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28. Juni 2017
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  Ein Streifzug durch Toledo
 
 
 
Justin Pietsch
Als Madrid-Beobachter aus Deutschland grübelt der ehemalige Erasmusstudent über Leben und Leute in der grossen Stadt.


Als uneinnehmbare Festung ist Toledo bekannt, für religiöse Toleranz berühmt und für die Inquisition berüchtigt - doch wie passt das zusammen?

(Justin P. für MadriderZeitung.com) -

Schmale, dunkle Gassen sind typisch für Toledo

Einst eine scheinbar uneinnehmbare Festung und ein Zentrum der Toleranz, später eine Hochburg der Inquisition – Toledo fasziniert und verschreckt zugleich. Ist einmal der kleine Berg erklommen, auf dem die historische Altstadt Toledos liegt, durchquert man bald die schwere, hohe Stadtmauer und gelangt in kleine, Enge, düstere Gässchen. Ein Umhang der Dunkelheit, der mittelalterlichen Schwere umhüllt den neugierigen Besucher – ein Gefühl, als befinde man sich im Mittelalter. Doch das kann nicht ganz stimmen: Grosse und weniger grosse Autos schieben sich durch die schmalen Gassen, haarscharf vorbei an den begrenzenden Mauern und an einem selbst. Also doch noch das 21. Jahrhundert und kein Mittelalter.

Setzt man seinen Weg fort durch die Gässchen und lässt sich treiben, bewegt man sich irgendwo zwischen heute und gestern. Romanische Architektur mischt sich mit maurischen Bauelementen, daneben eine gothische Kathetrale. Und siehe da, mittendrin ein kleines Restaurant, ein niedliches Café oder eine einladende Konditorei, die das berühmte Marzipan aus Toledo anbietet. Und dann die Schwerter, die an jeder Ecke von geschäftstüchtigen Verkäufern angeboten werden. Nein, das Mittelalter ist dies ganz sicher nicht. Aber das ist wohl auch ganz gut so, andernfalls bliebe wohl nicht viel von der Freiheit, so unbekümmert durch die Strässchen zu streifen und sich von der Faszination mitreissen zu lassen.

Ein Streifzug durch die Geschichte

Die Römer eroberten Toledo 193 vor Christi, seitdem bekannt als Toletum. Fortan entwickelte die Stadt eine wichtige Eisenindustrie, die es ermöglichte, eigene Münzen zu prägen. So gelang Toledo unter römischer Herrschaft zu grosser Wichtigkeit, und über Jahrhunderte prägten die Römer das Stadtbild, so dass noch heute viele romanische Villen existieren.

411 nach Christus kamen dann die Alanen, 418 die Westgoten. Diese behielten knapp drei Jahrhunderte die Macht über Toledo, bis im achten Jahrhundert die Mauren die Stadt eroberten. Die Rückeroberung durch die Christen (Reconquista) erfolgte im 11. Jahrhundert, seitdem war Toledo bis zum 16. Jahrhundert die Hauptstadt Spaniens. In dieser Zeit erlangte die Stadt einen ausgezeichneten Ruf für seine Stahlschwerter sowie weitere Stahlprodukte und erlangte seine kulturelle, politische und soziale Blütezeit. Die folgenden Jahrhunderte lebten Juden, Christen und Muslime friedlich nebeneinander, alle mit ihrer eigenen Kultur und Lebensweise. Begünstigt durch diese Dreifaltigkeit der Kulturen enstand im 12./13. Jahrhundert ein bedeutendes Zentrum für Übersetzung, das eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung arabischer Philosphie und Wissenschaft sowie griechisch-antiker Quellen in Europa spielte. Mit dem Ende des 15. Jahrhunderts kam dann das Ende der religiösen Toleranz: Muslime und Juden wurden aus Spanien ausgewiesen, Toledo entwickelte sich zu einem Zentrum der Inquisition.

Anfang des spanischen Bürgerkriegs 1936 verschanzten sich Nationalisten in der Befestigung „el Alcazár“ und kämpften dort gegen die Republikaner. Franco nutzte diesen Kampf später als Propaganda für seine Zwecke.

Kurz und bündig

Das etwa 70 km südöstlich von Madrid gelegene Toledo ist mit knapp 80 000 Einwohnern auf etwa 232 qkm die Hauptstadt der autonomen Region Kastilien-La Mancha. Dank der Vielzahl an architektonischen und historischen Schätzen, darunter die Kathedrale Santa María aus dem 13./14. Jahrhundert, hat die UNESCO die Stadt 1986 zum Weltkulturerbe erklärt.

Anfahrt von Madrid

Busse rollen von morgens bis abends alle halbe Stunde nach Toledo, die Fahrt dauert etwa eine Stunde. Los geht es an der Busstation Menendez Pelayo, die bequem mit der Linie 6 (grau) der Metro zu erreichen ist. Das Ticket für Hin- und Rückfahrt (ida y vuelta) kostet 8,15 Euro. Mit dem Auto kommt man in knapp einer Stunde über die Autobahn A-42 von Madrid nach Toledo. Die Bahn ist die schnellste, allerdings auch die teuerste Option: Der Hochgeschwindigkeitszug AVE schafft die Strecke Madrid-Toledo in nur 25 Minuten, Hin- und Rückfahrt kosten dafür aber 14,40 Euro. Die Züge fahren von acht bis 22 Uhr an der Puerta de Atocha ab, dies leider nur in sehr unregelmässigen Abständen zwischen ein und zwei Stunden.


Turismo en Toledo
Offizielle Homepage von Toledo

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