
Justin Pietsch
Als Madrid-Beobachter aus Deutschland grübelt der ehemalige Erasmusstudent über Leben und Leute in der grossen Stadt.


Wer kennt sie nicht: Die peinlichen Situationen, in die man immer wieder durch sprachliche Missverständnisse gerät. Ob eine falsch verstandene Redewendung oder eine schief übersetzte Vokabel - so etwas kann in einer Blamage enden. Wir zeigen, wie es zu den Missverständnissen kommt.

((c) Joujou / www.pixelio.de) -

Stolpersteine können schmerzen - auch verbal.

Die spanische Sprache ist reich an festen Redewendungen – für fast jede Lebenssituation existiert mindestens ein Spruch, der die Umstände treffend beschreibt. Natürlich klingen diese frases hechas häufig wenig originell und ziemlich abgenutzt, insbesondere dann, wenn sie allzu exzessiv verwendet werden. Dennoch sind sie fester Bestandteil der spanischen Alltagssprache und die Spanier benutzen sie ziemlich oft. Daher können sie für Deutsche schnell zum sprachlichen Stolperstein werden.

Hier ist Obacht geboten, denn diese Redewendungen dürfen fast nie wörtlich verstanden werden. Logisch, denn so ist es auch im Deutschen. Zum Beispiel die Redewendung “Ich bin ein gebranntes Kind”: Wer würde hier auf die Idee kommen, man sei aus Ton gebrannt oder gar als Kind Opfer eines Brandes gewesen? Eben. Niemand. Und genauso verhält es sich mit den spanischen Redewendungen.

Schlechte Milch und geldgierige Enten

Um zu verdeutlichen, über welche Redewendungen ahnungslose Deutsche im Laufe eines Tages stolpern können, schauen wir uns einen Tag im Leben von Karl an.

Karl ist deutscher Erasmus-Student und wohnt in einer Madrider WG. Er steht um acht Uhr morgens auf und geht in die Küche, um sich sein tägliches Müsli vorzubereiten. Dort trifft er auf seine spanische Mitbewohnerin Sara. Diese ist ein Morgenmuffel, und so teilt sie Karl mit: “Estoy de mala leche.” Karl wundert sich – muss er nun etwa auf sein Müsli verzichten, weil die Milch schlecht geworden ist? Nein, denn mit diesem Ausspruch hat Sara lediglich gesagt, sie habe schlechte Laune. Glück gehabt, Karl!

Mittags ist Karl mit ein paar Freunden in der Stadt verabredet. Dummerweise ist er etwas spät dran und vergisst, nach einem ausgiebigen Bad den Wasserhahn abzustellen. Als er spät am Abend nach Hause kommt, wartet Sara schon – de muy mala leche, denn das komplette Bad ist überschwemmt. “Tendrás que pagar el pato tú!” sagt Sara genervt und verdrückt sich in ihr Zimmer. Doch Karl ist leider nicht Carlos, und so ist er zunächst verwirrt: Von welcher Ente spricht seine Mitbewohnerin? Und wieso sollte er diese bezahlen? Doch Sara meint lediglich, Karl müsse das Chaos nun ausbaden, für das er verantwortlich ist. Er muss also einen Klempner bestellen und sich um die Schäden kümmern, die er verursacht hat. Pech gehabt, Karl.

Panzer und Hinterteile

Neben solchen Redewendungen beinhaltet die spanische Sprache ausserdem einige falsos amigos (Falsche Freunde) - Wörter also, die vermeintlich einfach ins Deutsche zu übersetzen sind, aber eine völlig andere Bedeutung haben als zunächst vermutet. “Tener una panza” zum Beispiel bedeutet nicht, im Besitz eines Panzers zu sein. Auch, wenn einige Männer lieber so einen Panzer besässen: Wenn man una panza hat, dann ist damit eine Wampe gemeint, ein ziemlich dicker Bauch.

Diese falschen Freunde sind gefährliche Feinde für unwissende Deutsche, die darauf bedacht sind, sich nicht zu blamieren. Denn in diese Falle der scheinbar offensichtlichen Übersetzungen tappt jeder irgendwann einmal – und sorgt damit für ausgelassene Heiterkeit unter den Spaniern.

So zum Beispiel Karl, der mit seinen Madrider Freunden im Corte Inglés eine neue Jeans für sich sucht. Er findet eine Hose, die ihm gefällt und probiert sie an, doch leider ist sie ihm am Hintern zu eng. Daher sagt er: “Me es demasiado estrecho al popó.” Seine Freunde können sich nicht zurückhalten und brechen in donnerndes Gelächter aus. “Carlos, ¡eres una hostia!” stöhnt Karls Freund Antonio unter Tränen. Das ist nicht verwunderlich, denn Karl hat soeben gesagt, die Hose sei im am Kot zu eng. Hintern heisst nämlich nicht popó, sondern nalgas oder, etwas ordinärer, culo. Als popó hingegen werden Exkremente bezeichnet.

Zum Glück hat Karl einen ausgeprägten Sinn für Humor, und so lacht er einfach mit. Aufpassen wird er in Zukunft trotzdem besser, wenn er Wörter oder Redewendungen benutzt, deren genaue Übersetzung er nicht kennt. Denn er will nicht dauerhaft als guiri (abschätzend für Tourist) gelten, der die Leute zum Lachen bringt. Daher kauft er sich ein Buch über falsos amigos und eines über frases hechas, um sich weiterzubilden. “Qué refinado soy”, denkt Karl sich. Nein, Karl – du bist kein Raffinade-Zucker, daher bist du allerhöchstens listo, aber nicht refinado!

Um es zum Carlos zu bringen, muss Karl noch viel lernen.


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