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22. Oktober 2017
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  Anna Reimann, Erasmus-Studentin in Madrid
 
 
 
Erik N.
Nach dem Abitur und dem obligatorischen Zivildienst wurde überstürzt ein Jurastudium begonnen. Die Einsicht: Juristerei wird nicht zur (...)


Anna ist mit ihrem Sohn Julian für ein halbes Jahr nach Madrid gekommen, um an der Universidad Complutense Madrid zu studieren. Eigentlich lebt sie in Berlin.

(Madrider Zeitung / Erik Nissen) -

Anna und ihr Sohn Julian in ihrer madrider Wohnung.

Das Gespräch mit Anna Reimann fand am 18. Mai 2007 in ihrer madrider Wohnung statt.

Warum hast du dich entschieden nach Madrid zu gehen ? Kanntest du die Stadt bereits ?

Nein, ich war noch nie vorher in Spanien. Vor meiner Erasmus-Bewerbung war mir eigentlich nur klar, dass ich nach Spanien wollte. Die Stadt war erstmal zweitrangig. Ich studiere in Berlin an der HU und meine Uni hat sowohl einen Vertrag mit der UC Madrid, als auch mit einer Universität in Bilbao. Von Bilbao hatte ich gehört, dass es eine Studentenstadt sein soll. In Deutschland habe ich einige Zeit in Marburg gelebt. Marburg ist eine Studentenstadt, wie sie im Buche steht, was mir nicht gefiel. Daher entschied ich mich gegen Bilbao und für Madrid.

War es schwierig eine Wohnung zu finden ?

Eigentlich nicht. Ich hatte schon eine Wohnung, bevor ich nach Madrid flog. Die habe ich in einer Wohnungsbörse im Internet gefunden. Als Nachmieterin einer anderen deutschen Austauschstudentin hatte ich auch keine Probleme mit der Verständigung. Aber ich war mir natürlich ziemlich unsicher, was mich dort erwarten würde. Zwar hatte ich Bilder gesehen, doch wusste ich nicht, ob alles klappen würde. Letztendlich gab es keine Probleme und ich hab mich ganz umsonst gesorgt. Unser Vermieter ist richtig nett und hilfsbereit und die Wohnung war auch in einem sehr guten Zustand.

Wie gut konntest du die Sprache bei deiner Ankunft ?

Ich hatte im Semester einen Sprachkurs an der Uni der Stufe zwei belegt. Allerdings hatten wir nur zweimal die Woche Unterricht. Mein spanisch war also dementsprechend schlecht. Aber man muss einfach ins kalte Wasser springen und drauflos sprechen. Umso schöner ist es, wenn man sich seiner Fortschritte bewusst wird.

Hattest du große Verständigungsschwierigkeiten ?

Anfangs war es etwas schwierig. Man muss eben viel sprechen. Als ich die ersten Male in Clubs war oder sonst Kontakt zu Spaniern hatte und diese gemerkt haben, dass ich sie nicht so gut verstehe, haben sie angefangen englisch zu sprechen. Ich hab dann immer erzählt, dass ich gar kein englisch spreche, damit sie weiter mit mir spanisch sprechen. Ich wollte die Sprache nun einmal lernen. Das hat auch ganz gut funktioniert.

Wie bringst du Studium und Kind unter einen Hut ?

Vormittags, während ich in der Uni bin, ist Julian in der Kita. Eigentlich hätte ich ihn gerne in einer deutschsprachigen Kita angemeldet, aber es waren keine Plätze mehr frei. Die Anmeldelisten sind dort sehr lang und man muss sich sehr frühzeitig einschreiben, um einen Platz zu bekommen. Ich habe aber einen Platz in einer spanischsprachigen Kita gefunden. Die Leute dort sind sehr nett und haben mir wirklich geholfen. Für den Julian ist es anfangs bestimmt ein bißchen komisch gewesen. Mit 2 Jahren versteht er schon recht gut was ich sage und plötzlich versteht er in der Kita gar nichts mehr. Aber ich glaube er hat sich daran gewöhnt. Nachmittags hole ich ihn dann wieder ab. Referate und dergleichen mache ich, wenn der Kleine im Bett ist. Die Professoren gehen hier auch sehr großherzig mit den Erasmus Studenten um.

Hast du viel Kontakt zu anderen Erasmus Studenten/innen ?

Meine Wohnung teile ich mir mit einer anderen deutschen Erasmus Studentin, aber ansonsten eher wenig. Es gibt zwar viele Veranstaltungen für Erasmus Studenten, aber ich wollte lieber mit Spaniern und Spanierinnen Kontakte knüpfen. Auf den Erasmus Veranstaltungen lernt man eher Leute kennen, die die eigene Sprache sprechen oder man unterhält sich viel auf englisch. Außerdem stört mich, dass mir in der Uni sehr oft Erasmus Studenten in Horden begegnen. Wenn ich mich nur mit gleichsprachigen im Ausland unterhalte, kann ich auch zu Hause bleiben.

Welche Unterschiede siehst du im Gegensatz zum deutschen Unibetrieb ?

Die Leute kommen mir hier wesentlich engagierter vor. In fast allen Veranstaltungen, die ich besuche, schreiben die Studenten fleißig mit. Aber ich habe schon gesehen, dass einige auch nur Zeichnen oder Briefe schreiben. Nach Außen wirkt es dennoch so, als ob sie konzentriert das Gesagte protokollieren würden. Außerdem kommt mir der Altersdurchschnitt der Studierenden viel jünger vor als in Berlin, aber vielleicht täusche ich mich da auch.

Glaubst du, dass es schwieriger ist mit Kind ein Austauschsemester zu machen ?

Überhaupt nicht. Ich habe im Gegensatz zu Deutschland das Gefühl, dass die Madrilenen wesentlich kinderfreundlicher sind, als ich es in Deutschland erlebt habe. In der Metro stehen regelmäßig alte und junge Menschen auf und bieten mir ihren Platz an, wenn sie sehen, dass ich mit einem Kind unterwegs bin. Es reagiert auch kaum jemand mürrisch, wenn Julian jemanden vor die Füße läuft. Fast jeder hat ein freundliches Wort oder ein Lächeln für ihn übrig. Ich kann nur allen Müttern oder Vätern empfehlen trotz Kind ein Austauschsemester zu machen. Es ist wirklich schön und man stellt sich immer alles schwieriger vor, als es eigentlich ist.

Was gefällt dir besonders an Madrid ?

Besonders mag ich die kleinen Läden in denen ich meine täglichen Einkäufe erledige. Es ist vollkommen anders als in Berlin. Hier gibt es für fast alles einen eigenen Laden. Eine Fruteria für Obst und Gemüse, eine Carnerie für Fleisch und eine Panerie für das Brot. Sicherlich existieren auch die großen Shopping-Center, in denen man alles bekommt, aber die kleinen Läden wurden noch nicht verdrängt. Sie sind noch viel selbstverständlicher als in Berlin. Man muss natürlich weitere Strecken laufen beim Einkaufen, aber dafür trifft sich das ganze Viertel beim Einkaufen auf der Strasse. Das Leben spielt sich hier auch vielmehr draussen im Freien ab. Das gefällt mir sehr. Am liebsten gehe ich aber auf den Rastro. Dort bin ich fast jeden Sonntag zu finden. Ich liebe es auf dem Plaza del General del vara del rey in den riesigen Haufen zu stöbern und zu kramen.

Was planst für die Zukunft ?

Erstmal meine Prüfungen an der Universität zu bestehen und die restliche Zeit, die ich in Madrid habe, zu genießen.

Vielen Dank.

Erik N.
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