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23. März 2017
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  Ricardo Gassent Ballaguer, Präsident der Philharmonischen Gesellschaft Madrid - Berlin
 
 
 
Erik N.
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Ricardo Gassent Ballaguer ist Gründer und Präsident der "Philharmonischen Gesellschaft Madrid - Berlin". Seine ersten musikalischen Gehversuche unternahm er unter der Leitung seines Vaters.

(Madrider Zeitung / Erik Nissen) -

Ricardo Gassent Ballaguer - Präsident der Philharmonischen Gesellschaft Madrid - Berlin.

Ricardo Gassent Ballaguer unterrichtet an den Musikschulen von Alcobendas und Tres Cantos und ist seit längerem Dozent für Musikgeschichte an der Musikschule in Aranjuez. Das Gespräch fand am 04. Mai 2007 in einem madrider Hotel statt.

Wie beginnen Sie ihren Tag ?

Ich stehe um sieben Uhr morgens mit meiner Familie auf. Um halb acht bringe ich meinen sechsjährigen Sohn zum Schulbus. Meine Tochter ist 18 Monate alt. Sie muss noch nicht zur Schule.

Wodurch sind Sie zur klassischen Musik gekommen ?

Ich kommen aus einer Familie, die seit mehreren Generationen auf eine musikalische Tradition zurückblickt. Mein Vater, Ricardo Gassent Castellano, ist Solist an der Trompete beim Orchester von Radio Televisión Española (ORTVE). Er war auch mein erster Lehrer von dem ich lernte.

Ihr Instrument ist die Oboe, warum nicht die Trompete ?

Ich probierte mich früh an der Trompete, doch mit meinem Vater, einem professionellem Trompeter, funktionierte das nicht gut. Danach versuchte ich mich am Schlagzeug, merkte aber sehr schnell, dass dies nicht mein Instrument war. Dann entdeckte ich die Oboe und das Fagott und sagte meinem Vater, ich würde gerne eines der beiden Instrumente spielen lernen. Mein Vater war erfreut, dass ich ein klassisches Instrument lernen wollte. Er gab mir jedoch zu verstehen, dass die Oboe wesentlich günstiger als das Fagott sei. So war entschieden, dass ich Oboe lernen würde.

Welche musikalischen Einflüsse hatten Sie außer ihrem Vater ?

Nach meiner Meisterausbildung an der Oboe durch Jesús Meliá an der Musikhochschule Oscar Esplá in Alicante 1998 setzte ich meine Orchester- und Kammermusikausbildung seit 2000 in Berlin fort. Meine Lehrer waren die Berliner Philharmoniker Andreas Wittmann, Michael Hasel, Henning Trog, Fergus McWilliam und Walter Seyfarth, also das gesamte Philharmonische Bläserquintett. Besonders hat mich dabei die Arbeit mit Andreas Wittmann geprägt.

Was verbindet Sie mit Berlin/Deutschland ?

Während meiner Zeit in Berlin habe ich viele wunderbare Menschen kennengelernt und schöne Orte und Lokale der Stadt gesehen. Seitdem pflege ich eine enge Beziehung zu Berlin und den Menschen, denen ich dort begegnet bin. Schließlich bin ich durch meine Tätigkeit mit der Philharmonischen Gesellschaft Madrid - Berlin fast jeden Monat in der Stadt.

Haben Sie ein deutsches Leibgericht ?

Natürlich liebe ich Bier, Weizenbier genauer gesagt. Aber besonders mag ich auch die Wurst, die ich in Deutschland aß. Es ist eine andere Art von Wurst, als wir sie in Spanien haben. Außerdem schmeckt mir Schwarzbrot unheimlich gut.

Gibt es Unterschiede zwischen Spanien und Deutschland ?

Auf musikalischer Ebene gibt es sehr grosse Unterschiede. Allein die musikalische Tradition ist nicht miteinander zu vergleichen. Ausgehend von der Romantik hat sich in Deutschland und Österreich eine einmalige Entwicklung der klassischen Musik vollzogen, die ein sehr hohes Niveau erreichte. Viele grosse Komponisten aus dieser Zeit stammen aus besagten Gebieten. Spanien durchlebte ein kriegerische Epoche, während sich in Deutschland libertäre Ideen durchzusetzen begannen. Die Karlistenkriege fesselten das Land. Anders als in Deutschland hatte der Liberalismus hier viel weniger Anhänger. An eine musikalische Ausbildung oder Weiterführung der klassischen Tradition war nicht zu denken. Es gab sehr wenig Musiker, die auf hohem musikalischem Niveau spielten.

Wann begann sich dieses auszugleichen ?

Nach dem Spanischen Bürgerkrieg war das Land in der Hand der Frankofaschisten. Nachdem sie ihre Macht etabliert hatten, waren die Putschisten darauf bedacht, den Status Quo zu erhalten. So wurde versucht allen Gesellschaftsschichten möglichst viel Freiraum zu geben, ohne dass freilich die Macht der Herrschenden geschmälert wurde. Während der 40-jährigen Herrschaft konnten sich Musiker in Spanien wieder auf die romantische Tradition besinnen. Doch erst nach der Diktatur und dem Ende der spanischen Isolation in Europa konnte sich diese wieder voll entfalten. Seitdem wird diese Musik immer populärer.

Hat die spanische Musik deutsche Einflüsse ?

Spanien hat eine sehr lange musikalische Tradition, die aus vielen verschiedenen Gebieten beeinflusst wurde. Folkloristische Musik wie der Flamenco haben sicherlich keine deutschen Einflüsse. Eher ist diese Musik von den Gipsys und der arabischen Volksmusik geprägt. Die Ideen der romantischen Klassik hingegen stammen größtenteils aus dem deutschsprachigen Raum.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft ?

Momentan ist mein Hauptanliegen meine Familie. Ich schenke ihr soviel Aufmerksamkeit und Zeit wie möglich. Natürlich arbeite ich auch aktiv bei der Sociedad Filarmonica mit. Mit diesem Verein möchte ich noch viele musikalischen Träume von mir verwirklichen. In weiterer Zukunft möchte ich selbstverständlich noch meine Promotion an der Universidad Autónoma in Musikwissenschaften bei Professor Alfredo Vicent abschließen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Erik N.
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