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26. März 2017
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  "Findet den Frosch"- Unterwegs in Salamanca
 
 
 
Katharina Bothe
Seit 2005 Studentin der Kulturwissenschaften an der Leuphana Lüneburg. Während des Erasmusaufenthaltes in Spanien Journalismusstudium an der (...)


"Salamanca ist meine Lieblingsstadt", schwärmt die Spanierin Laura. Vier Jahre lang hat die 27-jährige in der Universitätsstadt studiert, bevor sie aufgrund eines Arbeitsangebotes nach Madrid gezogen ist. Zwei Tage führt sie uns, eine Gruppe deutscher Studenten, durch den zum UNESCO- Weltkulturerbe zählenden Ort . Eine Reportage über einen kleinen Ausflug in eine spanische Stadt voller studentischem Lebens, Tradition und historischer Schmuckstücke.

(Katharina Bothe) -

Verzierte Skulpturen auf Sandsteinfassade: Das Hauptportal der Universität in Salamanca

Lackstiefel und Obelix-Kostüm

In Madrid in den Bus gestiegen, zweieinhalb Stunden gefahren und schon sind wir, das heisst acht deutsche Studenten und Laura, die Mitbewohnerin eines Mädchens aus der Gruppe, am Ziel: Salamanca! Vom Bahnhof aus machen wir uns auf dem Weg zum Hostal. Strasse hoch, links abgebogen, noch schnell einen starken Cafe con leche hinuntergekippt und nach zehn Minuten Fussweg sind wir da. Vor dem Eingang des Hostals kommt ein Männertrupp mit gelben T-Shirts angetorkelt. "Hola Guapas!", "Ey rubia!", rufen sie mit aufforderndem Blick und breitem Grinsen. Wir lachen, ja ja die Spanier, nach einem Jahr Studium in Madrid sind wir derartige Annäherungsversuche gewöhnt. Die Männer in unser Gruppe verdrehen genervt die Augen. Schnell rein ins Gebäude. Noch im Treppenhaus erklärt Laura auf Spanisch: "Das ist ein Junggesellenabschied, die gibt es hier in Salamanca sehr häufig." Sie sollte recht behalten. Später am Abend kommen wir in den Genuss eines Mannes im Transvestiten-Outfit mit rotem Tanga und schwarzen Lackstiefeln, umzingelt von seinen schadenfrohen Freunden mitten auf dem althistorischen Plaza Mayor- was für ein Kontrast! Am nächsten Morgen kugelte sich ein schwitzendes Opfer im Obelix-Kostüm unter der erbarmungslosen Sonne eine Gasse entlang, und die Sparziergänger schiessen Fotos.

Eine Studentenstadt par excellence

Aber das war erst am nächsten Morgen. Noch ist es Freitag, 21 Uhr und wir sind gerade im Hostal eingetroffen. Zwei Zimmer, Frauen und Männer getrennt. Schlüssel umgedreht und wir stehen in den Räumen. "Gar nicht schlecht für nur 15 Euro. Schaut her, richtige Betten wie in einem Hotel und sogar einen Balkon haben wir", staunt Nikola, Lauras Mitbewohnerin, die ihr erklärt: "Das ist eben nicht Madrid, sondern Salamanca, eine Studentenstadt und viel günstiger. Das wirst du später vor allem in den Bars und Restaurants merken." In Salamanca leben mehr als 40 000 Studenten. Als Universitätsstadt erleben wir sie besonders diesen Freitag Abend. Um 22.30 Uhr machen wir uns auf zum Zentrum. Auf den Strassen sehen wir viele junge Menschen in bester Feierlaune, die auf Spanisch oder anderen Sprachen plaudern. Touristen scheint es hier viele zu geben. Auf halber Strecke kommt uns ein junger Mann in einer Art Tracht, einem schwarzen Samtgewand ähnelnd, entgegen. Laura sieht meinen fragenden Blick. "Das ist ein Mitglied der Burschenschaft, einer studentischen Organisation. Davon wirst du hier viele sehen."

Jakobsmuscheln der Renaissance

Mittlerweile ist es ganz schön dunkel. Salamancas hellerleuchtete Gasse offenbaren viele alte und schöne Gebäude. Links sehen wir auf einmal ein beeindruckendes Bauwerk und Laura erklärt: "Dieser Palast gehört einer reichen Dame. Es ist ihre Sommerresidenz." Wir biegen links ein, gehen ein paar Schritte und unglaublich, wie beeindruckend: Muscheln an der Wand. "Die Casa de las Conchas, das Muschelhaus, so nennt sich dieses Gebäude. Seht her, die Verzierungen an der Fassade sehen aus wie Jakobsmuscheln." Die Casa de las Conchas stamme aus dem 15. Jahrhundert, fügt Laura später hinzu. Ich komme in Sight-Seeing- Stimmung.

Lomo und Tortilla

Doch Philipp aus der Gruppe nörgelt: "Ich habe Hunger, Sightseeing können wir doch auch noch morgen machen." Also ab gehts ins nächste Restaurante. Die Jungs bestellen mengenweise Fleisch, vor allem Lomo; wir geniessen ein Lachs und Tortilla. Es ist proppenvoll. An der Bar spülen junge Männer literweise Cerveza hinunter, an den Tischen verputzten die Studenten Berge von Essen. Die Stimmung ist ausgelassen, laut wird gelacht und geredet, die Kellner eilen vorbei und rufen sich in tiefen Stimmen etwas zu.

Elektromusik auf historischem Platz

Nach dem Essen gehen wir zum Plaza Mayor, dem Mittelpunkt Salamancas. Er gilt als einer der schönsten Plätze Spaniens. Mitten auf dem Platz ist eine Bühne aufgebaut: Ein Konzert. Menschenmassen bewegen sich zu House-Musik. "In Salamanca ist gerade Musikfestival", sagt Philipp und hält mir einen Flyer unter die Nase. Schon seltsam, denke ich; da steht man auf einem im 18. Jahrhundert erbauten Platz und hört neumoderne Elektromusik! Aber das hat was! Und da ist ja auch unser Transvestit, Junggesellenabschied Nummer Zwei. Wir bewegen uns noch ein wenig zur Musik und auf gehts, es ist 0:00 Uhr, in die erste urige Bar. An der Theke bestellen wir Minis, Bier aus 1-liter grossen Plastikbechern. Nach einer Stunde gehts weiter in die nächste Bar im angrenzenden Studentenviertel. Es wird getanzt und Copas getrunken. Eine Bar nach der anderen stürmen wir, was für ein Angebot bietet da Salamanca. Wir tanzen zu spanischem Pop, amerikanischem Rock und Elektromusik. Salamancas Bars spielen alles, was das Studentenherz begehrt. Bis in die frühen Morgenstunden wird gefeiert, getanzt und gelacht. Um 7 Uhr liegen wir schliesslich erschöpft in unseren Betten.

Storch auf goldenem Sandstein

Der Schlaf ist nur kurz. Bereits um 12 Uhr müssen wir das Zimmer räumen. "Jetzt gehen wir zum Hauptportal der Universität", sagt Laura nach dem Check-Out im Hostal. "Da habe ich ein kleines Rätsel für euch." Unter strahlend blauem Himmel und Sonnenschein begeben wir uns nochmal Richtung Zentrum, zum Universitätsviertel. Bei Tageslicht fallen uns umso mehr Salamancas Sandsteinbauten auf, aufgrund derer Salamanca zum UNESCO-Kulturerbe zählt. In der Sonne glänzen sie goldgelb. Deswegen wird sie auch die goldene Stadt genannt. Viele Bauten sind im Platereskerstil erbaut. Der Sandstein stammt aus dem Steinbruch Villamayor- Fakten aus meinem Reiseführer. Auffallend sind die Verzierungen an Dächern und Türmchen. Viele Vögel kreisen darüber. Wie romantisch! Auf den Dächern sitzen einige Storche in ihren grossen Nestern und ich beschliesse, dass für mich der Storch das neue Maskotchen Salamancas ist.

Frosch auf Totenkopf

Am Hauptportal der Universität angekommen ruft Laura: "Findet den Frosch", wir blicken sie verwundert an. "Nur wer den Frosch findet wird sein Studium erfolgreich beenden. Dr Frosch symbolisiert die Ausschweifungen im Leben, die nach dem Tod gesühnt werden. Er ist eine Mahnung an die lebenslustigen Studenten." Mit ungefähr 20 weiteren Touristen blicken wir auf die Fassade, die mit Skulpturen und Verzierungen überhäuft ist. Suchend untersuchen wir jeden Stein. Neben mir sagt ein älterer Mann zu seiner Frau auf Englisch: "Sehr beeindruckend. Wusstest du, dass die Universität eine der Ältesten in Spanien ist? Deswegen ist Salamanca auch so berühmt." Ich stelle mich etwas näher an sie heran, um besser hören zu können. "Schau dir diese zahlreichen Ausschmückungen an. Sie sind im Stil der spanischen Frührenaissance gestaltet." Wir blicken und blicken und finden ihn nicht, den Frosch, der übrigens das wahre Maskotchen Salamancas ist. Erst nach einiger Zeit sehen wir ihn. Er sitzt auf einem Totenkopf auf der rechten Seite. Glück gehabt, der Studiumabschluss ist gesichert. Beruhigt gehen wir weiter.

Seidenkleider und Rosenblätter

Mittlerweile ist es 13 Uhr und die Sonne brennt. Vom Universitätsviertel- es muss toll sein in diesen alten Sandbauten zu studieren- gehen wir weiter in Richtung Kathedrale. Was für eine Aussicht erstreckt sich nach wenigen Minuten vor uns: Was für ein gigantisches Bauwerk ist die Kathedrale! Unzählige goldschimmernde Auschmückungen, Verzierungen, Skulpturen und Figuren dekorieren Fensterrahmen, Türme und Türmchen. "Die Kathedrale von Salamanca ist prototypisch für den in Spanien verbreiteten plateresken Stil, der in der Übergangszeit von der Gothik zur Renaissane entstand," liest Johannes vor, der den ganzen Weg die Nase in seinem Reiseführer vergräbt und schon viele Aussichten verpasst hat. "Ja, ja", sagt Philipp, "Lass uns rein gehen!" "In welchen Teil gehen wir? Es gibt zwei, einen Neuen und einen Alten", werf ich ein. Wir gehen in die neue, im 18.Jahrhundert erbaute Kirche und schlendern durch das Hauptschiff. Zusammen mit Nikola komme ich an einer Marienkapelle vorbei. "Es ist wirklich unglaublich, wie Maria in Spanien vergöttert wird, " meint sie. Wir gehen weiter. Ich schaue aus einem seitlichen Ausgang, nanu: Eine Hochzeit! Vor der Kathedrale steht die Braut in einem langen, ausfallenden, weissen Hochzeitskleid. Um sie herum Frauen in grünen, blauen und roten Seiden-und Satinkleidern. Die Hälse schmücken Perlenketten. Davor sammeln Mädchen mit cremefarbenen Kleidchen und roten Schleifchen um die Hüften die auf dem Boden verstreuten orangenen und gelben Rosenblätter auf. Ich versuche die Stimmung einzufangen und zoome die Szene mit meiner Kamera nah heran. Das bemerkt zum Glück keiner, denn man positioniert sich zum Hochzeitsbild. Für uns geht es raus aus dem gegenüberliegenden Ausgang.

Blumenstrauss und Regenschirm

Während wir noch überlegen, ob wir den 16 Uhr-Bus nach Madrid nehmen oder doch nochmal zum Plaza Mayor gehen, kommt von links eine kleine Gruppe Nonnen in schwarz-weissen Gewändern vorbei. Wir haben Glück, denke ich. Die Einwohner Salamancas leben ihre Tradition an diesem Samstag Mittag und wir Touristen dürfen das miterleben. Der kleine Trupp verschwindet im Inneren der Kathedrale und wir beschliessen uns doch nochmal den Plaza Mayor anzuschauen. Schliesslich ist dieser Platz in ganz Spanien berühmt. Auf dem Weg kommen wir an vielen Strassenkünstlern und Musikern vorbei. Da gibt es etwa ein Pärchen, dass an diesem strahlenden Sommertag in Regenmänteln und mit Regenschirmen ausgestattet, aus deren Spitze in einer für uns unerklärlichen Weise Wasser geschossen kommt, urkomisch auf und ab hüpft und Schutz vor dem illusorischen Regen sucht. Auf dem Plaza Mayor dann die nächste kaberettistische Szene: Eine Frau und ein Mann in bunter Kleidung, er hält ihr einen Blumenstrauss hin, sie niesst, er hält hier den Finger unter die Nase, sie seufzt erleichtert. Das alles mit so übertriebener Mimik und Gestik, dass das versammelte Publikum in schallendes Gelächter ausbricht. Auch wir sind angetan, überqueren die grösste Plaza Spaniens mit seinem altertümlichen Rundumbau und treten nun aber wirklich den Rückweg an.

Eine kleine Stadt, die alles bietet

Im Bus entscheiden wir: Salamanca beeindruckt! Sie ist jung und lebendig, bunt und schlicht, traditionell und gleichzeitig modern! Eine golden-goldige Stadt, die alles zu bieten hat, für uns Studenten und für Jedermann!

Anfahrt von Madrid:
Busunternehmen Auto-Res
Estación de Autobuses
Metro Mendez Alvaro
> Busse stündlich von 7.00 Uhr bis 21 Uhr.

Tourismus Salamanca: http://www.salamanca.es
Katharina Bothe
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