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16. Dezember 2017
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  Die Pflicht zur Wahl: Orientierung im Studienalltag
 
 
 
Justin Pietsch
Als Madrid-Beobachter aus Deutschland grübelt der ehemalige Erasmusstudent über Leben und Leute in der grossen Stadt.


Die Wahl der Veranstaltungen an spanischen Universitäten kann den bildungshungrigen Erasmus-Studenten leicht verwirren. Da gibt es optativas, troncales, obligatorios, asignaturas de libre configuración – schwer zu überschauen, das alles. Was ist denn nun Seminar, was Vorlesung? Und wieso werden viele Kurse doppelt angeboten? Wir bringen Ordnung ins Chaos.

(Justin P. für MadriderZeitung.com) -

Mit diesem Wissen steht dem Doktortitel nichts mehr im Wege...

Das Studium an spanischen Universitäten ist ziemlich verschult. So ist es für deutsche Studenten ziemlich ungewohnt, wenn sie ihr Studium an einer spanischen Uni beginnen oder fortsetzen und plötzlich einen Stundenplan haben, der so kompakt ist wie damals zu Schulzeiten. Das kann natürlich seine Vorteile haben – kurze Wartezeiten zwischen den Veranstaltungen zum Beispiel. Doch zunächst einmal gilt es, die richtigen Kurse zu wählen und in dem ganzen Organisations-Wirrwarr durchzublicken.

Die Kurswahl ist zu Beginn etwas verwirrend. Da gibt es troncales, obligatorios, optativas und asignaturas de libre configuración. Mit Seminaren oder Vorlesungen haben diese Begriffe allerdings wenig gemeinsam. Sie beschreiben lediglich, ob ein Kurs Pflicht- oder Wahlpflichtveranstaltung ist:

- troncales: Pflichtkurse, die gesetzlich vorgeschrieben sind und landesweit einheitlich angeboten werden.
- obligatorios: Pflichtkurse, die von der Uni selbst festgelegt werden.
- optativas: Wahlpflichtkurse aus dem eigenen Fachgebiet, aus denen Studenten nach eigenen Präferenzen frei wählen können.
- asignaturas de libre configuración: Wahlpflichtkurse aus anderen Fachbereichen, aus denen Studenten nach eigenen Präferenzen frei wählen können.

Die asignaturas (Veranstaltungen) finden por la mañana (vormittags) oder por la tarde (nachmittags) in relativ kompakten Blöcken statt, dazwischen liegt meist eine Mittagspause von etwa zwei Stunden. Fast alle Veranstaltungen werden zweimal angeboten: einmal im turno por la mañana und einmal im turno por la tarde. Dieses System der Doppelbelegung ist zwar ziemlich unökonomisch, dafür ermöglicht es, Kurse lediglich vormittags oder ausschliesslich nachmittags zu besuchen - lange Wartepausen zwischen Veranstaltungen fallen so weg.

Carreras, ciclos und cursos

In Spanien wird lediglich eine carrera (Studiengang) studiert. Es ist also nicht üblich, wie in Deutschland beispielsweise ein Hauptfach und zwei Nebenfächer zu studieren. Für diese “Horizonterweiterung” sind die Kurse der libre configuracion vorgesehen, bei denen man aus Veranstaltungen anderer Fachrichtungen wählen muss.

Das Studium einer carrera dauert in der Regel vier bis sechs Jahre und gliedert sich in zwei Studienabschnitte: den primer ciclo, der vergleichbar mit dem Grundstudium ist, und den segundo ciclo, welcher dem Hauptstudium entspricht. Innerhalb dieser ciclos gibt es ausserdem die cursos. Der primer curso entspricht dabei dem ersten Studienjahr, der quinto curso wäre das fünfte Studienjahr. Pro ciclo werden also, je nach Länge des Studiengangs, zwei bis drei cursos studiert. Ein Halbjahr, in Deutschland Semester genannt, wird hier meist als cuatrimestre bezeichnet.

Vorlesung oder Seminar?

Inicio de las clases (Studienbeginn) an spanischen Universitäten ist zwischen September und Oktober, finalización de las clases (Studienende) im Mai. Die exámenes (Klausuren) des ersten Halbjahres werden Ende Januar geschrieben, die des zweiten Halbjahres im Juni. Die convocatoria extraordinaria (Zeit der Wiederholungsklausuren) finden je nach Universität im Juli oder September statt.

Unterschiede zwischen Vorlesung oder Seminar werden meist nicht gemacht. Es ist üblich, beides in einer Veranstaltung zu integrieren. Dies ist allerdings stark abhängig vom jeweiligen Dozenten: Manche halten ihre Veranstaltungen wie reine Vorlesungen mit abschliessender Klausur, andere integrieren praktische Arbeiten und Diskussionen.

Die Universitäten haben dabei weitgehende Freiheit, die Pflicht- und Wahlkurse festzulegen, die nötig sind, um einen akademischen Titel zu erwerben. Lediglich einige landesweit einheitliche Kurse müssen die Unis zwingend anbieten, ausserdem sind bei dem Kursangebot bestimmte Quoten einzuhalten.

Bachelor, Master und ECTS

Momentan befindet sich das Studiensystem allerdings im Wandel: Im Zuge des Bologna-Prozesses stellen auch die spanischen Universitäten die Studiengänge auf Bachelor und Master um. Das Bachelor-Studium soll dann vier, der anschliessende Master ein bis zwei Jahre dauern. Es ist vorgesehen, die Umstellung 2008/2009 abzuschliessen.

Doch auch so haben die meisten Universitäten ihr Bewertungssystem bereits auf das europäische ECTS (European Credit Transfer System) umgestellt, das die erbrachten Leistungen international vergleichbar machen soll. Ein crédito entspricht dabei zehn Stunden an Lehrveranstaltungen und Selbststudium – so steht es zumindest auf dem Papier. In der spanischen Praxis hingegen ist der Arbeitsaufwand häufig wesentlich geringer, als es das ECT-System vorschreibt.

Justin Pietsch
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